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Fährt ein Neandertaler mit dem Nachtzug nach Venedig von Beckmann, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2004
  • Verlag: Lehmanns Media GmbH
eBook (ePUB)
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Fährt ein Neandertaler mit dem Nachtzug nach Venedig

Der Archäologe Thomas Thorberg findet in Portugal das Skelett eines Mischlings: halb Homosapiens und halb Neandertaler. Der Humangenetiker Paul Sonn lokalisiert in der menschlichen DNS ein bisher unbekanntes Gen. Zwei scheinbar unabhängige Entdeckungen - aber eben nur scheinbar.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 01.03.2004
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783865417411
    Verlag: Lehmanns Media GmbH
    Größe: 233kBytes
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Fährt ein Neandertaler mit dem Nachtzug nach Venedig

2.

Auf dem sandigen Küstenpfad, der sich zwei Autostunden nördlich von Lissabon von einem kleinen Dorf aus dem Meer zu schlängelte, marschierte artig hintereinander aufgereiht, ein kleiner Trupp von Archäologen: seit nunmehr drei Wochen nahmen sie schon diesen halbstündigen Weg von ihrem Hotel in dem nahegelegenen trostlosen Kaff zu ihrer fußballfeldgroßen Ausgrabungsstätte an der Atlantikküste und wieder zurück und beachteten schon nicht mehr das stete Anrollen der sich immer höher aufbauenden Wellen, die in unzähligen Reihen wieder und wieder gegen das Festland anstürmten, um dort krachend zu zerschmettern und mit letzter Kraft in sprudelnden Wasserteppichen von unregelmäßiger Größe versuchten, den Sandstrand zu erobern. Das donnernde, tosende und unnachlässige Naturschauspiel war ihnen zur Gewohnheit geworden, während ihrer Suche nach frühmenschlichen Spuren von Neandertalern, einer vor 30.000 Jahren ausgestorbenen Menschenart und nach gleichaltrigen Überresten von Homo sapiens, unseren direkten Vorfahren.

Der mit zahlreichen Ein- und Ausgängen versehene Kaninchenbau, an dem sie wie jeden Morgen auf dem Hinweg und am Abend auf dem Nachhauseweg vorbeikamen, bedeutete, dass sie in etwa die Hälfte der Strecke zurückgelegt hatten. Sechsunddreißig Mal waren sie schon an ihm vorbeigegangen, ohne dass ihnen etwas aufgefallen war. Sechsunddreißig Mal hatten sie die Kaninchen, die wenig Scheu vor ihnen hatten und sich immer wieder zeigten, freundlich mit "Hallo, Kollegen!" gegrüßt. Sechsunddreißig Mal war der Kaninchenbau nur ein bestimmter Punkt auf ihrem täglichen Fußmarsch gewesen, dem sie aber ansonsten keine weitere Beachtung schenkten. Nur beim siebenunddreißigsten Mal, da war es anders. Da endete ihr Weg am Kaninchenbau und führte sie nicht weiter zu dem Ausgrabungsfeld, das seit vier Wochen von ihnen systematisch umgegraben wurde, ohne wirklich Interessantes ans Tageslicht zu fördern und das seit vier Wochen ihr täglicher Arbeitsplatz gewesen war, außer Sonntags, wo sie die Arbeit ruhen ließen.

Beim siebenunddreißigsten Mal gab es auch keine Begrüßung für die Kaninchen, denn das, was da im lockeren Erdreich genau vor einem der zahlreichen Eingänge des Kaninchenbaus lag, ließ sie ihr bis dahin gutes Benehmen gegenüber den Kaninchen vergessen. Sie hatten es nicht alle gleichzeitig gesehen, denn ohne ein Wort zu sprechen, blieb nur ihr Anführer schlagartig vor dem Kaninchenbau stehen, breitete seine Arme wie zum Schutz der anderen aus, so als müsste er seine Gefährten vor einem gefährlichen Schlangenangriff bewahren. Es war keine Schlange oder ähnlich Unangenehmes, das da vor ihnen am Boden lag. Es war für das ungeübte Auge auf den ersten Blick überhaupt nicht zu erkennen.

Vorsichtig beugte sich der Erste der kleinen Truppe zu dem sonderlichen Fundstück hinunter, das ihn so abrupt anhalten ließ. Er schob vorsichtig mit den Fingern den feinen, gelben Sand von den Rändern beiseite und pustete zaghaft die letzten Krümel weg, bis der Findling unbedeckt vor ihm lag. Er war gut dreißig Zentimeter lang, maß wenige Zentimeter im Durchmesser und hatte zwei, etwas stärkere, fast kugelrunde Enden. Er war von gelblich-brauner Farbe und hob sich von dem Untergrund, in dem er lag, nicht sonderlich ab.

"Das gibt's doch gar nicht!" flüsterte ungläubig Thomas Thorberg, der Leiter der Ausgrabungstruppe, vor sich hin und wollte nicht glauben, was da vor ihm im lockeren Erdreich lag. Erst als die anderen Archäologen seiner Mannschaft, die in der Zwischenzeit einen Halbkreis um ihn gebildet hatten, es ebenfalls erkannten, brach ein aufgeregtes, mehr oder weniger wissenschaftliches Geschnatter aus, das sein Ende erst durch ein lautes "Ruhe, verdammt noch mal!" von Thomas Thorberg fand.

"Wir müssen jetzt ganz gewissenhaft vorgehen." sagte er beschwörend in die Runde.

"Keine Fehler machen! Vielleicht liegt ja davon noch mehr hier herum!"

Die Kaninchen, die sich ob

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