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Farben der Vergangenheit von Struhar, Stanislav (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2016
  • Verlag: Wieser Verlag
eBook (ePUB)
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Farben der Vergangenheit

Müde blickte er zu Grimaldis Gärten, die, einem farbenfrohen Teppich gleich, an den Küstenrand hinunterliefen. Friedlich wie das Meer lagen Italien und Frankreich hier, sanft einander berührend, doch stand immer noch der alte Grenzübergang an der Küste, nahezu gespenstisch muteten seine leeren Fenster in der Stille des Bildes, das die Landschaft schuf. Die Stille der alten Steine In einem Sommer begegnet Domenico wieder Patrizia, und er zieht nach Genua, doch sie ist nicht mehr das Mädchen, das sie einmal war. Und da ist noch ihre Freundin Jacqueline, die sich in Italien fremd fühlt... Der Himmel so nah Als Clemens nach Isolabona kam, war er noch sehr klein, und Wien hat er seitdem nicht mehr gesehen. Er lebt in einem Ort nahe Frankreich und arbeitet in einer Bank, doch nach dem Tod der Mutter muss er sich um seinen kranken Vater kümmern. Eines Tages kehrt seine alte Freundin Sveva nach Isolabona zurück... Die Diebin Julian war noch ein Kind, als seine Eltern das verwaiste vietnamesische Mädchen, Lan, nach Hause brachten. Lange dauert es, bis er bereit ist, Lan in der Familie zu akzeptieren, doch weigert er sich nach wie vor, sie als seine Schwester anzusehen... Mit seinen Erzählungen erweist sich Stanislav Struhar als Meister der leisen Töne und der präzisen Beobachtung, der auch in Liebesdingen genau um die Bedeutung des Wartens auf den richtigen Augenblick weiß.

Stanislav Struhar, 1964 in Gottwaldov (heute Zlín) geboren, versagte sich dem Anpassungsdruck des tschechoslowakischen Regimes in den 1980er Jahren. 1988 floh er schließlich mit seiner Frau nach Österreich. Sein bisheriges literarisches Schaffen wurde durch Stipendien unterstützt, und er erhielt zahlreiche Anerkennungen. Stanislav Struhar lebt heute in Wien. Zuletzt bei Wieser: Fremde Frauen (zwei Erzählungen, 2013), Das Gewicht des Lichts (Roman, 2014), Die vertrauten Sterne der Heimat (Roman, 2015, erschien soeben auch auf Tschechisch).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 14.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990470398
    Verlag: Wieser Verlag
    Größe: 828 kBytes
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Farben der Vergangenheit

Die Stille der alten Steine

1

Die Nacht war mondhell und warm, und die Hügel schwiegen, wie in Schlaf versunken lag das Tal, fabelhaft strahlte der Sternenhimmel über Apricale.

"Bist du schon fertig?", fragte Fulvio, und flüchtig strich er über sein Haar, das braun glänzte. Ja, antwortete Domenico nur, den Blick in die Tiefe des Tals gerichtet, wo kleine Fenster leuchteten. In Eile verließen sie die Wohnung und stiegen, von uralten Häusern umgeben, zum Hauptplatz hinauf. Er hole etwas zu trinken, sagte Fulvio vor der Theaterbühne, ehe er sich entfernte, in der Menschenmenge verschwand, und Domenico ging weiter.

"Domenico?"

"Patrizia, was machst du denn hier?", sagte er, nicht weniger überrascht, auch er lächelte. Sie war nicht mehr mädchenhaft schlank, wie ihr Kleid zu erkennen gab, doch ihr Haar, schwarzlockig und lang, war unverändert geblieben. Seit wann er in Apricale sei, fragte sie. Eine Woche schon sei er hier, übermorgen müsse er aber zurück nach Turin. Sie sei vorgestern gekommen, mit einer Freundin sei sie da, werde aber nur vier Tage bleiben. Ob seine Mutter auch hier sei? Nein, sie sei in Turin. Ob sie noch die Bar in Turin hätten? Klar, antwortete er und fragte, wie es ihr auf der Universität gehe. Sie sei mit dem Studium bereits fertig, und vor einem Jahr habe sie sogar ihren Traumjob gefunden.

"Hast du wirklich mit Architektur zu tun?"

"Ja", antwortete sie, und er sah zur Bühne, fragte dann, was das für eine Firma sei, wo sie arbeite. Sie sah auch zur Bühne, doch kaum hatte sie geantwortet, kam schon Fulvio. Er begrüßte sie und reichte Domenico ein Glas Wein, danach ging er zurück ins Café. Und Domenico fragte Patrizia, ob sie Lust hätte, spazieren zu gehen.

Das Zimmer lag im Morgenlicht, duftete nach Parfüm, als er seine Augen öffnete. Er drehte sich um und sah sie an. Ihre Finger drückten leicht seinen Arm, und sie stützte den Kopf in die Hand.

"Du bist ein richtiger Mann geworden."

"Ein richtiger Mann?", murmelte er, und sie strich über sein Haar.

"Als ich klein war, habe ich mir genau solche blonde Haare gewünscht", sagte sie, und er äußerte den Wunsch, nach draußen zu gehen. Ob er glaube, dass Fulvio in seinem Zimmer sei, dass er noch schlafe, fragte sie. Ja, antwortete er, und so still sie in der Nacht gekommen waren, verließen sie das Haus. Sie gingen durch Gassen, liefen an Gärten vorbei, und bald schon gelangten sie zur Straße, die am Dorf vorbeiführte. Musik, die aus einem alten Auto kam, brachte sie zum Stehen, und ein betagter Mann, der am Steuer saß, grüßte sie. Sie überquerten die Straße und nahmen den Weg, der zum Bach hinunter führte. Zusammen stiegen sie dann ins Wasser, und ihre Blicke wanderten über Bäume, die sie umschlossen.

"Die Menschen hier mussten sehr einsam gewesen sein", sagte Patrizia, als sie zu der Hausruine sah, die im Schatten des Laubes stand. Vielleicht seien sie gar nicht so einsam gewesen, meinte er, und sie bat ihn, nach Genua zu ziehen. Das sei nicht so einfach. Doch, es sei einfach, er müsse es nur wollen.

"Wie warm der Bach ist", sagte er wenig später, als er aus dem Wasser stieg, dann zog er sich an und setzte sich auf einen Stein, der vor der uralten Brücke lag. Sie schlüpfte in ihr Kleid und kam zu ihm, ließ sich auf seinen Schoß fallen und brachte ihr Handy ans Ohr. Während sie mit Gianna, ihrer Freundin, telefonierte, putzte er ihr Kleid von den Blätterresten, die daran klebten, und als sie das Handy einsteckte, rief er Fulvio an. Sie starrte zum Himmel, und er betrachtete ihre nackten Beine, die auf unbekümmerte Weise schaukelten, so herrlich glatt waren. Leise verabschiedete er sich von Fulvio, und sachte strich er über ihr Knie. Sie habe eine Idee, sagte sie, und wieder nahm sie ihr Handy. Dann erhob sie sich, ging auf die Brücke, und als sie zurückkam, schaltete sie das Handy aus und sagte, sie seien zum Essen eingeladen.

"Wer hat uns denn eingel

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