text.skipToContent text.skipToNavigation

Eine tausendmal wiederholte Lüge Roman. von Marmelo, Manuel J. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.06.2015
  • Verlag: A1 Verlag
eBook (ePUB)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Eine tausendmal wiederholte Lüge

Um der Anonymität seines gewöhnlichen Lebens zu entkommen, der Einsamkeit beim Schreiben und dem Vergessen durch künftige Leser, erfindet der Erzähler ein monumentales Werk und seinen Autor - Oscar Schidinski, einen ungarischen Juden mit wechselvollem Leben - dazu eine Vielzahl an Protagonisten und Geschichten. Mit wachsender Begeisterung erzählt er seinen Mitreisenden im Stadtbus über das Unglück des Zebramanns von Polvorosa, das Chaos im Postwesen von Granada, den Fluch eines Seemanns namens Albrecht sowie über die Erinnerungen des alten Afonso Cão, dem Freund von Cassiano Consciência, Rechtsanwalt und Besitzer des einzigen bekannten Exemplars des Romans 'Die eroberte Stadt', Oscar Schidinskis Meisterwerk. Immer großartigere Handlungsstränge des erfundenen Romans, immer konkretere und abenteuerliche biografische Details seines angeblichen Autors entwirft er, verstrickt sich in literarische Konstruktionen und Exkurse über die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts und die Weltliteratur, löst sie elegant wieder auf und stellt gelegentlich alles infrage, was er zuvor spannungsreich aufgebaut hat - einschließlich seiner eigenen Biografie -, um zu erzählen und zu erzählen, wie eine moderne Scheherazade, der niemand mehr zuhört. Und während der Stadtbus durch das Viertel Cedofeita in Porto fährt, reist, wer ihn erzählen hört, von Belize nach Budapest, über Honduras und die Schweizer Alpen, nach Paris und Lissabon. Den ersehnten Ruhm wird der Erzähler nie erringen - es sei denn in kurzen Augenblicken - doch möglicherweise findet er auf diesem Weg seine Liebe. Oder ist auch das nur eine Erfindung?

Manuel Jorge Marmelo, geboren 1971 in Porto, schreibt, seit er kaum volljährig bei der portugiesischen Tageszeitung "Público" anheuerte. 1997 erschien seine erste Novelle, 1999 sein erster Roman. Seitdem veröffentlichte er fast zwei Dutzend Romane, Erzählbände, Theaterstücke und Kinderbücher. Für "Eine tausendmal wiederholte Lüge" wurde er im Februar 2014 mit dem portugiesischen Literaturpreis "Casino da Póvoa" ausgezeichnet. Marmelo lebt in Porto.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 216
    Erscheinungsdatum: 03.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783940666659
    Verlag: A1 Verlag
    Übersetzt von: Übersetzung: Kegler, Michael
    Größe: 3696kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Eine tausendmal wiederholte Lüge

K ennen Sie die Geschichte vom Zebramann?

Wollen Sie sie hören? Ich erzähle sie Ihnen so, wie Marcos Sacatepequez sie schrieb.

Oder genauer, wie Oscar Schidinski sagt, dass er sie geschrieben habe.

Nämlich:

Polvorosa ist ein pueblo , wie viele in diesem Land der Bananenstauden und Kakaoplantagen. Es besteht aus einer staubigen Straße, die von der Sandpiste von Insolación Richtung Norden abzweigt. Zu beiden Seiten reihen sich fünfzehn oder zwanzig Gebäude aus Holz aneinander, fast alle verwahrlost, verblichen und vom Zahn der Zeit angenagt. Es gibt ein Geschäft, in dem man bei Bedarf einige einfache Dinge erwerben kann: Kerzen, Kerosin, Trockenfleisch, Reis und Bohnen, Zuckerrohrschnaps, Nägel, ein bisschen Bekleidung und Seife. Kaum mehr. Rechts vom Ortseingang befindet sich inmitten der Häuser ein etwas weniger erbärmliches Gebäude aus Backsteinen, gekalkt und zwei Stockwerke hoch, mit einem Balkon auf gusseisernen Pfeilern. Dort wohnen die Fuentes. Die Fuentes waren die ersten Siedler in dieser Gegend, und ihnen gehört alles, was hier lebt, alle unbeweglichen Dinge und auch die Menschen, falls sie nicht ohnehin irgendwie mit ihnen verwandt sind.

Hinter den Häusern fließt ein kleiner Fluss, und dahinter stehen die Kakaoplantagen, die so gut wie einzige Einkommensquelle des pueblos . Polvorosa wäre also ein Ort, den es sich kaum zu besuchen lohnte, noch weniger zu erwähnen, gäbe es dort nicht einen, der völlig anders ist als alle anderen bekannten Menschen. Man nennt ihn den Zebramann, und er ist eine so außergewöhnliche Erscheinung, dass, wäre der pueblo nicht derart weit draußen, am Ende der Welt, dort bereits Leute aus allen Himmelsrichtungen, Gelehrte, Wissenschaftler, Ärzte und einfach nur Neugierige auf der Suche nach Absonderlichkeiten aller Art hingeströmt wären, nur um ihn zu sehen und sich zu vergewissern, dass es ihn tatsächlich gibt, so, wie man es sich erzählt.

Soll ich fortfahren?

Als die Fuentes hierher kamen - ein Mann, seine Frau, sechs Burschen und zwei Mädchen, noch keine fünfzehn Jahre alt, dazu ein Schwein, ein Hahn und drei junge Hennen - war Polvorosa nicht mehr als ein Ort ohne Namen, heiß, abgelegen und mitten im Dschungel. Es gab keine Straße, kein Haus, und die erste Hütte, die hier errichtet wurde, baute der alte Fuentes mit eigenen Händen. Knorrig und derb scheint er gewesen zu sein und bereits unter der feuchten Härte des Landes geboren, ein Enkel galicischer Einwanderer, die schon im 18. Jahrhundert hier sesshaft geworden waren. Man weiß nicht, wie er in den Besitz von so viel Land kam und auch nicht, wie viel er dafür bezahlte, doch in einer Schublade aus dunklem Holz im Steinhaus liegt ein vergilbtes Dokument, das die Eigentumsrechte belegt, die übrigens nie jemand in Zweifel zog.

Nachdem die Fuentes sich in der Gegend niedergelassen hatten, wurde das Land gerodet und Stück für Stück urbar gemacht, und obwohl ihre Nachkommenschaft langsam heranwuchs, konnte die Familie nicht alles alleine bewältigen und ließ deshalb aus Insolación zwei weitere Siedlerfamilien kommen, mittellos und zu Bedingungen, die bis heute, drei Generationen später, noch gültig sind: Ein Stückchen Land für ein Haus, einen Gemüsegarten und etwas Vieh sowie in der Woche zwei Pesos, für die falls nötig von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, sieben Tage die Woche zu arbeiten ist, nur nicht an Feiertagen. Doch da es von hier bis Insolación keinen Priester gab, rief an Festtagen der alte Fuentes selbst seine Angestellten und die Familie zusammen und las vormittags ein oder zwei Psalmen aus der Heiligen Schrift vor, um ihnen dann für den restlichen Tag freizugeben, als wäre tatsächlich ein Feiertag.

Insolación ist noch heute sehr abgelegen. Die Straße wurde erst lange nach der Ankunft der Fuentes gebaut, für den Kakaotransport aus den neuen Siedlungsgebieten im Westen, auf denen die Hoffnungen der Kolonialverwaltung ruhten. Der S

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.