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Falltiefe Erzählte Protokolle von Ebbinghaus, Heinz-Dieter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.12.2013
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Falltiefe

25+1 Geschichten - sechsundzwanzig Variationen, eine jede auf ihrem Weg, zielstrebig, das Thema in ihren Spuren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 244
    Erscheinungsdatum: 19.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732267934
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 204kBytes
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Falltiefe

Am Abgrund

Ja, er hatte sich überreden lassen. Vor einigen Tagen hatte ihn Stefan angerufen und ihm eine Bergtour vorgeschlagen; sie hätten sich ja seit Jahren nicht mehr gesehen; die gemeinsame Besteigung des Massivs, auf dessen Gipfeln sie manchen Sonnenaufgang erlebt hätten, könne zu einem Neubeginn ihrer Freundschaft werden; es sei ihm ein Bedürfnis, dass sie wieder zusammenfänden; um dieser Möglichkeit keine Erschwernis in den Weg zu legen, um insbesondere auch die Gelegenheit zu vertraulichen Gesprächen zu haben, sollten sie die Tour allein unternehmen; seine Frau sei sicherlich damit einverstanden.

Er hatte sich Bedenkzeit erbeten und mit Anna über den Vorschlag gesprochen. Sie hatte zugestimmt. So waren sie heute früh aufgebrochen. Stefan hatte ihn abgeholt, war aber vor dem Haus in seinem Wagen geblieben. Er hatte ein kleines Zelt und Wegzehrung im Gepäck und sich bereit erklärt, beides zu tragen; dann seien nur noch die aufgerollten Schlafmatten zu übernehmen. Stefan hatte gelächelt, als er die Verteilung vorschlug - er war immer der sportlichere von ihnen gewesen, kräftig und durchtrainiert. Aber das Lächeln war nicht so unbeschwert gewesen, wie er es in Erinnerung hatte, die Gestalt nicht mehr von der ihr früher eigenen federnden Stärke.

Zunächst waren sie schweigend nebeneinander gegangen. Der Weg führte in sanften Kehren bergan. Die Wiesen waren schon vor Wochen zum letzten Mal gemäht worden. Jetzt grasten Kühe auf ihnen. Hier und dort blühten die Herbstzeitlosen. Der milchig blaue Himmel versprach einen milden Oktobertag. Der Ausblick vom Gipfel morgen früh würde den Aufstieg reichlich belohnen und die aufsteigende Sonne vielleicht den Beginn einer neuen Freundschaft sehen. Die Kälte und die Unbequemlichkeit der Nacht, die davor lagen, würden von den Erwartungen überdeckt werden.

Als die Hänge steiler wurden und der Weg sich zum Pfad verengte, hatte Stefan das Schweigen gebrochen: Er sei in der letzten Zeit beruflich sehr angespannt gewesen, ein Zustand, der sich, sollte er weiterhin seiner Arbeit nachgehen, nicht ändern lasse. Zudem seien ältere Beschwerden mit der Lunge verstärkt wieder aufgetreten. Er sei daher entschlossen, sich möglichst bald in seiner Heimatstadt zur Ruhe zu setzen, sei er doch dort den Bergen nahe und, so hatte er lächelnd hinzugefügt, auch ihnen beiden. Zu einem einfachen Leben würden seine Ersparnisse reichen. Wie es denn Anna gehe.

Natürlich hatte er die Frage erwartet, ja, er hatte sich sogar einige Antworten zurechtgelegt. Doch jetzt, unvermittelt gestellt, hatte sie seine Entgegnungspläne durcheinander gewirbelt. Stockend und mit leiser Stimme hatte er eine ausweichende Antwort gegeben. Er hatte nicht gewagt, Stefan dabei anzuschauen. Dann war das Schweigen zurückgekehrt.

Als der Pfad auf die Nordseite des Berges wechselte, hatte Stefan vorgeschlagen, ihm nicht mehr zu folgen, sondern auf die Steilwand zuzugehen und dort an der Abbruchkante aufzusteigen. Diese Route sei zwar anstrengender, würde sie aber durch die Aussicht belohnen; auch könne man sich dort frei wie ein Vogel fühlen, und am Morgen könne man in der wärmenden Sonne aufbrechen. Wieder hatte Stefan gelächelt. Doch jetzt war sein Lächeln kälter gewesen, wie von Reif bedeckt. Es war dieser Eindruck, der ihn ohne Diskussion und eigentlich gegen seinen Willen hatte zustimmen lassen.

Auf dem felsigen Untergrund hatte sich der Pfad bald verloren. Sie waren hintereinander gegangen, Stefan voran. Aus dem Gehen war ein Steigen geworden. Er hatte erste Anzeichen von Erschöpfung bemerkt. Seine Blicke hatten nicht mehr der Aussicht gegolten, sie hatten sich an Stefans Füße geheftet und sich von ihnen die besten Trittmöglichkeiten zeigen lassen. Ohne sich umzuschauen, hatte Stefan dann abermals das Schweigen gebrochen: Ob Anna noch manchmal von ihm gesprochen habe; schließlich seien sie doch lange Jahre ein Paar gewesen, ein Paar, das sich geliebt habe, und Ann

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