text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Eine strahlende Zukunft Roman von Yates, Richard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.03.2014
  • Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Eine strahlende Zukunft

Jung, frisch verheiratet und ehrgeizig, versucht Michael Davenport, als Schriftsteller sein auskommen zu finden. Das große Privatvermögen seiner Ehefrau Lucy will er nicht angreifen, aus Angst, es würde ihn als Künstler korrumpieren. Lucy, unsicher, was von ihr erwartet wird, stürzt sich in die Schauspielerei, die Malerei, um ihrem Leben so einen Sinn zu geben. Doch die Jahre vergehen, die Misserfolge häufen sich, und hinter den hochtrabenden Erwartungen lauert ein Leben in Durchschnittlichkeit. und dann setzen die Zweifel aneinander ein ... In seiner Schilderung einer Ehe, die auf gegenseitigen Abhängigkeiten gründet und durch enttäuschte Hoffnungen und Ambitionen von innen zerfressen wird, begibt sich Richard Yates auf für ihn klassisches Terrain. Wie schon in seinem Meisterwerk 'Zeiten des Aufruhrs' demonstriert er einmal mehr sein Können als Chronist des Scheiterns, für das er in die Annalen der amerikanischen Literaturgeschichte eingegangen ist. Richard Yates wurde 1926 in Yonkers, New York, geboren und lebte bis zu seinem Tod 1992 in Alabama. Obwohl seine Werke zu Lebzeiten kaum Beachtung fanden, gehören sie heute zum Wichtigsten, was die amerikanische Literatur des 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Wie Ernest Hemingway prägte Richard Yates eine Generation von Schriftstellern. Die DVA publiziert Yates' Gesamtwerk auf Deutsch, zuletzt erschien der Roman 'Eine strahlende Zukunft'. Das Debüt 'Zeiten des Aufruhrs' wurde 2009 mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen von Regisseur Sam Mendes verfilmt. 'Cold Spring Harbor', zuerst veröffentlicht 1986, ist Yates' letzter vollendeter Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 10.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641126308
    Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
    Originaltitel: Young Hearts Crying
    Größe: 562 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Eine strahlende Zukunft

1. KAPITEL

Mit dreiundzwanzig hatte Michael Davenport gelernt, seiner eigenen Skepsis zu trauen. Er hielt nichts von Mythen oder Legenden, nicht einmal in Gestalt allgemeiner Annahmen; er wollte stets zur wahren Geschichte vordringen.

Gegen Ende des Kriegs in Europa war er als Rumpfschütze einer B-17 erwachsen geworden, und eins der Dinge, die ihn am meisten an der Luftwaffe gestört hatten, war ihre Werbekampagne. Jeder betrachtete die Air Force als den tollsten, glücklichsten Militärzweig – besser verpflegt, untergebracht und bezahlt als die anderen, mit größeren persönlichen Freiheiten und schicker Kleidung ausgestattet, die man auf " legere" Art trug. Und jeder dachte, die Air Force gebe sich nicht mit dem belanglosen Problem militärischer Disziplin ab: Fliegen, Kühnheit und Kameradschaft galten mehr als blinder Respekt vor Höherrangigen; Offiziere und gemeine Soldaten konnten, wenn sie wollten, miteinander befreundet sein, und auch der vorgeschriebene militärische Gruß war dort nur eine angedeutete, beiläufige Verspottung seiner selbst. Angeblich bezeichneten die Soldaten der Bodentruppen die Air-Force-Leute neidvoll als "Fly-Boys".

Vermutlich war das nur harmloses Gerede; es lohnte sich nicht, darüber zu streiten; doch Michael Davenport würde nie vergessen, dass seine eigene Air-Force-Zeit erniedrigend, langweilig und trostlos gewesen war, dass er bei seinen Kampfeinsätzen schreckliche Angst gehabt hatte und im Nachhinein ungeheuer froh war, den ganzen Mist hinter sich zu haben.

Dennoch hatte er auch ein paar gute Erinnerungen mit nach Hause gebracht. Zum Beispiel, dass er es bei dem Boxturnier in Blanchard Fields, Texas, im Mittelgewicht bis ins Halbfinale geschafft hatte – so etwas konnten nicht viele Anwaltssöhne aus Morristown, New Jersey, von sich behaupten. Eine weitere Erinnerung, die im Laufe der Zeit zunehmend philosophische Züge annahm, war die Bemerkung, die ein namenloser Schießausbilder in Blanchard Fields eines glühend heißen Nachmittags während eines ansonsten langweiligen Vortrags gemacht hatte.

"Versucht, euch das zu merken, Männer. Einen Profi erkennt man stets daran – und ich meine, in jedem Metier –, dass er etwas Schwieriges leicht aussehen lässt."

Schon damals, inmitten der schläfrigen Rekruten von jenem eindrücklichen Gedanken wachgerüttelt, hatte Michael eine Zeit lang gewusst, welches Metier es war, in dem er sich einmal als Profi auszeichnen wollte: Er wollte Gedichte und Theaterstücke schreiben.

Kaum aus der Army entlassen, ging er nach Harvard, vor allem weil ihn sein Vater dazu gedrängt hatte, und zunächst war er fest entschlossen, sich auch von den Mythen oder Legenden Harvards nicht täuschen zu lassen: Er wollte nicht einmal die äußerliche Schönheit des Ortes eingestehen, geschweige denn sie bewundern. Es war eine Universität wie jede andere, die es ebenso verbissen auf sein GI-Bill-of-Rights-Geld abgesehen hatte wie jede andere.

Doch nach ein, zwei Jahren wurde er etwas nachsichtiger. Die meisten Kurse waren tatsächlich anregend; die meisten Bücher gehörten tatsächlich zu der Literatur, die er schon immer hatte lesen wollen; seine Kommilitonen, jedenfalls manche, erwiesen sich als Menschen, wie er sie sich immer als Freunde ersehnt hatte. Nie trug er seine alte Armeeuniform – auf dem Campus wimmelte es von Männern, die sich so kleideten und größtenteils als "Berufsveteranen" abgetan wurden –, doch er behielt den modifizierten Schnauzbart, der beim Militär seine einzige Affektiertheit gewesen war, denn dieser diente noch immer dem Zweck, ihn älter wirken zu lassen. Und gelegentlich musst

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen