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Fünf von fünf Sternen Storys von Eisenberg, Jesse (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.09.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Fünf von fünf Sternen

Ein neunjähriger Junge muss mit seiner Mutter essen gehen, immer in ein anderes Restaurant, und so bewertet er alles mit den Augen eines Kindes: Den fancy Japaner mit dem Thunfisch, der nicht nach Thunfisch schmeckt, das Date der Mutter, die Lügen der Erwachsenen, die sich für eine Rechnung bedanken. Er selbst aber will nicht lügen, denn 'Lügen sind etwas für Erwachsene, die traurig sind mit ihrem Leben.' Jesse Eisenberg zeigt in seinen Storys ein außergewöhnliches Talent für Szenen. Seine feine Beobachtungsgabe schafft mit nur wenigen Strichen tiefe Charaktere, immer überraschende Dialoge, lustig und herzzerreißend zugleich. Jesse Eisenberg, geboren 1983, ist Bühnenautor und Schauspieler; für seine Darstellung in The Social Network wurde er beispielsweise für den Golden Globe wie für den Oscar nominiert. Nebenbei schreibt er Essays für den New Yorker. FÜNF VON FÜNF STERNEN ist sein Erzähldebut.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 260
    Erscheinungsdatum: 09.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732529711
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1231 kBytes
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Fünf von fünf Sternen

DER ASHRAM UND MOM

Übers Wochenende hat Mom mich mit in einen Ashram genommen, dort gehen gestresste Leute hin, wenn sie reich sind. Wir sollten eigentlich das ganze Wochenende dort bleiben, haben uns dann aber mitten in der ersten Nacht rausgeschlichen, was sich zwar schlimm anhört, aber gleichzeitig das Lustigste war, was Mom und ich je zusammen gemacht haben.

Als wir im Ashram ankamen, wusste ich gleich, dass wir wohl nicht das ganze Wochenende durchhalten würden. Am Eingang hing ein Schild, auf dem stand: LASS AB VON DEINER EITELKEIT , LÖSE DICH VON DEINEM BESITZ , LERNE NEU ZU LEBEN . Ich wusste, Mom würde keins von den drei Dingen wollen. Wir hatten den ganzen Vormittag damit zugebracht, sexy Yoga-Outfits für Mom zu kaufen, die sie im Ashram tragen wollte, und sie hatte ganz bestimmt nicht vor, sich von denen zu lösen oder davon abzulassen.

Ich weiß auch gar nicht, wieso Mom überhaupt in den Ashram wollte. Sie hat andauernd gesagt, dass sie ein bisschen "Ich-Zeit" brauche, was an sich schon komisch klingt und erst recht, weil Mom jeden Tag eine ganze Menge "Ich-Zeit" hat, weil sie nämlich nicht arbeiten geht und jeden Abend Alkohol trinkt, um einzuschlafen.

Aber Mom setzte ein falsches Lächeln auf, was inzwischen ihr einziges Lächeln ist, griff unseren Koffer und sagte: "Weck mich, wenn es vorbei ist."

Der Ashram bestand aus mehreren Gebäuden, die ein bisschen wie altmodische Blockhäuser aussahen und um ein großes Schwimmbad herumgebaut waren. Vorn gab es eine Art Empfangsgebäude, und als Mom und ich eintraten, saß hinter dem Tresen eine Frau mit Rastalocken als Haaren, obwohl sie weiß war. Ich merkte, dass Mom ihr Hassgesicht vor der Frau zu verbergen suchte, besonders, als die Frau sagte: " Namaste und willkommen beim ersten Schritt zu innerer Harmonie. Unser spiritueller Gründer Satchidananda hat einmal bemerkt: 'Der Wahrheit ist eine, doch der Wege sind viele.' Trotzdem sind wir vom Wellness Magazine zwei Jahre nacheinander zum besten Ashram in der Northern-Lakes-Region gewählt worden. Willkommen, Namaste ."

Schon da spürte ich, dass Mom am liebsten gleich wieder fliehen wollte, als ihr dämmerte, dass sie in eine Art Gefängnis geraten war, aber sie lächelte weiterhin ihr falsches Lächeln und sagte: " Namaste , vielen Dank, wir wollen einchecken."

Die weiße Frau mit den Rastalocken erklärte uns den Ashram und die Regeln, an die wir uns halten sollten, und die klangen alle nach Sachen, die Mom nicht ausstehen kann. Jeden Morgen sollten wir um 5:45 Uhr aufstehen und zum Satsang kommen, was so eine Art Treffen mit den anderen Gästen des Ashrams ist. Mom fragte, ob sie nicht bloß mich zu diesem Treffen schicken könnte, damit ich mir Notizen mache und ihr dann berichte, aber die Frau sagte, der Satsang sei verbindlich, und dieses Wort hasst Mom.

Außerdem sagte die Frau, wir dürften unsere Handys nicht benutzen und müssten all unseren "materiellen Besitz" in ein "Vertrauensschließfach" legen, was so kleine Schubladenfächer waren. Mom meinte, "Vertrauensschließfach" sei ein Oxymoron, wie zum Beispiel "glücklich verheiratet". Dann lachte sie falsch, und die Frau und ich starrten einander an und wollten einfach nur, dass sie sofort damit aufhört.

"Und was ist", fragte Mom die Frau dann, "wenn jemand unsere Sachen aus dem Vertrauensschließfach stiehlt?" Worauf die Frau antwortete: "Dann seid ihr um einen Besitz freier." Mom nickte und sagte: "Dann behalte ich die Sachen lieber bei mir, glaube ich." Und die weiße Frau mit den Rastalocken sagte: "Es tut mir leid, dass ihr noch so gebunden seid."

Unser Zimmer war im hinteren Teil des Ashrams, gleich neben dem großen Pool. Beim Schwimmen, erklä

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