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Escal-Vigor von Eekhoud, Georges (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
eBook (ePUB)

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Escal-Vigor

Veröffentlicht 1899, ist "Escal-Vigor" des belgischen Schriftstellers Georges Eekhoud eine sehr frühe und gewagte Darstellung von Homosexualität zur Zeit der Jahrhundertwende. Zeitlich vor dem Autor Gide, schreibt Eekhoud einen Roman, der völlig der Liebesgeschichte zwischen zwei Männern gewidmet ist. Interessant dabei ist, dass ihr tragisches Schicksal mit einer gewaltigen Begeisterung geschrieben ist. Homosexualität ist gekennzeichnet als eine 'absolute Religion', und in seinem Roman will Eekhoud seine Leser eindeutig konvertieren und reformieren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 165
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956765674
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 350 kBytes
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Escal-Vigor

Erster Teil. Der Deichgraf

I.

Am ersten Juni bewirtete Heinrich von Kehlmark, der junge "Deichgraf" und Schloßherr von Escal-Vigor, eine zahlreiche Gesellschaft, bei der, wer kam, willkommen war, um seine Rückkehr zur Wiege seiner Ahnen, nach Smaragdis, zu feiern. Smaragdis, oder die Smaragd-Insel, war das reichste und ausgedehnteste Eiland in einem jener klaren und gewaltigen Meere des Nordens, dessen Buchten und Fjorde in tausend eigenwilligen Formen in das Land einschneiden und die zerklüfteten Ufer mit ganzen Scharen von größeren und kleineren Inseln umlagern.

Smaragdis gehörte zu dem halb germanischen, halb keltischen Königreich Kerlingaland. Als der Handel des Westens sich entwickelte, setzte sich eine Kolonie hanseatischer Kaufleute dort fest. Die Kehlmarks behaupteten, von alten Seekönigen oder dänischen Wikingern abzustammen. Sie verstanden sich Schätze, Macht und Ansehen zu erwerben, wobei sie auch den Ruf gelegentlicher Piraterie nicht scheuten. Es waren kluge und thatkräftige Männer. Sie folgten Friedrich Barbarossa auf seinen Zügen nach Italien und zeichneten sich durch eine unerschütterliche Hingebung an das Haus der Hohenstaufen aus, durch jene Treue, wie sie der Than für seinen König empfindet.

Ein Kehlmark war sogar der Liebling Friedrichs II. gewesen, jenes üppigen Kaisers, des "Sultans von Lucera", des künstlerisch begabtesten aus dem romantischen Hause der schwäbischen Kaiser, der die unergründlichen Träume seiner nordischen Mannesseele in dem lichtdurchfluteten Vaterland der Sonne zur That werden ließ. Dieser Kehlmark fiel bei Benevent mit Manfred, dem Sohne seines kaiserlichen Freundes.

Heute noch stellte ein großes Wandgemälde im Billardsaal von Escal-Vigor Konradin, den letzten Hohenstaufen dar, wie er Friedrich von Baden umarmt, bevor er mit ihm zusammen das Schaffott bestieg.

Im fünfzehnten Jahrhundert blühte ein Kehlmark in Antwerpen als Geldgeber und Gläubiger von Königen, ähnlich wie die Fugger und Salviati, und prunkte unter den stolzen Hanseaten, die sich unter Vorantritt von Flöten- und Geigenspielern zum Gottesdienst - oder zur Börse begaben.

Das Schloß Escal-Vigor, ein geschichtlich merkwürdiger, fast legendärer Wohnsitz, das gleicherweise an eine altdeutsche Burg wie an einen italienischen Palast erinnerte, lag im äußersten Westen der Insel am Schnittpunkt der beiden riesigen Uferdeiche, von wo es weithin die Lande beherrschte.

Seit undenklichen Zeiten waren die Kehlmarks als Herren und Beschützer von Smaragdis angesehen worden. Die Bewachung und Erhaltung der gewaltigen Deiche lag ihnen seit Jahrhunderten ob. Man schrieb selbst einem Vorfahren Heinrichs die Errichtung dieser ungeheuren Bollwerke zu, die das Land für alle Zeiten vor Überschwemmungen bewahrt hatten, abgesehen von den gänzlichen Überflutungen, in denen mehrere Schwesterinseln ihren Untergang gefunden hatten.

Ein einziges Mal, gegen das Jahr 1400, hatte das Meer in einer Springflutnacht es fertig gebracht, einen Teil dieser Kette künstlicher Aufschüttungen zu durchbrechen und seine rasenden Fluten bis ins Herz der Insel zu wälzen, und die Überlieferung erzählt, daß Schloß Escal-Vigor geräumig genug und hinreichend mit Vorräten versehen war, um die ganze flüchtige Bevölkerung aufzunehmen und zu unterhalten.

So lange die Gewässer das Land bedeckten, beherbergte der Deichgraf sein Volk, und als sie sich wieder verlaufen hatten, stellte er nicht nur den Deich auf seine Kosten wieder her, sondern baute auch die Hütten seiner Unterthanen wieder auf. Im Laufe der Zeit hatten die Deiche, die nun bereits an fünf Jahrhunderte bestanden, das Ansehen natürlicher Hügel angenommen; ihr Kamm war bepflanzt mit einer dichten Wand von Bäumen, die durch den Westwind etwas schief landeinwärts gebogen worden waren. Der Gipfelpunkt war dort, wo die beiden Züge der Hügel sich vereinigten, um eine Art Plateau oder richtiger Vorgebirge zu bilden, das wie ein

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