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Es hätte mir genauso Roman von Smith, Ali (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.04.2016
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
eBook (ePUB)
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Es hätte mir genauso

Man stelle sich vor: Jemand gibt eine Dinnerparty, man unterhält sich gepflegt über Gott und die Welt, und zwischen Hauptgang und Dessert steht einer der Gäste auf und geht kurz nach oben. Und kommt nicht wieder. Hat sich im Gästezimmer eingeschlossen. Auf Tage, Wochen, Monate ... Zu einer Dinnerparty bringt der Freund eines Freundes einen Fremden mit, Miles Garth. Man unterhält sich, wird angenehm betrunken, die Diskussionen werden lebhafter, und manchmal schrammen sie auch kurz am Streit vorbei. Man kennt das. Miles fügt sich einigermaßen in die Runde ein, auch wenn er als Vegetarier, der nicht trinkt und manchmal allzu offen spricht, irgendwie anders ist. Doch dann steht Miles mitten unter dem Essen auf, schließt sich im Gästezimmer ein und ist fortan nicht mehr dazu zu bewegen, wieder herauszukommen. Das kennt man eher nicht. Und es ist überdies ganz schön peinlich, zumal der ungebetene Dauergast bald überregionale Prominenz erlangt und sich um das Haus in Greenwich eine Miles-Fangemeinde schart, inklusive Protestbannern und Merchandising. Währenddessen versuchen vier Personen das Rätsel um Miles zu lösen: Anna, die vor dreißig Jahren mit Miles durch Europa reiste; Mark, der Miles zur Party mitgebracht hat; May, eine alte, demente Frau, deren Verbindung zu Miles sehr überraschend ist (und sehr zu Herzen geht); und die neunjährige Brooke, die vor Wissbegierde strotzt und Wortspiele über alles liebt. Ali Smith erzählt diese aberwitzige Geschichte, die eigentlich jedem hätte genauso passieren können, mit unvergleichlichem Wortwitz und rasantem Charme. Ihr Roman ist eine umwerfende Satire über die Brüchigkeit gesellschaftlicher Konventionen - und wie wenig es nur braucht, um die geheiligte Ordnung unseres bürgerlichen Lebens gehörig durcheinanderzubringen. Ali Smith wurde 1962 in Inverness in Schottland geboren und lebt in Cambridge. Sie hat mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht und zahlreiche Preise erhalten. Sie ist Mitglied der Royal Society of Literature und wurde 2015 zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. Ihr Roman "Beides sein" wurde 2014 ausgezeichnet mit dem Costa Novel Award, dem Saltire Society Literary Book of the Year Award, dem Goldsmiths Prize und 2015 mit dem Baileys Women's Prize for Fiction. Mit "Herbst" kam die Autorin 2017 zum vierten Mal auf die Shortlist des Man Booker Prize sowie auf Platz 6 der SWR-Bestenliste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 28.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641199661
    Verlag: Luchterhand Literaturverlag
    Originaltitel: There But For The
    Größe: 1198 kBytes
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Es hätte mir genauso

wenn und aber, warum schließt einer sich ein / glaubt er, er sei am Ende, oder soll es ein Neuanfang sein?

Marks Mutter Faye war seit siebenundvierzig Jahren tot. Ihr neuester Trick, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen, war das Reimen.

Mark ging im Park spazieren. Er hatte ganz vergessen, wie schön es hier war. Und wenn er testet, ob man um ihn trauert / heißt das im Umkehrschluss, dass er nicht dauert? Das war interessant, denn sonst war sie viel platter und plumper als heute Vormittag. Außerdem sah es ihr nicht ähnlich, Fragen zu stellen. Fragen erheischen ja eine Antwort, nicht? Sie erheischen eine Reaktion. Ausgenommen rhetorische Fragen, und zugegeben, die waren bei ihr an der Tagesordnung ("rhetorisch nennt man eine Frage, bei welcher man keine Antwort erwartet oder welche die Antwort implizit schon enthält": Grundzüge des Englischen, Wälzer der Wahl bei den Älteren an der St. Faith, wenn sie Jüngeren den Hintern versohlten, was einen nachhaltigen Schmerz hinterließ, der lebenslang mit Grammatik verknüpft im Gedächtnis gespeichert wurde). Mark ging den langen Weg um den Hügel herum und durch das Wäldchen hinauf zum Observatorium, weil der vielleicht etwas weniger steil anstieg. Na, steil genug war es immer noch. Um wieder Atem zu schöpfen, setzte er sich auf eine Bank gegenüber der Stelle, an der einst einer der Königlichen Hofastronomen - oder war es ein Hofastronomen-König - einen ziemlich tiefen Schacht in die Erde gegraben hatte. Laut Hinweistäfelchen hatte der Königliche Hofastronom dort unter der Erde gesessen, buchstäblich im Berg, und den Himmel durch ein Teleskop betrachtet. Der Schacht war zum Fürchten tief.

Danach ging Mark um das Hauptgebäude herum und trat für einen Moment in die kleine Camera Obscura ein, und jetzt stand er wenige Schritte neben dem Sprechenden Fernrohr und schaute, am Geländer lehnend, auf den Park, den er gerade durchquert hatte so, so, durchquert einen Park / und fühlt sich wunder wie stark ja, so kannte er sie. Er blickte über den Hang auf die Bäume, so hübsch zerzaust, auf die Wege, die sich hier und da kreuzten, so elegant, dass ihre Anlage planvoll und zufällig zugleich erschien; elegant auch die weißen Kolonnaden und die weiß getünchten Prachtbauten am Fuße des Parks. Die neuen Geschäftstürme der City standen Schulter an Schulter auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses im Bildhintergrund wie eine Fata Morgana, wie doppelt belichtet. Greenwich. Einst und jetzt. Er war lange nicht hier gewesen. Er sollte öfter herkommen. Ihm gefiel wo manch alte Königin gern zu Gast / dich zu sehen, mein Junge, kein Wunder, das passt und gleich, wie um ihr eins auszuwischen, dachte er mit aller Kraft an die echte alte Königin, die historische, die im Wortsinn die Jungfräuliche Königin war, und als Erstes fiel ihm etwas ein, was sich in ihrer Jugend zugetragen hatte, wo hatte er das bloß gelesen? Er kam nicht drauf, aber der Verfasser, wer immer es war wie oft muss ich's dir unters Näschen reiben / sind nicht alles bloß Männer, die Bücher schreiben hatte Elizabeth I. sehr eindrucksvoll geschildert. Hier hatte sie getanzt, in der großen Halle ihres Lieblingspalasts, genau hier in Greenwich, vor so vielen Hunderten von Jahren, sie war jung und schön, blass und dünn, war sie doch krank gewesen, genau genommen genas sie von langer Krankheit, einer, bei der es einmal so schlecht um sie gestanden hatte, dass man um ihr Leben fürchtete, und genoss es daher, dass sie seit Monaten zum ersten Mal richtig Antrieb verspürte, war erhitzt und glücklich von der Jagd gekommen und wollte unbedingt tanzen. Höflinge und Musiker waren also in die Halle geströmt, und sie hatte sich zurechtgemacht; sie sah bei den Verbeugungen und Drehungen aus wie eine prac

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