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Etwas bleibt immer Roman von Rai, Edgar (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2016
  • Verlag: Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Etwas bleibt immer

Nicolas hat ein Geheimnis, von dem niemand erfahren darf auf dem großen Anwesen über Rayol-Canadel-sur-Mer, einem traumhaft gelegenen Ort an der südfranzösischen Mittelmeerküste. Es gibt hier allerdings auch nicht viele Menschen: den Gärtner, die Haushälterin, die Nachbarstochter mit ihren wechselnden Party-Freundinnen und den Hund Silencio, der nicht bellt. Als Housesitter des Feriendomizils eines deutschen Großindustriellenpaares hat sich der junge Mann vor der Welt zurückgezogen, weil er weiß, es geht ihm besser in selbstgewählter Einsamkeit - ihm und der Welt. Sein täglicher Langstreckenlauf gibt ihm Ruhe und Sicherheit. Doch als sich das Ehepaar Breuer für eine Woche mit Gästen ankündigt, kehrt Nicolas' Unruhe zurück. Mit einer verwüsteten Suite im Westflügel fängt es an, und es wird einen Toten geben. 'Etwas bleibt immer' führt die flirrende Atmosphäre und den schwebend leichten Ton von Edgar Rais Bestsellern weiter und ist ein Meisterwerk der untergründigen Spannung.

Edgar Rai, geboren 1967 in Hessen, ist Autor vieler erfolgreicher Romane, Übersetzer und seit 2012 Mitinhaber der Buchhandlung Uslar & Rai in Berlin. 2010 gelang ihm mit dem Bestseller 'Nächsten Sommer' der Durchbruch. Zuletzt erschien im Berlin Verlag 'Die Gottespartitur' (2014). Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 01.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827079121
    Verlag: Berlin Verlag
    Größe: 332 kBytes
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Etwas bleibt immer

1

Du stehst also auf der Terrasse des Haupthauses, eine Hand an der nachtkühlen Balustrade, und lauschst zur Küstenstraße hinunter. Wie immer um diese Jahreszeit duften die Pinien besonders intensiv. Eine Motoryacht teilt das Wasser und jagt aus der Bucht, als hinge ihr Leben davon ab.

Es wird ruhiger, von Tag zu Tag. Die Saison geht zu Ende. Noch vor einem Monat kreuzten um diese Zeit ein Dutzend Yachten vor der Bucht. Langsam aber sind nur noch solche unterwegs, für die jeder Montag wie der Sonntag ist. Für dich ist der Montag auch wie der Sonntag, der Dienstag aber ist nicht wie der Montag. Und heute ist Dienstag.

Bevor er hinter der großen Pinie hervor- und in dein Blickfeld kriecht, hörst du Ennos alten Pick-up bereits die schmale Serpentine heraufkommen. Was nicht schwer ist, der Auspuff hat mehr Löcher als ein Emmentaler, und das Getriebe besteht aus losen Einzelteilen. Zwischen Saint-Tropez und Le Lavandou gibt es kein zweites Auto, das solche Geräusche von sich gibt.

Sobald der Pick-up wieder aus deinem Blickfeld entschwindet, wird dein Smartphone vibrieren und das Display aufleuchten. Noch ruht es neben deiner Hand auf der Balustrade, aber gleich ... Da. Agueda. Und wie jeden Dienstag begrüßt sie dich mit denselben Worten.

»¡Hola, Nino!«

»Bonjour, Agueda.«

»Kannst du uns das Tor aufmachen?«, fragt sie, auf Englisch allerdings, Kalifornien, mit leicht mexikanischem Einschlag: Can you open the gate for us?

Agueda kann kein Deutsch, du kannst kein Spanisch, und Französisch kostet dich auch nach vier Jahren noch Mühe, denn du sprichst es nur selten. Also Englisch.

»Sure.«

Du aktivierst die SmartHome-App, lässt das fliederfarbene Metalltor zur Seite rollen, Enno schaltet gewaltsam in den ersten Gang herunter, und die Eidechse, die jeden Morgen auf der oberen Stufe der Freitreppe die frühen Sonnenstrahlen abpasst, verschwindet eilig zwischen den Zierbüschen.

Für die Farbe von Ennos Pick-up gibt es keinen Namen. Eine Nichtfarbe. Er lässt den Motor laufen und grüßt, indem er wortlos eine Pranke aus dem geöffneten Fenster streckt. In die linke obere Ecke der Windschutzscheibe hat er ein Tattoomotiv geklebt - ein Tiger im Sprung. Das Bild verhält sich zu Ennos Wagen wie die Tattoos auf seinen Armen zu Enno. Sie sind alles, was er nicht ist: dynamisch, kampfbereit, mühelos die Schwerkraft überwindend. Zum Glück hat er Agueda.

Sie steigt aus und entriegelt die Heckklappe. Wie üblich trägt sie die grüne Latzhose mit den aufgenähten Knieschonern, dazu die Basecap mit Ennos Firmenaufdruck: GARDEN MAINTANANCE. Agueda hat ihm gesagt, dass es maintenance geschrieben wird, mit E in der Mitte. Ennos Antwort war ein Schulterzucken. Hauptsache, der Rasen ist grün.

Sie hakt die Heckklappe wieder ein und schlägt mit der flachen Hand auf die Ladefläche. Der Pick-up walzt Rillen in den Kies. Um zu wenden, muss Enno den Rückwärtsgang reinwuchten. Ein Geräusch, als werfe jemand Steine in einen Mixer. Dann rollt er die Auffahrt hinunter durch das Tor und ist weg, und Agueda steht am Fuß der Treppe inmitten ihrer Geräte. Doch etwas ist anders heute. Neben ihr sitzt ein Hund. Weiße Beine, brauner Körper, der Kopf halb weiß, halb braun.

Die Sonne ist so weit über den Hügel gestiegen, dass sie über Aguedas Wange streicht, als die zur Villa aufblickt. Sie hat ihre Haare zum Pferdeschwanz gebunden, der im Nacken unter der Basecap hervorspringt.

»Das ist Silencio!«, ruft sie und winkt.

Statt zu antworten, hebst du nur den Arm, spürst das Morgenlicht auf der Handfläche, als könntest du es greifen.

Aguedas Zähne blitzen auf.

»Wird ein schöner Tag, heute!«

Du richtest deinen Blick hinüber zur Bucht, weiter zu den noch dunstig verklärten Inseln und hinaus aufs Meer. Ja, denkst du, wird ein schöner Tag werden. Wie jede Woche. Und jede Woche fällt es Ague

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