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Eines Morgens in Paris von Richardson, Charles Scott (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.10.2014
  • Verlag: Atlantik Verlag
eBook (ePUB)
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Eines Morgens in Paris

Octavio ist Bäcker, sammelt Bücher und lernt durch eine Verkettung von Zufällen Isabeau kennen - die Liebe seines Lebens. Ein in grünes Leinen gebundenes Buch spielt dabei eine genauso große Rolle wie ein halbblinder Uhrmacher, eine Buchhändler-Familie und ein Künstler. Und dann ist da noch die schrullige Stammkundschaft der Boulangerie... Wir werden Zeuge einer gleichermaßen außergewöhnlichen wie unwahrscheinlichen Liebesgeschichte, die vom Glück des Zufalls und der Liebe erzählt. Charles Scott Richardsons Roman ist eine zauberhafte, rührende Ode an das Leben und eine ganz besondere Entdeckung für alle, die auch Die fabelhafte Welt der Amélie lieben. Charles Scott Richardson, geboren 1955, lebt in Toronto. Er ist Buchgestalter und bekannt als Autor des Erfolgsromans Eines Morgens in Paris . Sein Debüt Das Ende des Alphabets erschien in dreizehn Ländern und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 08.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455170115
    Verlag: Atlantik Verlag
    Größe: 832 kBytes
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Eines Morgens in Paris

S einerzeit war der Vater des Bäckers ein gefeierter Mann gewesen, obwohl er keinen offiziellen Titel innehatte. Nie hatte an der Tür seines Ladens das Schild gehangen: SEHEN SIE ÉMILE NOTRE - DAME , DEN DÜNNSTEN BÄCKER VON PARIS ! Ebenso wenig war ihm je eingefallen, sich diese Eigenschaft zunutze zu machen und im Schaufenster den Hinweis zu platzieren: UND DOCH , WIE RUND SIND SEINE BROTE !

Seine magere Erscheinung war Quelle endloser Debatten unter den Stammkunden, wenn sie um ihr täglich Baguette anstanden. Manche behaupteten, Monsieur könnte ebenso gut unsichtbar sein. Mit diesen Beinen ist unser lieber Émile mehr denn aller Ehren wert. Andere waren sicher, dass es unter den zahllosen Bäckern der Stadt auch dürrere Kandidaten geben musste. Daraufhin gab jemand zu bedenken, dass es nicht Monsieurs Statur war, die ihn ehrenwert mache. Unser Mann leistet einen vorbildlichen Dienst, sagte er, seinem Handwerk ebenso wie uns. Er steht zu unchristlichen Uhrzeiten auf, backt uns bei noch so schlechtem Wetter gutes Brot und reicht es mit einem Lächeln und einer Geschichte über den Ladentisch. Von mir aus könnte er aus Zahnstochern gebaut sein.

Am Ende waren sie sich alle einig, dass es – in Anbetracht der Lockungen von Butter, Hefe und Eiern – an ein Wunder grenzte, wie ein Bäcker in Frankreich überhaupt so schlank sein konnte.

Das Volumen der Bäckersfrau gab nie Anlass zu Diskussionen. Eine Frau von italienischer Abstammung und hitziger Religiosität, war Madame Immacolata Notre-Dame ansonsten von großzügiger Rundheit. Einzig ihr Kopf war klein: eine zierliche Kugel, bedeckt mit straff ins Genick gezogenem Haar, die durch die hochgeschlossenen Kragen von Madames Blusen umso kleiner wirkte. Niemand redete sie mit Immacolata an. Für alle war sie schlicht und fromm Madame; und ihr Émile war jedermanns Monsieur.

Die Bäckerei nahm das Erdgeschoss eines schmalen keilförmigen Gebäudes ein, das im ganzen Viertel als das Tortenstück bekannt war. So weit irgendjemand zurückdenken konnte, stand in verschnörkelten Holzbuchstaben über ihren Schaufenstern

BOULA GERIE NOTRE-DAME

, wobei das N schon immer gefehlt hatte.

Alle, die den Laden besuchten, waren sich darin einig, dass die Beschilderung ebenso charmant war wie das gequetschte Dreieck von Gebäude, das die Bäckerei beherbergte, und das Dick und Dünn von deren Besitzerehepaar. Dennoch gab es Forderungen, dass Monsieur eine Reparatur vornähme. Die aufgeregteren Stammkunden beharrten, Touristen könnten, wenn sie irgendwo falsch abbogen und sich außerstande sahen, Boula und gerie zu entschlüsseln, zum Herumlungern verlockt werden. Sie werden sehen, Monsieur, wie sich diese armen Geschöpfe zur Mutmaßung versteigen, das unterbrochene Wort könnte Kathedrale bedeuten. Was sie nur umso ängstlicher machen wird, weil sie sich fragen werden, ob sie überhaupt im richtigen Arrondissement sind. Dann werden sie ihre Koffer entleeren, auf der Suche nach Sprachführern und Stadtplänen. Und dann, Monsieur, wird das Unausweichliche geschehen: Unterwäsche und Strümpfe, und der Himmel weiß, was noch, werden über die ganze Straße verstreut.

Um diese Bedenken zu zerstreuen, dachte sich Monsieur dann eine Geschichte über das Verschwinden des Ns aus. Er fing etwa damit an, dass er behauptete, Napoleon selbst habe es geklaut. Der General erwachte dann in der Gestalt Monsieurs zum Leben: wie er eine wackelige Leiter hinaufkletterte, sich nach dem ersehnten Buchstaben reckte, störrische Nagelköpfe mit den Fingern heraus

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