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Felders Traum Die kaum glaubliche Geschichte eines Bergbauernbuben von Bereuter, Elmar (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2016
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Felders Traum

Bregenzerwald, um 1850: Franzmichel, Sohn einer Bergbauernfamilie, ist zwar halb blind, aber trotzdem wild und aufgeweckt. Er muss Bauer werden, doch in den Nächten verschlingt er Bücher. Denn er hat einen Traum: Er will die Zukunft der Menschen verbessern, sie sollen selbstbestimmt leben und geistig gefördert werden. Damit bringt er jedoch den Klerus und die halbe Talschaft gegen sich auf ... Die bewegende Lebensgeschichte des Vorarlberger Bauern, Schriftstellers und Sozialreformers Franz Michael Felder (1839-1869), der unbeirrbar seinen eigenen Weg ging und Großes bewirkte.

Elmar Bereuter, geboren 1948 in Lingenau im Bregenzerwald, verbrachte seine Kindheit zwischen Dorfleben, Alpwirtschaft und Internat. Nach einer Karriere als PR-Manager gründete er 1991 eine Werbeagentur. Auf den Bestseller "Die Schwabenkinder", der mit Tobias Moretti verfilmt wurde, folgten die Romane "Hexenhammer", "Die Lichtfänger" und "Felders Traum".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 13.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492951821
    Verlag: Piper
    Größe: 978kBytes
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Felders Traum

2

Irgendetwas stimmte mit dem Buben nicht. Obwohl Marie und Jakob ihren Franzmichel so besorgt umhegten und pflegten, dass es manche der Nachbarn schon als fast übertrieben ansahen, so blieb er doch ein Kümmerling, ein Beatzger eben. Auch die Bemühungen des Bäsles, das selbstredend und stolz die Patenschaft übernommen und somit nicht nur Tante, sondern auch Gottle war, blieben erfolglos. Durch ihre kränkliche Konstitution verboten sich anstrengendere Tätigkeiten von alleine, und während die Eltern draußen auf dem Feld waren, sich im Stall ums Vieh kümmerten und dem anfallenden Tagwerk nachgingen, war sie es, der die Beaufsichtigung des Kleinen oblag. Aber was auch immer sie in ihn hineinstopfte, es schlug einfach nicht an. Selbst die in Fett herausgebackenen Hefeküchlein halfen nichts. Der Franzmichel blieb einfach dünn und schwächlich. Aber das war es nicht alleine, was ihnen allen Sorgen machte. Wenn er angesprochen wurde, drehte der Bub den Erwachsenen den Kopf nicht ganz zu, sondern hielt in einer merkwürdigen, halbschrägen Stellung inne. Auch seine Schritte wurden nicht sicherer, oft stolperte er mitten im Lauf scheinbar grundlos. Das bresthafte, vom Gliederreißen geplagte Gottle hielt ihn ängstlich wie eine Glucke stets in ihrer Nähe. Stundenlang erzählte sie, den Stickrahmen in den Händen, Legenden und Geschichten von Heiligen, die Franzmichel zwar nicht verstand, aber dennoch wurde er von ihrer leicht singenden Stimme im Bann gehalten. Gerade war sie dabei, ihm längs und breits das Leben der seligen Ilga auszumalen, die am Losenpass oberhalb von Schwarzenberg sommers wie winters in einem engen, steilen, kaum zugänglichen Tobel in einer solch erbärmlichen Hütte gehaust habe, gegen die ein Heustadel noch fast ein Palast gewesen sei, als Franzmichel auf der Bank neben ihr mit dem unentwegten Gehampel seiner Beine aufhörte.

"Ein normaler Mensch", sagte das Gottle, "hätte das gar nicht überlebt. Ahne, ahne, was die selige Ilga alles hat durchmachen müssen, und das zwischen all den wilden Tieren, die es damals noch gab im Bregenzerwald."

Als sie vom Stickrahmen aufsah, war der Franzmichel aber schon auf und davon, lief auf die sich dem Haus nähernde Gestalt zu. Aufgeregt rutschte nun auch sie von der Hausbank, gab dann aber die Verfolgung nach ein paar ungelenken Schritten wieder auf.

"Däta, Däta!"

Jakob Felder spürte, wie sich sein Herz weitete. Mit der flach gehaltenen Mistgabel und ein paar kräftigen Schlägen verteilte er noch einen angetrockneten Kuhpflatter auf der Wiese und blieb dann lächelnd stehen.

"Däta, Däta!", krähte der Kleine, noch immer auf seinen wackeligen Beinchen vorwärtsstürmend. Nur ein paar Schritte von seinem Vater entfernt übersah er einen der graubraunen Maushaufen im handhohen Gras und schlug der Länge nach hin. Jakob hatte sich noch nicht von der Stelle gerührt, da stand der Kleine schon wieder und krähte weiter, als ob nichts gewesen wäre.

Jakob musste lachen. "Empfindlich bist du jedenfalls nicht, das muss man dir lassen!"

Mit dem Schnäuztuch wischte er ihm den Dreck aus dem Gesicht, wickelte es dann um den Zeigefinger, um auch noch den grünen Rest aus dem rechten Augenwinkel zu entfernen. Franzmichel ließ alles geduldig über sich ergehen, erst als der Finger sich dem Auge näherte, zuckte er schwach zurück.

Jakob Felder wurde mit einem Male ganz flau im Magen. Langsam stellte er seinen Buben wieder auf den Boden und drehte ihn ins Sonnenlicht. "Franzmichel, schau mich an!", sagte er mit belegter Stimme.

Der Kleine verspürte aber nicht die geringste Lust dazu, wollte erst davonlaufen, wurde aber von seinem Vater festgehalten. "Da bleibst! Franzmichel! Du sollst ruhig sein und mich anschauen!"

Dieser aber zappelte noch mehr herum, wackelte mit dem Kopf und schnitt Gesichter.

"Sapperlott! Jetzt gib doch endlich Ruhe!" Jakob hatte jetzt mit beiden Händen seinen Kopf gefasst und zu sich her gedreht.

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