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Erzählungen aus der alten Welt von Becker, Karl Friedrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
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Erzählungen aus der alten Welt

Karl Friedrich Becker ( 11. März 1777 in Berlin, 15. März 1806, auch Carl Friedrich und Carolus Fridericus) war ein deutscher Pädagoge und Historiker. (Auszug aus Wikipedia)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 593
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956769764
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 762 kBytes
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Erzählungen aus der alten Welt

Telemachos' Ausfahrt.

Zweiter Abend.

Mit der erwachenden Morgensonne sahen die Reisenden Pylos vor sich, eine kleine Stadt auf der westlichen Küste des Peloponnes oder der heutigen Halbinsel Morea, da wo jetzt Alt-Navarin liegt. Hier lebte der alte neunzigjährige Nestor inmitten seiner Unterthanen, wie ein Vater bei seinen Kindern. Und wirklich war seine eigene Nachkommenschaft so zahlreich, daß er in den Volksversammlungen fast unter lauter Verwandten saß. Seine Erfahrung und Weisheit hatte ihm längst einen ruhmvollen Namen erworben und seine Achtung fest gegründet. Man begehrte seinen Rat, man freuete sich seiner Güte und Milde, und die Erzählungen von den großen Schicksalen seines Lebens verkürzten der aufhorchenden Jugend manche Stunde.

Eben an dem Morgen, als Telemachos mit seinen Genossen sich Pylos näherte, hatte Nestor früh die Pylier am Gestade des Meeres versammelt, um dem Poseidon ein großes Opfer zu bringen. Es war ein wunderbarer Anblick, Tausende froher Menschen hier beisammen zu sehen, zu neun Reihen geordnet, in deren jeder fünfhundert Männer saßen. Jede Reihe hatte neun Stiere gegeben, die nun geschlachtet wurden. Die fetten Hüftenstücke dufteten auf dem flammenumloderten Altare dem Gotte zu Ehren, das andere Fleisch aber teilten die Opfernden unter sich und schmausten es behaglich, nachdem sich ein jeder seinen Anteil an Ort und Stelle im Feuer gebraten hatte.

Athene in Mentors Gestalt und der junge Telemachos waren nun ausgestiegen, hatten das Schiff den Ruderern zur Bewachung überlassen und machten sich zu Fuß auf den Weg zu den Schmausenden. Der göttliche Führer stärkte des schüchternen Jünglings Herz durch ermunternde Worte, hieß ihn Mut fassen und den Greis ohne Zagen anreden, und lehrte ihn, was er sagen und wie er sich benehmen solle. Und kaum waren sie von den pylischen Männern aus der Ferne erblickt worden, als schon eine Schar von Jünglingen ihnen entgegen kam und nach der schönen gastfreundschaftlichen Sitte des Altertums ihnen die Hände zum Gruße bot. Vor allen zeichnete sich Nestors jüngster Sohn Peisistratos , der mit Telemachos in gleichem Alter stand, durch seine Herzlichkeit aus; er nahm die beiden Fremden bei der Hand, führte sie zu weichen Sitzen neben seinem Vater und Thrasymedes , dem Bruder, hin und holte Braten und Wein herbei, um die Ermüdeten zu erquicken. Darauf füllte er einen goldenen Becher und, trank ihn der Athene zu, indem er sagte:

"Hier, lieber Gast, nimm teil an unserm frohen Opfer; wir bringen es dem meerbeherrschenden Poseidon. Sprenge auch du dem mächtigen Gotte von diesem Weine und bete zu ihm für unser Wohl. Kein Mensch kann ja der Götter entbehren. Aber wenn du geopfert und selbst getrunken hast, dann gieb deinem Freunde den Becher, daß er auch für uns bete. Du bist der Ältere, darum reiche ich dir zuerst den Becher."

Athene freute sich des bescheidenen und verständigen Jünglings, nahm den Becher aus seiner Hand, goß zum Opfer die ersten Tropfen auf die Erde und betete: "Höre mich, Poseidon, und erachte uns würdig, jedes von uns begonnene gute Werk zu fördern. Schmücke Nestor, den Greis, und seine Söhne mit Ehren, und auch den andern Pyliern vergilt mit Gnade das festliche Opfer, das sie dir heute bringen. Dann aber gieb auch mir und meinem Freunde Glück zu dem Vorhaben, um deswillen wir die Fahrt unternommen haben, und laß es uns wohl vollenden." - Also betete sie, und während sie noch sprach, erfüllte sie schon heimlich durch ihre göttliche Macht das Erbetene. Dann empfing Telemachos aus ihrer Hand den Becher und trank, gleichfalls opfernd und betend, auf das Wohl der schmausenden Männer.

Erst als die Gäste gesättigt waren, am Ende des Festmahles, hielt es der ehrwürdige Nestor für geziemend nach Namen und Geschäft der Fremdlinge zu fragen. Telemachos erzählte ihm alles der Wahrheit getreu und beschwor den Greis, auch ihm alles zu erzählen, was er von seinem Vater wisse, selbs

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