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Es geschah am ersten September (oder ein andermal) von Rankov, Pavol (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.02.2015
  • Verlag: Wieser Verlag
eBook (ePUB)
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Es geschah am ersten September (oder ein andermal)

Es geschah am ersten September mitten in Europa - in der kleinen südslowakischen Stadt Levice. Dass aus Levice schon bald das ungarische Leva werden würde, ahnt zu Beginn der Handlung 1938 niemand, schon gar nicht die drei Schulfreunde, die sich nur für ihre Mitschülerin, die schöne Slowakin Mária interessieren. Da ist der Tscheche Jan, den es nach Palästina und dann nach Amerika verschlägt, was den Geheimdienst nicht hindert, ihm anhaltende Avancen zu machen; Peter, der mit ungarischen Wurzeln und dem schier unerschütterlichen Glauben an die Reformierbarkeit des Sozialismus ausgestattet ist, und der zuweilen etwas naiv agierende Gabriel, der sich nur dann als Jude fühlt, wenn jemand auf die Juden schimpft. Drei Freunde, ein Mädchen und dreißig Jahre europäischer Geschichte voller Umbrüche. Und immer wieder wird aus Lebenskonzepten ein nahezu ohnmächtiges Reagieren auf die Ereignisse jener Zeit: Krieg, kommunistischer Umbruch, Budapester Aufstand, Niederschlagung des Prager Frühlings...

Pavol Rankov: Geboren 1964 in der Hohen Tatra, studierte Bibliothekswissenschaften. Seit 1993 ist er an der Philosophischen Fakultät der Comenius Universität Bratislava tätig und arbeitet derzeit dort als Dozent für Informationswissenschaften. Von ihm erschienen sind bisher 4 Erzählbände, für seinen 2008 erschienenen Roman 'Es geschah am ersten September (oder ein andermal)' wurde er mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet und 2014 mit dem Mitteleuropäischen Literaturpreis Angelus der Stadt Breslau. Der Roman wurde bisher in 8 Sprachen übersetzt, 2011 erschien Rankovs zweiter Roman 'Mütter'. Der Autor lebt in Bratislava.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 520
    Erscheinungsdatum: 25.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990470183
    Verlag: Wieser Verlag
    Größe: 824 kBytes
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Es geschah am ersten September (oder ein andermal)

Episode 1938

Ende der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts konnten sich nur wenige Kleinstädte in der Tschechoslowakischen Republik rühmen, ein eigenes Freibad zu besitzen. Levice gehörte dazu.

Der erste September 1938 war ein sonniger Tag, und deshalb waren so gut wie alle im Freibad - Erwachsene mit Kindern und ohne Kinder, Jugendliche und Alte, Leute aus Levice und den umliegenden Dörfern, Ungarn, Slowaken, Tschechen, Juden, Zigeuner, die Familie des Deutschen Barthel und der Bulgare Rankov. Demokraten waren hier, Liberale, Konservative, Monarchisten, Sozialisten, Nationalisten, Kommunisten und Faschisten. Nur der Anarchist Varga war gerade in Spanien.

Auch Peter, Honza und Gabriel fehlten im Freibad nicht. Die Augen wegen der stechenden Strahlen der Nachmittagssonne zukneifend, saßen sie auf der Betonmauer und ließen die Beine baumeln. Von Zeit zu Zeit spuckten sie den dicken Speichel aus, der sich in den ausgetrockneten Mündern sammelte. Sie freuten sich über die Freizeit am ersten Tag des neuen Schuljahres, an dem sie noch keine Hausaufgaben aufhatten, und sie bewunderten ihre Mitschülerin Mária Belajová. Die kleine Schönheit saß mit den Eltern und ihrem jüngeren Bruder Jurko nicht weit von ihnen entfernt.

Gewöhnlich trug das Mädchen das Haar zu einem dicken Pferdeschwanz gebunden, doch jetzt trocknete es in ungebändigten Strähnen an der Luft.

"Haare, wie aus einem Honigstrahl gegossen", schwelgte Honza, dessen richtiger Name Ján war, und der, wie alle tschechischen Jungen dieses Namens meist Honza gerufen wurde. Honza las hin und wieder Liebesromane, die sich seine Schwester kaufte. Der letzte trug den Titel Herzensbeben . Peter und Gabriel waren schon daran gewöhnt, dass ihr Freund sich von Dichtern Vergleiche ausborgte, mit denen er Márias Schönheit beschrieb. Sie selbst hätten es so treffend nicht ausdrücken können.

Mária holte eine Pflaume aus der Tüte und legte sie sich mit ihren schlanken Fingern in den Mund.

"Sie hat wunderbare Lippen", seufzte Gabriel.

"Dunkelrot sind sie ... tiefrot", suchte Honza nach dem richtigen Wort.

"Nicht rot, vörös", widersprach Peter. Gabriel verstand was sein Freund meinte, obwohl sich Peter wie so oft der Sprache seiner ungarischen Vorfahren bedient hatte. Rubinfarben.

Während Mária kaute, spannte und lockerte sich die Haut ihres Gesichts. Dann holte sie tief Luft, schloss die Augen und spuckte gewandt den Kern aus. Er flog einen guten Meter und landete auf dem Scheitel ihres Bruders.

"Mara, du blöde Kuh!", kreischte Jurko auf und warf mit dem Kern nach Mária.

Ohne den Kopf von ihrer Häkelarbeit zu heben, sagte Mutter Belajová ruhig:

"Aber Kinder, seid gut zueinander."

"Sonst hau ich euch eins hinten drauf", schob der Vater hinterher.

Peter, Honza und Gabriel waren verliebt. Und ihnen war klar, dass am Ende nur einer Mária kriegen würde.

"Wir können nicht gleichzeitig um sie kämpfen", erläuterte Honza, "sie weiß, dass wir Freunde sind und denkt sonst sicher, wir veralbern sie."

"Butaság!", entgegnete Peter, dann wiederholte er es noch einmal auf Slowakisch: "Blödsinn! Woher willst du wissen, was sie denkt?!"

"Honza hat Recht", grübelte Gabriel laut. "Wenn wir alle drei um sie herum scharwenzeln, wird sie sich in keinen verlieben. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, und wenn drei sich streiten, verlieren alle."

"Dann lasst es uns doch wie in der Schule machen, dem Alphabet nach", schlug Honza vor, "Bízek Ján, Rónai Peter, Rosenberg Gabriel. Als Erster habe ich ein Jahr Zeit, Mária zu erobern. Wenn ich es nicht schaffe, kommt Peter an die Reihe ..."

"Ne

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