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Für reife Leser von Bracharz, Kurt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.12.2013
  • Verlag: Haymon Verlag
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Für reife Leser

Kurt Bracharz ist Anhänger der Buchreligion - jenes polytheistischen Glaubens, dessen heilige Schriften Don Quijote, Moby Dick, Berlin Alexanderplatz, Lolita oder V heißen -, und er ist überzeugt, dass ein Buch mehr ist als mit unterhaltsamen Geschichten bedruckte Seiten. Der süchtige Leser hat ein Jahr lang über das geschrieben, was er gelesen hat; er wandert von William S. Burroughs zu Wilhelm Busch, von James Joyce zu Henri Michaux, von Alfred Döblin zu Don DeLillo. Doch seine Notizen und Randbemerkungen, Reflexionen und Assoziationen sind weit mehr als ein schlichtes Lesetagebuch: Für 'reife Leser' ist es ein Ausbruch bibliophiler Leidenschaft, ein Genuss für alle, die selbst schon einige Lesefrüchte in ihre Scheune eingebracht haben. Kurt Bracharz, geboren 1947, lebt als Schriftsteller, Kinderbuchautor und Kolumnist in Bregenz. Zahlreiche Literaturpreise, u.a. Deutscher Krimipreis (1991) und Ehrenpreis des Vorarlberger Buchhandels (2003). Seit 2005 Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Miromente. Bei Haymon: Für reife Leser (2009), Cowboy Joe. Kriminalroman (HAYMONtb 2009) und Mein Appetit-Lexikon (2010).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 04.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709974605
    Verlag: Haymon Verlag
    Größe: 1167 kBytes
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Für reife Leser

Januar

Sonntag

Das Jahr wird Unglück in der Liebe bringen. Morgens gegen eins wollte ich im Casino die fünf 5-Euro-Jetons, die man beim Eintritt bekommt, schnell loswerden, um in Ruhe an der Bar trinken zu können, setzte also zwei auf Rot und verlor, setzte zwei auf zwei Dutzend und verlor, und legte den letzten Chip auf die 28. Und gewann. 175 Euro.

Meiner Frau hingegen winkt 2006 wohl das Glück in der Liebe: Sie warf ihre Jetons aufs Tuch, als gerade eingesammelt wurde. Der Croupier hielt ihre Chips für Trinkgeld und entsorgte sie im "Pour-les-employers"-Schlitz.

Abends der grüne Untam Hulk im Fernsehen. Warum dreht ein Regisseur wie Ang Lee, der so beeindruckende Filme wie "Der Eissturm" gemacht hat, einen solchen Quatsch? Spätnachts, als ich eigentlich nicht mehr weiterglotzen wollte, kam "Abgerechnet wird zum Schluss" (der deutsche Titel für Peckinpahs "The Ballad of Cable Hogue"), und ich sah mir diesen amüsanten Film doch zur Gänze an. Peckinpah ist einer der Regisseure, bei denen die letzten Filme die schlechtesten sind; Polanski hatte in der Mitte einen Hänger; Houston hat sich im Spätwerk noch einmal gesteigert; nur ganz wenige haben nie etwas unter ihrem Niveau gemacht, einer davon ist Buñuel.

Montag

"Sin City" folgt der Comics-Ästhetik auf andere, viel radikalere Art als etwa "Hulk" oder auch "Spider-Man", und meine anfänglichen Bedenken, eine solche Mimesis eines Mediums durch ein anderes könne doch nichts bringen, wurde bald von der Dynamik des Films weggespült. Er ist zumindest beim ersten Sehen erstaunlich, sowohl graphisch als auch moralisch.

Es gibt natürlich Ausnahmen von der Laokoon-Regel, dass Kunstwerke den Gesetzen ihrer Gattung folgen sollten. Vor ein paar Tagen sah ich Ozons "8 Frauen", ein verfilmtes Theaterstück, dessen Schauplatz auch im Film eine Bühne bleibt (aber nicht in eine Theaterhandlung eingekleidet, sondern als Einheit von Ort und Zeit unter dem Zuschauerblick der Kamera), und dieser Film ist perfekt.

Handke 1968: " Verächtlich von 'abfotografiertem Theater ' zu reden, habe ich schon immer ein bißchen leichtsinnig gefunden, weil das Filmen von theatralischen Vorgängen, im überlegten Kontext von Bildern eingeordnet, eine äußerst fruchtbare und kaum gesehene filmische Methode sein könnte, gesetzt den Fall, man verwendet die Methode nicht zur Darstellung von Identitätsproblemen wie René Allio in 'Die Eine und die Andere'."

Dienstag

Reiselektüre auf der wegen starken Schneefalls scheinbar endlosen Fahrt nach Wien: Bret Easton Ellis: "Lunar Park". Das Buch fängt pseudo-autobiographisch an, enthält dann einige gelungene satirische Partien, schwenkt auf Stephen-King-Motive um, wird immer zäher zu lesen und stürzt im letzten Drittel vollständig ab. Ich denke, es ist ein Schulbuch für den creative-writing- Unterricht als Beispiel für einen Roman von jemandem, der schon lange im writer's block residiert und doch unbedingt etwas abliefern muss.

Dabei war mir "Glamorama" damals gar nicht so schlecht vorgekommen - als Unterhaltung natürlich, nicht als Literatur. Aber "Lunar Park" ist nicht einmal unterhaltsam.

Ich erzählte H. von meinem Casinobesuch ungefähr mit obigen Worten und musste mich (zu Recht) belehren lassen, dass meine Umdrehung der Aussage "Pech im Spiel, Glück in der Liebe" nicht logisch sei. Selbst wenn es so wäre (ich hatte es ja auch nicht ernst gemeint), gälte das noch lange nicht für die Umkehrung. Und da gibt es Leute, die mich für einen Pedanten halten!

Aus der heutigen NZZ: Bei den Verhören von 28 Pakistanern durch den griechischen Geheimdienst in Athen im Juli 2005 waren M.I.5-Agenten anwesend, wollen sich aber nicht aktiv beteiligt haben. Die britische Sonntagszeitung "The Observer" formulierte, die Verhöre seien ja ohnehin "unter der Foltergrenze" geblieben. Die Pakistaner haben also offenbar nur die üblichen Watschen be

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