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Für immer die Deine Roman von Voosen, Jana (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.07.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Für immer die Deine

Wie hält man zusammen, wenn die Welt um einen herum zerbricht? Altes Land, 1939: Es ist ein Skandal, der das Dorf Jork wochenlang in Atem hält. Die erst 17-jährige Tochter des wohlhabenden Obstbauern Landahl erwartet ein Kind vom Sohn des Pfarrers. Trotz überstürzter Hochzeit und angekratztem Ruf ist das junge Paar glücklich. Doch als der Zweite Weltkrieg ausbricht, muss Fritz an die Front, und Klara schlägt sich mit ihrem Sohn alleine in einer kleinen Wohnung in Hamburg durch. Als sie entdeckt, dass der alte Mann in der Dachgeschosswohnung nicht der ist, für den er sich ausgibt, trifft Klara eine folgenschwere Entscheidung. Hamburg, 2019: Die frisch getrennte Journalistin Marie stößt bei Recherchen zu einem Artikel auf die Lebens- und Liebesgeschichte von Klara und Fritz Hansen. Sie ahnt nicht, dass die Begegnung mit den beiden ihr eigenes Leben maßgeblich beeinflussen wird. Jana Voosen, Jahrgang 1976, studierte Schauspiel in Hamburg und New York. Es folgten Engagements an Hamburger Theatern. Seitdem war sie in zahlreichen TV-Produktionen ('Tatort', 'Marienhof', 'Hochzeitsreise zu viert' u.a.) zu sehen. Jana Voosen lebt und arbeitet in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 08.07.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641236434
    Verlag: Heyne
    Serie: Heyne Bücher 42311
    Größe: 1344 kBytes
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Für immer die Deine

4.

Gemeinde Jork im Alten Land, Februar 1937

"Ach, hier steckst du, ich hab dich schon überall gesucht", rief Klara erleichtert. Fritz saß auf einer Holzbank auf der Rückseite des Pfarrhauses, wo er mit seinen Eltern lebte. Das Fachwerkhaus neben der Jorker Kirche war nicht groß und wirkte im Vergleich zu Elisabeth Landahls perfekt geführtem Haushalt manchmal ein klein wenig verwahrlost, aber Klara liebte die Gemütlichkeit und Wärme im Haus von Pfarrer Hansen und seiner Frau.

Fritz hockte zusammengekauert, die langen Arme um seine angewinkelten Beine geschlungen, und starrte über die kahlen Apfelbäume, deren Äste sich unter der Last des Schnees krümmten, hinweg in die Ferne. Ein Lächeln huschte über sein schmales Gesicht, als er die Freundin erblickte, die durch den tiefen Schnee auf ihn zustapfte, mit geröteten Wangen und leuchtenden Augen. Ihre roten Locken quollen unter einer weißen Pudelmütze hervor.

"Was machst du denn hier draußen, ist dir nicht kalt?", erkundigte sie sich und zog ihren dunkelgrünen Wintermantel fester um sich. "Du hast ja ganz blaue Lippen. Willst du etwa hier festfrieren?" Sie ließ sich neben ihm auf der Bank nieder, hob die Füße an und schlug sie gegeneinander, dass der Schnee nur so von ihren braunen Schnürstiefeln spritzte. Dann fiel ihr die melancholische Stimmung auf, in die sie offenbar geplatzt war. "Was ist mit dir?" Sie griff nach seiner klammen, rot gefrorenen Hand und schob sie gemeinsam mit ihrer in die Tasche ihres Mantels.

"Nichts", wehrte er ab, doch sie schüttelte den Kopf.

"Nichts, nichts, das sagst du immer. Mit dir stimmt doch was nicht. Entweder rückst du jetzt gleich mit der Sprache raus, oder ich bohre so lange nach, bis du es dann schließlich doch tust. Aber dann sollten wir nach drinnen gehen."

"Es ist nichts." Über den vorwurfsvollen Blick aus ihren hellgrünen Augen musste er trotz allem lachen. "Na schön. Es ist wegen der HJ . Mein Vater will nicht, dass ich hingehe."

"Na und? Sei doch froh. Oder hast du Lust, im Gleichschritt durch die Gegend zu marschieren und Heil Hitler zu brüllen?"

"Das nicht, es ist ... Alfred hat es mir heute erzählt. Angeblich vergeben sie Universitätsstipendien nur noch an Leute, die bei der Hitlerjugend waren. Du weißt doch, dass ich Arzt werden will. Aber meine Eltern haben nicht genug Geld und deshalb ..."

"Das ist bestimmt nur ein Gerücht", versuchte Klara ihn zu trösten. Ihre warmen Finger schlangen sich in der gefütterten Höhle der Manteltasche um seine. "Hitlerjugend ist doch doof, allein diese Klamotten! Hast du dir Ilse mal angeguckt in ihrer schrecklichen Klettweste? Wer hat die Dinger bloß entworfen? Ehrlich, der Schnitt ist ja schon unvorteilhaft genug, aber dann noch diese Farbe ... Sieht aus wie Erbrochenes, findest du nicht?"

"Na ja."

"Ich bin froh, dass ich nicht zu dem Verein gehöre. Lagerfeuer hin oder her. Das mit deinem Studium kriegen wir schon irgendwie hin." Aufmunternd lächelte sie ihn an. "Komm, wir gehen ein bisschen Schlittschuh laufen. Das bringt dich auf andere Gedanken."

Sie beide hatten zu Weihnachten Schlittschuhe geschenkt bekommen und fast den gesamten Winter auf dem großen, zugefrorenen Ententeich hinter dem Hof von Klaras Eltern ihre Pirouetten gedreht.

"Ist gut", stimmte Fritz zu.

"Aber nicht auf dem langweiligen Ententeich. Es ist kalt genug, da können wir auf der Elbe laufen", bestimmte Klara.

"Das geht doch nicht", erhob Fritz Einspruch, während sie ihn schon hinter sich herzog. "Es ist nicht erlaubt. Was ist, wenn wir einbrechen?"

Sie wandte sich um und blitzte ihn herausfordernd an. "Das Leben ist viel lustiger, wenn man ab und zu ein Risiko eingeht."

"Ja. Oder viel kürzer."

"Feigling!", grinste Klara.

Zehn Minuten später schnallten sie sich die Kufen unter ihre Schuhe und traten auf die zugefrorene Oberfläche der Elbe, die unter e

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