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Flüstern mit Megafon von Elliott, Rachel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.09.2015
  • Verlag: Kein & Aber
eBook (ePUB)
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Flüstern mit Megafon

Die Wege von Ralph und Miriam könnten unterschiedlicher kaum verlaufen. Der Psychotherapeut und Familienvater Ralph führt ein scheinbar glückliches Leben, bis er seine Frau Sadie auf seiner Geburtstagsparty mit ihrer besten Freundin in flagranti erwischt. Schlimmer noch: Dank Twitter scheint außer ihm bereits die ganze Welt über die wahren Gefühle seiner Frau Bescheid zu wissen. Während Ralph wutentbrannt das Weite sucht, verlässt am anderen Ende der Stadt auch Miriam ihr Haus - das erste Mal seit Langem. Nach Jahren der Isolation wagt sie endlich den Schritt hinaus in die Welt. Mitten im Wald treffen sie und Ralph aufeinander. Was als zaghafte Begegnung beginnt, entwickelt sich zu einer unerwarteten Freundschaft und stellt das Leben der beiden komplett auf den Kopf. Rachel Elliott erzählt mit viel Witz und Tempo von verborgenen Sehnsüchten, dem Wunsch, neu anzufangen, und dem befreienden Gefühl, aus alten Mustern auszubrechen. Rachel Elliott, 1972 in Suffolk geboren und in den Midlands aufgewachsen, ist Autorin und Psychotherapeutin. Ihre Kurzgeschichten wurden für zahlreiche Preise nominiert, u. a. für den Dundee International Book Prize. Heute lebt und arbeitet die Autorin in Bath, "Flüstern mit Megafon" ist ihr erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 22.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783036993195
    Verlag: Kein & Aber
    Größe: 3145 kBytes
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Flüstern mit Megafon

2

MOVE OVER DARLING

Treacle ist überall, auf Ralphs Beinen, seinen Armen, seinem Bauch. Treacle, die rote Katze, ist gelangweilt von Ralphs Untätigkeit und verlangt nach ihrem Frühstück. Sie tappt auf dem Schlafsack auf und ab, klettert über die Kurven und Kanten ihres neuen Besitzers, fahndet nach einem Lebenszeichen.

Treacle war verloren und allein, eine Streunerin im Wald, zottig und mager. Dann ist sie Ralph Swoon über den Weg gelaufen, der ebenfalls verloren und allein war. Jetzt haben sie sich gegenseitig, sich und eine wackelige alte Bretterbude mitten im Wald, durch deren Ritzen das Licht dringt.

Er hat Treacle eine Büchse Sardinen gekauft.

Es ist eine Liebe, die nach Fisch riecht, aber dennoch eine echte Liebe.

Ralph schält sich aus seinem Schlafsack. Er trägt noch seine Kleider von gestern. Nachdem er sich mit den Fingern durch die Haare gefahren ist, öffnet er die Tür des Bretterverschlags und geht zu dem Blätterhaufen, den er zu seiner Toilette erkoren hat. Treacle sitzt unterdessen auf der Türschwelle und wartet. Sie hat sich bereits an diesen Teil des gemeinsamen Tagesablaufs gewöhnt und weiß, dass Ralph gleich wieder hineinschlurfen und ihr ein wenig Futter aus der Büchse auf den gesprungenen Teller kippen wird, der im Verschlag auf dem Boden steht. Dann wird er in seinen Schlafsack zurückkehren und sie auffordern, sich zu ihm zu gesellen. Gestern haben sie noch drei Stunden zusammen im Schlafsack weitergeschlafen. Allerdings hat Treacle hin und wieder die Augen geöffnet, um sich zu vergewissern, dass Ralph noch atmet.

Ihrer Katzenlogik zufolge hat er sich in den Wald geschleppt, um zu sterben. Warum sonst hätte er am 4. August um halb zwölf Uhr nachts plötzlich ohne Gepäck, ohne Habseligkeiten, abgesehen von einem Geldbeutel, einem Handy und einer Gitarre, hier auftauchen sollen?

Aber die Katze irrt sich.

Er ist nicht hergekommen, um zu sterben.

Vor einer Woche hat Ralph noch an der Frühstückstheke in seiner Küche gesessen und seiner Frau und seinen beiden halbwüchsigen Söhnen im Garten gelauscht. Sadie und Arthur spritzten gerade die Beine ihres neuen Welpen mit dem Schlauch ab, während Stanley ihnen dabei zusah.

"Dieser Hund stinkt", beschwerte sich Arthur.

"Das ist doch nur Matsch. Hilf mir lieber mit dem Schlauch", entgegnete Sadie.

"Er ist dein Hund, Mum."

"Jetzt fang nicht wieder damit an."

"Wer hat ihn denn angeschleppt?"

"Ich habe ihn für dich und Stan gekauft. Du wolltest doch immer einen Hund."

"Ich wollte einen Hund, als ich sechs war. Du bist zehn Jahre zu spät dran."

"Ach, lass mich in Ruhe."

Arthur grinste, während der Welpe zappelnd versuchte, dem kalten Wasser zu entgehen und stattdessen mit dem Schlauch zu spielen.

Ralph war gegen die Anschaffung eines Hundes gewesen. Hatten sie nicht auch ohne dieses haarige Baby schon genug Probleme? Denn etwas anderes war ein Hundewelpe letztlich nicht. Aber wie üblich hatte sich Sadie durchgesetzt. Sie hatte argumentiert, dass die Aufgabe dem ewig schlechtgelaunten und gelangweilten Arthur guttun würde. Er würde sich entspannen, lernen, Verantwortung zu übernehmen, mehr an die frische Luft kommen. Als Teenager braucht man morgens einen Grund, sich aus dem Bett zu quälen, hatte sie gesagt, sonst schläft man den ganzen Tag und die ganze Nacht, während das Leben an einem vorbeizieht wie ein fader Traum. Das kommt mir bekannt vor, hatte Ralph gedacht.

"Pass auf, dass er kein Wasser in die Ohren kriegt", warnte Sadie. "Das mögen Hunde nicht."

"Warum springt er dann ständig in den Fluss?"

"Weil Spaniels gerne schwimmen. Sie schwimmen ja nicht unter Wasser."

Arthur ließ den Schlauch auf den Boden fallen. "Er ist jetzt sauber. Ich gehe rein."

"Er ist überhaupt nicht sauber. Guck doch mal, da ist noch überall Dreck."

Während der Welpe zitternd zwi

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