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Feuer im Herbst Roman von Némirovsky, Irène (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.09.2014
  • Verlag: Knaus
eBook (ePUB)
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Feuer im Herbst

Eine Liebe in Zeiten des Krieges

Wie durch ein Brennglas folgt der Blick Irène Némirovskys den Liebenden Thérèse und Bernard durch die kriegsversehrte Welt des 20. Jahrhunderts. Mit ihrem Roman 'Feuer im Herbst' erweist sich die Autorin erneut als unbestechliche Beobachterin einer Hölle, die den Menschen ihre Gefühle raubt und ihre Wurzeln durchtrennt. Allein die Liebe hat eine Chance, die Verlorenen zu retten.

Sommer 1914. Noch liegt malvenfarbene Luft über Paris, noch flanieren die Kleinbürger sonntags über die Champs-Elysées und genießen ihr kleines Glück. Martial wird bald Arzt sein und seine Cousine Thérèse heiraten. Die Zukunft ist geordnet. Doch ein Frösteln, eine zittrige Erregung erfasst die Menschen. Ein Wort aus ferner Zeit taucht auf und weckt Heldenträume in jungen, abenteuerlustigen Männern - Krieg. Das Grauen zerstört schnell alle Illusionen. Thérèse wird Witwe, und von der Front kehren gebrochene Männer heim. So auch Bernard, Thérèses Kamerad aus Kindertagen. Mit wildem Lebenshunger will er die Kriegsgräuel vergessen machen, will Wiedergutmachung für das Erlittene. Er will Frauen, Geld, rauschhaften Genuss. Thérèse verliebt sich in Bernard. Als er abzustürzen droht, fängt sie ihn auf. Sie ahnt nicht, welchen Preis sie für ihren Traum bezahlen muss.

Irène Némirovsky wurde 1903 als Tochter eines reichen russischen Bankiers in Kiew geboren und kam während der Oktoberrevolution nach Paris. Dort studierte sie französische Literatur an der Sorbonne. Irène heiratete den weißrussischen Bankier Michel Epstein, bekam zwei Töchter und veröffentlichte ihren Roman 'David Golder', der sie schlagartig zum Star der Pariser Literaturszene machte. Viele weitere Veröffentlichungen folgten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Deutschen auf Paris zumarschierten, floh sie mit ihrem Mann und den Töchtern in die Provinz. Während der deutschen Besetzung erhielt sie als Jüdin Veröffentlichungsverbot. In dieser Zeit arbeitete sie an einem großen Roman über die Okkupation. Am 13. Juli 1942 wurde Irène Némirovsky verhaftet und starb wenige Wochen später in Auschwitz. 2005 entzifferte Némirovskys Tochter Denise Epstein das Manuskript, das als 'Suite française' veröffentlicht und zur literarischen Sensation wurde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 25.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641147273
    Verlag: Knaus
    Originaltitel: Les feux de l' automne
    Größe: 653kBytes
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Feuer im Herbst

1

A uf dem Tisch stand ein Strauß frischer Veilchen – ein gelber Krug mit einem Ausguß in Form eines Entenschnabels, der sich mit einem kurzen Klacken öffnete, um das Wasser abfließen zu lassen – und ein Salzstreuer aus rosa Glas, der die Inschrift trug: "Erinnerung an die Weltausstellung. 1900". (Innerhalb von zwölf Jahren waren die Buchstaben verblaßt und fast nicht mehr zu sehen.) Außerdem gab es ein riesiges goldfarbenes Brot, Wein und das Hauptgerich t – ein wunderbares Kalbsragout, jedes zarte Stück schamhaft unter der cremigen Soße versteckt, duftende frische Champignons und helle Kartoffeln. Keine Vorspeise, nichts, was den Gaumen kitzelt: Nahrung ist etwas Ernstes. Bei den Bruns begann man sofort mit dem Hauptgericht; zwar wurden auch Braten nicht verschmäht, deren Zubereitung wegen ihrer einfachen, strengen Regeln mit der klassischen Kunst verwandt ist, doch die Hausfrau verwandte all ihre Sorgfalt und all ihre Liebe auf die Zubereitung irgendeines langsam geköchelten Gerichts; bei den Bruns kochte die Schwiegermutter, die alte Madame Pain.

Die Bruns waren kleine Pariser Rentner. Seit seine Frau tot war, hatte Adolphe Brun bei Tisch den Vorsitz und teilte das Essen aus. Er war ein noch schöner Mann; er hatte eine hohe Stirn, eine kleine Stupsnase, füllige Wangen, einen langen roten Schnurrbart, den er zwischen seinen Fingern zwirbelte und langzog, bis die Spitzen ihm fast in die Augen stachen. Ihm gegenüber zeigte seine Schwiegermutter, eine rundliche, kleine, rosige Frau mit duftigem weißem Haar, das wie der Schaum des Meeres aufflog, lächelnd ihre gesunden Zähne und wies mit einer Bewegung ihrer fleischigen kleinen Hand die Komplimente zurück ("Ausgezeichnet ... Etwas Besseres haben Sie noch nie gekocht, Schwiegermama ... Es ist köstlich, Madame Pain!"). Mit falscher Bescheidenheit verzog sie schmollend den Mund und murmelte, wie eine Primadonna, die vorgibt, die Blumen, die man ihr auf der Bühne überreicht, ihrem Partner zu schenken:

"Ja, der Metzger hat mich heute gut bedient. Es war ein schönes Bruststück."

Zur Rechten von Adolphe Brun saßen seine Gäste – die drei Jacquelains – und zu seiner Linken sein Neffe Martial und seine Tochter, die kleine Thérèse. Da Thérèse vor einigen Tagen fünfzehn geworden war, kämmte sie ihre Locken zu einem Dutt, aber die seidigen Strähnen hatten sich noch nicht an die Form gewöhnt, die die Haarnadeln ihnen geben wollten, und entwischten nach allen Seiten, was Thérèse ganz unglücklich machte, ungeachtet des Kompliments, das ihr schüchterner Vetter Martial ihr halblaut und stark errötend gemacht hatte:

"Das ist sehr hübsch, Thérèse. Ihre Frisur ... wie ein goldener Nebel."

"Die Kleine hat mein Haar", sagte Madame Pain, die – in Nizza geboren und obwohl sie im Alter von sechzehn Jahren von dort weggezogen war, um einen in Paris ansässigen Mann zu heiraten, der mit Bändern und Hutschleiern handelte – den wohlklingenden, sanften Akzent ihrer Heimat bewahrt hatte. Sie hatte sehr schöne schwarze Augen mit einem fröhlichen Blick. Ihr Mann hatte sie ruiniert, und sie hatte eine zwanzigjährige Tochter verloren – Thérèses Mutter; sie lebte auf Kosten ihres Schwiegersohns; doch nichts hatte ihre gute Laune beeinträchtigen können. Zum Nachtisch trank sie gern ein Gläschen Likör und trällerte:

Joyeux tambourins, menez la danse ...

Die Bruns und ihre Gäste saßen in einem winzigen, sonnendurchfluteten Eßzimmer. Die Möbel – ein Henr

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