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Fine van Brooklyn 2 Novellen: Fine van Brooklyn, Die Pariser Krawatte von Waltari, Mika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.08.2014
  • Verlag: Kuebler Verlag
eBook (PDF)
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Fine van Brooklyn

Während der Autor im Ausland fast ausschließlich durch seine umfangreichen historischen Romane bekannt geworden ist, wird er in Finnland auch wegen seiner Novellen sehr geschätzt. Im vorliegenden Band werden zwei dieser Novellen erstmals in deutscher Übersetzung vorgestellt. In Fine van Brooklyn gerät ein junger finnischer Wissenschaftler, der im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht noch völlig unerfahren ist, in die Fänge einer frühreifen Sechzehnjährigen, Tochter eines wohlhabenden holländischen Kaufmanns und Hobbyarchäologen. Die Geschichte spielt in den späten 1920er Jahren in der Bretagne, wo der Ich-Erzähler seine Ferien verlebt. Dort veranstaltet die Titelfigur Fine eine Art Katz-und-Maus-Spiel mit ihm und lässt ihn ratlos zurück. Die Pariser Krawatte führt den Leser in die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Ich-Erzähler, Geschäftsführer eines Bankhauses im Besitz seines Schwiegervaters, gerät zufällig an eine echte Pariser Krawatte. In den ärmlichen Nachkriegsverhältnissen wird dieses ausländische Stück Stoff für den Protagonisten zum Symbol seiner längst vergangenen Jugend und führt dann zu mancherlei Verwicklungen.

Mika Waltari (1908?1979) gehörte zu den produktivsten finnischen Autoren des 20. Jahrhunderts. In seiner finnischen Heimat hat den Status eines modernen Klassikers. Sein Werk umfasst rund hundert Titel, darunter Romane, Novellen, Theaterstücke, Reiseberichte, Drehbücher und Hörspiele. Im Ausland wurde er besonders durch seine sorgfältig recherchierten historischen Romane populär (Sinuhe der Ägypter, Michael der Finne, Michael Hakim, Johannes Angelos, Turms der Unsterbliche und andere).

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 232
    Erscheinungsdatum: 16.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863462222
    Verlag: Kuebler Verlag
    Originaltitel: Fine van Brooklyn; Pariisilaissolmio
    Größe: 729 kBytes
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Fine van Brooklyn

1.

Ich war im Oktober 1927 in Paris eingetroffen und hatte mich während der langen Winter- und Frühjahrsmonate eifrig meinen Studien gewidmet. Die Sprache bereitete mir anfangs Schwierigkeiten, obwohl ich mich sorgfältig auf meine Reise vorbereitet hatte. Zwar machte mir die Lektüre auch schwieriger französischer Texte verhältnismäßig wenig Mühe, und auch jetzt noch scheint mir, dass die französische Sprache geeignet ist, selbst schwer nachvollziehbare Gedankengänge mit müheloser Leichtigkeit darzustellen, sogar mit solcher Leichtigkeit, dass dies den ernsthaften Forscher zuweilen stört und irritiert. Ich meine vor allem jene gerade bei Berühmtheiten zu beobachtende ärgerliche Angewohnheit, in ihren literarischen Arbeiten bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit irgendein bon mot oder einen spielerischen Gedankensprung anzubringen, und das selbst inmitten anspruchsvollster Denkgebäude, zu deren Verständnis dem Leser ohnehin völlige Konzentration abverlangt wird. Mir kommt das immer so vor, als würde ein seriöser Professor sich mitten in seiner Vorlesung in einen Handstand aufs Katheder schwingen, um auf diese Weise seine Gelenkigkeit vorzuführen, und dann leicht und behände wieder auf seinen Sitz zurückspringen, um, ohne mit der Wimper zu zucken, in seinem Vortrag genau an der Stelle fortzufahren, wo er ihn unterbrochen hat.

Ich gestehe, dass meine nordische Gemütsart verhältnismäßig langsam und schwerfällig ist, und könnte eine solche, ernsthafter Arbeit ungeziemende Leichtsinnigkeit als Ausdruck fremden Nationalcharakters abtun. Aber da sich bei solchen gedanklichen Spielereien hinter äußerlich täuschendem und sonnigem Lächeln meistens ein überraschend gefühlloser und plumper Zynismus verbirgt, kann ich nicht umhin, eine starke Abneigung dagegen zu empfinden.

Diese Gedanken, die mir ganz von selbst in den Sinn kommen, wenn ich an jenen fernen, dem Studium gewidmeten Winter zurückdenke, überraschen gewiss einen möglichen Leser, jedenfalls in Zusammenhang mit der Geschichte, von der ich mich nun endlich befreien will, indem ich sie niederschreibe, um damit den letzten Rest der Unruhe aus meinem Innern zu verbannen. Denn wenn ich auch einen moralischen Fehltritt darstellen muss, so will ich doch betonen, dass dieser mein Fehltritt keine allzu ernsten Folgen hatte. Und möglich ist auch, dass ich später irgendwann einmal diese Aufzeichnungen mit demselben Gefühl zur Hand nehme, wie eine Frau, die ein wertvolles Buch dadurch verunreinigt hat, dass sie eine Blume zum Trocknen zwischen die Buchseiten gelegt hat und nun Jahre später die vertrocknete, brüchig gewordene und längst nicht mehr duftende Blume betrachtet, ohne sich mehr daran erinnern zu können, wie damals bei ihr der Wunsch entstehen konnte, sie so sorgsam aufzubewahren.

Was mir widerfahren ist, hatte nämlich nichts Umwerfendes an sich, nichts, was für mein weiteres Leben entscheidend gewesen wäre. Jetzt sehe ich dieses Erlebnis als völlig abgeschlossene Episode im zielgerichteten Verlauf meines Lebens und meiner Arbeit. Um es mit einem Bild zu sagen: Der menschliche Organismus sondert eine Kugel ab, die zu entfernen nicht möglich war, indem er um sie herum eine schützende Kalkschicht wachsen lässt, so dass die Kugel nicht mehr länger eine störende Partikel im Körper ist, sondern ganz einfach im Innern der Schutzschicht vergessen wird. Die menschliche Seele funktioniert auf die gleiche Weise: Um unsere Irrtümer, unsere Kümmernisse und Enttäuschungen herum lässt sie allmählich schützende Kalkschichten wachsen und trennt diese so von den Verrichtu

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