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Es muss einer den Frieden beginnen Jahrhundertautoren gegen den Krieg von Maria Remarque, Erich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.02.2014
  • Verlag: Aufbau Verlag
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Es muss einer den Frieden beginnen

Jahrhundertautoren gegen den Krieg Momente berührender Menschlichkeit und höchster Dramatik - große Autoren reagieren auf den ersten modernen Krieg mit großer Literatur. Texte von: Vicki Baum Johannes R. Becher Hans Fallada Lion Feuchtwanger Leonhard Frank Ernst Glaeser Edlef Köppen Rosa Luxemburg Erich Maria Remarque Anna Seghers Bertha von Suttner Georg Trakl Kurt Tucholsky Friedrich Wolf Stefan Zweig

RUDOLF DITZEN alias HANS FALLADA (1893-1947), zwischen 1915 und 1925 Rendant auf Rittergütern, Hofinspektor, Buchhalter, zwischen 1928 und 1931 Adressenschreiber, Annoncensammler, Verlagsangestellter, 1920 Roman-Debüt mit 'Der junge Goedeschal'. Der vielfach übersetzte Roman 'Kleiner Mann - was nun?' (1932) machte Fallada weltberühmt. Sein letztes Buch, 'Jeder stirbt für sich allein' (1947), avancierte rund sechzig Jahre nach Erscheinen zum internationalen Bestseller. Weitere Werke u. a.: "Bauern, Bonzen und Bomben" (1931), "Wer einmal aus dem Blechnapf frißt" (1934), "Wolf unter Wölfen" (1937), "Der eiserne Gustav" (1938).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 13.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841207814
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 889 kBytes
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Es muss einer den Frieden beginnen

Johannes R. Becher
Abschiedsmusik

[I]

In Ungeduld hörte ich Hartinger zu, der berichtete, dass in der ganzen Welt die Arbeiter gegen den Krieg demonstrierten.

"Der Krieg ist diesmal an uns vorübergegangen", meinte selbstbewusst Hartinger, und ich holte den Baedeker, um eine schöne Sommerfahrt zu besprechen. Wir wollten diesmal an den Gardasee. Hartinger zog mit seinem Finger die Strecke: Innsbruck, der Vorarlbergbahn entlang bis nach Landeck, Ötztal, Bozen, Meran, Rivoli - oder: Innsbruck, über den Brenner, Trient. Hartingers Finger deutete auf den Gardasee, während ich aus der beigedruckten Reisebeschreibung vorlas: "Das Wasser ist meist tiefblau."

"Wisst ihr was?", rief Mops von der Straße herauf, "vor der Kaserne in der Türkenstraße stehen welche in Feldgrau ..."

"Feldgrau?", schrak Hartinger hoch.

"Feldgrau, na endlich ...", entfuhr es mir.

"Will mich freiwillig melden ...!", rief Mops wieder und wartete unten.

"Das Wasser ist meist tiefblau", ließ ich offen den Baedeker liegen.

Vor der breiten Toreinfahrt der Türkenkaserne standen Soldaten des Infanterie-Leibregiments in den neuen feldgrauen Uniformen.

"Was gibt's?", trat Hartinger auf einen der Soldaten zu.

"Nichts. Was soll's geben? Krieg gibt's", lachte der gemütlich und unterhielt sich weiter mit seinem Kameraden.

Auf dem Kasernenhof erschollen Kommandos, der Posten präsentierte, und eine Abteilung, geführt von einem Leutnant, schwenkte in die Türkenstraße ein.

Die kleine marschierende Gruppe war bald von Neugierigen eingeschlossen, ab und zu unterbrach das dahinschreitende Schweigen ein energischer Trommelschlag.

"Jetzt verkünden s' den Kriegszustand", schnaubte ein Dicker hinter mir.

Einige teilten Neuigkeiten mit: "Zwei serbische Spione, als Nonnen verkleidet, ham s' derwischt in Oberwiesenfeld ... Die Brunnen ham s' wollen vergiften, die Bande, die miserablige ... Über Nürnberg waren s' im Flugzeug ... Jaja, die Kosaken san schon in Ostpreußen und massakrieren Weiber, Kinder und alte Leut ..."

Unerwartet wandte sich Mops gegen uns beide.

"Jetzt ist er da, der große Zusammenschluss ... Jetzt werden wir alle ein Volk ... Ich melde mich freiwillig ..."

Von einem Trommelwirbel eingeleitet, verkündete der Leutnant die Verhängung des Kriegszustandes. Einige nahmen zögernd die Hüte ab. Alle blieben auf dem Platz stehen, wie festgebannt, als die Abteilung in die Kaserne zurückmarschierte.

Unter klingendem Spiel zog durch die Brienner Straße die Wache auf. Ein mächtiges "Hurra!" dröhnte über den Platz hin. Die Musik spielte die "Wacht am Rhein". Mops warf den Kopf zurück und sang, sang. Als ich ihn anrührte: "Komm!", sah er über mich hinweg. "Mit euch red ich überhaupt nicht mehr ... Euch ist nichts heilig ..." Der Gesang hob ihn weit ab von uns, etwas Undurchdringliches hatte sich um Mops gelegt, dass er empfindungslos wurde gegen alles, was wir vorbrachten. "Ja, das ist doch alles ganz anders ... so hör doch ...", versuchte ich es noch einmal, Mops schob meinen Arm fort. "Lass doch! Schau, 's hat keinen Sinn mehr ... Wir verstehen uns halt nicht mehr ..."

Auf einzelnen Gebäuden wehten schon die Fahnen. Menschen schlossen sich zusammen, riefen "Hoch!" und "Hurra!". Aut

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