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Elf Arten der Einsamkeit Short Storys von Yates, Richard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.06.2019
  • Verlag: Penguin Verlag
eBook (ePUB)
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Elf Arten der Einsamkeit

"Ein Meister der Zwischentöne" Deutschlandradio Kultur Ob Angestellter in einem kleinen Büro in Manhattan, ob Feldwebel in Texas oder Tuberkulosepatient auf Long Island: Richard Yates' Figuren sind allesamt darum bemüht, ihr unglückliches Leben in den Griff zu bekommen. Sie hassen ihre Arbeit, trinken zu viel und träumen von besseren Zeiten. Sie schlingern zwar dem Untergang entgegen, aber sie weigern sich, ihre Illusionen aufzugeben. Mit unerbittlicher Schärfe, aber tiefer Sympathie für seine Figuren, entlarvt Richard Yates die Schattenseiten des amerikanischen Traums. Meisterhafte Short Storys aus einer Welt, die ihre Ideale zu verlieren droht. Richard Yates wurde 1926 in Yonkers, New York, geboren und lebte bis zu seinem Tod 1992 in Alabama. Obwohl seine Werke zu Lebzeiten kaum Beachtung fanden, gehören sie heute zum Wichtigsten, was die amerikanische Literatur des 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Wie Ernest Hemingway prägte Richard Yates eine Generation von Schriftstellern. Die DVA publiziert Yates' Gesamtwerk auf Deutsch, zuletzt erschien der Roman 'Eine strahlende Zukunft'. Das Debüt 'Zeiten des Aufruhrs' wurde 2009 mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen von Regisseur Sam Mendes verfilmt. 'Cold Spring Harbor', zuerst veröffentlicht 1986, ist Yates' letzter vollendeter Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 10.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641246068
    Verlag: Penguin Verlag
    Serie: Penguin Taschenbuch 10473
    Originaltitel: Eleven Kinds of Loneliness - (Sammelbd.: The Collected Stories of Richard Yates)
    Größe: 3130 kBytes
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Elf Arten der Einsamkeit

Doktor Schleckermaul

Miss Price wußte von dem neuen Jungen bloß, daß er sein Leben größtenteils in einem Waisenhaus verbracht hatte und daß "Tante und Onkel", die grauhaarigen Leute, bei denen er inzwischen wohnte, die rechtmäßigen, vom Wohlfahrtsamt der Stadt New York bezahlten Pflegeeltern waren. Ein weniger engagierter oder weniger phantasievoller Lehrer hätte vielleicht auf mehr Einzelheiten gedrängt, aber Miss Price war mit diesem schlichten Überblick zufrieden. Ja, er genügte, um sie mit dem Gefühl eines Auftrags zu erfüllen, was ihre Augen schon am ersten Morgen, beim Eintritt des Jungen in die vierte Klasse, hell wie die Liebe leuchten ließ.

Er kam früh und setzte sich in die hinterste Reihe, kerzengerade, mit exakt unter dem Tisch gekreuzten Füßen, die Hände mitten auf der Schreibplatte verschränkt - als mache ihn die Symmetrie weniger verdächtig; als die übrigen Kinder hintereinander hereinmarschierten und ihre Plätze einnahmen, bedachte ihn jeder mit einem langen, ausdruckslosen Blick.

"Wir haben heute morgen einen neuen Klassenkameraden", sagte Miss Price; sie brachte das Offensichtliche so betont hervor, daß alle am liebsten gekichert hätten. "Er heißt Vincent Sabella und kommt aus New York City. Ich weiß, wir werden unser Bestes tun, damit er sich wie zu Hause fühlt."

Hierauf fuhren die Mitschüler herum und starrten ihn an, so daß er den Kopf ein wenig einzog und auf seinem Sitz hin und her rutschte. Normalerweise trug der Umstand, daß einer aus New York kam, dem Betreffenden ein gewisses Prestige ein, denn für die meisten Kinder war die Stadt ein ehrfurchtgebietender Ort für Erwachsene, der ihre Väter tagtäglich verschluckte und den sie nur selten, und dann in den besten Kleidern, zum Vergnügen besuchen durften. Andererseits war auf den ersten Blick zu erkennen, daß Vincent Sabella überhaupt nichts mit Wolkenkratzern zu tun hatte. Auch ohne sein verfilztes schwarzes Haar und die graue Haut hätte ihn seine Aufmachung verraten: eine lachhaft neue Cordhose, lachhaft alte Turnschuhe und ein gelbes, viel zu kleines Sweatshirt, auf dessen Vorderseite die kargen Überreste einer aufgedruckten Mickymaus zu sehen waren. Er stammte eindeutig aus jenem Viertel von New York, das man durchqueren mußte, wenn man mit der Bahn in Richtung Grand Central unterwegs war - aus jenem Viertel, wo die Leute ihr Bettzeug über die Fenstersimse hängten und sich den ganzen Tag von Langeweile benebelt hinauslehnten und wo man nichts als schnurgerade, tiefe Straßenzüge sah, die sich im Wirrwarr der Gehwege allesamt ähnelten und in denen es von graugesichtigen, in irgendein hoffnungsloses Ballspiel vertieften Jungen wimmelte.

Die Mädchen fanden ihn nicht besonders hübsch und wandten sich ab; die Jungen hingegen setzten ihre Musterung fort und begutachteten ihn mit leisem Grinsen von oben bis unten. Er zählte zu der Sorte von Jungen, die sie gewöhnlich für "knallhart" hielten, zu der Sorte, deren Blick ihnen in unvertrauter Umgebung schon so manches Mal Unbehagen bereitet hatte; hier bot sich eine einzigartige Chance zur Vergeltung.

"Wie sollen wir denn zu dir sagen - Vincent?" erkundigte sich Miss Price. "Ich meine, was ist dir lieber, Vincent oder Vince oder ... oder wie?" (Es war eine rein akademische Frage; auch Miss Price wußte, die Jungen würden "Sabella" zu ihm sagen, und die Mädchen würden ihn überhaupt nicht ansprechen.)

"Vinny's okay", antwortete er mit sonderbar krächzender Stimme, die sich in den häßlichen Straßen seines Viertels offenbar heiser geschrien hatte.

"Ich habe dich leider nicht verstanden", sagte Miss Price und reckte den hübschen Kopf seitwärts nach vorne, so daß ihr Haar ein Stück über die Schulter wogte. "Sagtest du Vince?"

"Vinny's recht", wiederholte er und rutschte unruhig hin und her.

"Vincent, ja? Na schön, also dann Vincent." Ein paar Mitschüler kicherten, aber keinem wäre es eingefallen, die Lehrerin z

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