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Es waren Habichte in der Luft Roman von Lenz, Siegfried (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.10.2012
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Es waren Habichte in der Luft

In Siegfried Lenz' erstem Roman geht es um die Existenz des Bösen, das die Formen menschlichen Zusammenlebens mit furchtbarer Konsequenz zerstört. Nach dem Ersten Weltkrieg wird der finnische Dorfschullehrer Stenka von der Revolutionsregierung verfolgt. Er versucht, in die Anonymität des Untergrunds abzutauchen, aber schließlich wird er wenige Schritte vor der rettenden Grenze zur Strecke gebracht. Bewahrheitet hat sich das Urteil der 'Welt': 'Siegfried Lenz, der Fünfundzwanzigjährige, ist mit einem Elan über die Anfangsrunde gegangen, daß man wegen seiner Reserven nicht bange zu sein braucht.' Diese E-Book-Ausgabe von 'Es waren Habichte in der Luft' wird durch zusätzliches Material zu Leben und Werk Siegfried Lenz' ergänzt. Siegfried Lenz (1926 - 2014) zählt zu den bedeutenden und meistgelesenen Schriftstellern der deutschen Literatur. Für seine Bücher wurde er mit vielen wichtigen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2009. Seit 1951 veröffentlichte er alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Bühnenwerke im Hoffmann und Campe Verlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 277
    Erscheinungsdatum: 04.10.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455810844
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 1849 kBytes
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Es waren Habichte in der Luft

Erstes Kapitel Irreführung

Es waren Habichte in der Luft.

Roskow bemerkte sie nicht; er stand am Fenster seines Gasthauses und beobachtete ein Sperlingsweibchen, das über das Geländer der Holzbrücke flog, hart am Wasser des engen, energischen Baches entlangsegelte, plötzlich aber kehrtmachte und sich in unvermuteter Entscheidung auf einen häßlichen, verrunzelten Stein am Rand des Baches niederließ.

Der Vogel hat gewiß Durst, dachte Roskow.

Er irrte sich. Der Vogel tauchte seinen harmlosen Schnabel nicht ein einziges Mal ins Wasser. Der Vogel bewegte seinen kleinen, leichten Kopf, als ob er jemand erwartete. Roskow blieb am Fenster stehen. Er ließ sich die Sonne, die uralte Sonne, auf seine Bartflechte und auf sein schwarzes Haar scheinen und wartete. Da kam, auch über das Geländer der Holzbrücke, ein Sperlingsmännchen angeflogen. Während des Fluges, vielleicht aber auch schon früher, hatte es das Sperlingsweibchen auf dem verrunzelten Stein entdeckt. Die beiden Tiere stürzten aufeinander los, bissen sich, schlugen mit den Flügeln, zitterten wie in großer Erwartung und flogen plötzlich davon, jedes in eine andere Richtung.

So, so, dachte Roskow. Es ging ihn eigentlich nichts an, aber er ärgerte sich, daß die Vögel auseinanderflogen, als ob gar nichts geschehen wäre. Roskow murmelte halblaut: "Mir scheint, die Vögel haben ein schlechtes Gedächtnis. Außerdem sind sie gewissenlos."

"Das stimmt", sagte da jemand unter seinem Fenster, "das stimmt haargenau."

Roskow beugte sich über die Fensterbrüstung. Er bemerkte einen schmalbrüstigen, kleinen Mann in einem sehr zerschlissenen russischen Kittel. Er trug einen Pappkarton in der Hand und lächelte zu Roskow hinauf. Er lächelte oder grinste. Roskow konnte das nicht genau erkennen.

"Hast du auch die Vögel beobachtet?"

"Ja", sagte der Mann mit dem Pappkarton.

"Und?"

"Sie haben kleine Köpfe."

"Hm. – Was machst du hier?"

"Ich suche jemand."

"Bist du schon einmal hier in Pekö gewesen?"

"Ja, vor einigen Jahren."

"Und wen suchst du?"

"Matowski."

"Matowski?"

"Ja."

"Meinst du den vom Blumenladen?"

"Ja."

Roskow sah die Straße hinauf und hinunter, als ob er sich, bevor er weitersprechen konnte, vergewissern müßte, daß kein anderes Ohr in der Nähe war. Dann sagte er, etwas leiser: "Den Matowski wirst du nicht finden. Den haben sie erschossen, er ist tot. Er soll der neuen Regierung schwer zu schaffen gemacht haben."

Der Mann stellte seinen Pappkarton auf die kleine Bank vor Roskows Gasthaus. Sein Gesicht verzog sich für einen Augenblick. Er richtete seine schrägstehenden, schwarzen Augen auf den verrunzelten Stein am Bach. Roskow beachtete ihn nicht weiter. Er blickte zu den mächtigen Kiefern hinüber und schwieg.

Nach einer Weile sagte der Mann im Russenkittel:

"Da sind Habichte in der Luft."

Roskow erschrak etwas.

"Wo?" fragte er.

"Über den Kiefern. Aber sehr hoch. Habichte haben größere Köpfe."

"Vier Habichte", sagte Roskow, als er die Vögel entdeckte, die in scheinbarer Gelassenheit mit kaum zu erkennendem Strich über den Kiefern schwebten.

Der Mann im Russenkittel ergriff den Pappkarton und ging. Er ging auf die Holzbrücke und blieb am Geländer stehen. Roskow beobachtete die Habichte. Der Fremde lie

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