text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Fortunas Tochter von Allende, Isabel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.08.2012
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Fortunas Tochter

"Fortunas Tochter" erzählt die bewegte Geschichte der Eliza Sommers, einer lebenshungrigen jungen Frau, die zwischen zwei Kulturen lebt und einen abenteuerlichen Weg geht. Als chilenisches Findelkind in der Obhut einer englischen Familie aufgewachsen, bricht sie, kaum 17jährig, aus ihrer wohlbehüteten Welt aus und stürzt sich auf der Suche nach ihrem Geliebten in die Wirren des kalifornischen Goldrauschs.

Isabel Allende, 1942 in Chile geboren, ging nach Pinochets Militärputsch 1973 ins Exil. Die Erinnerungen ihrer Familie, die untrennbar mit der Geschichte ihres Landes verwoben sind, verarbeitete sie in dem Weltbestseller Das Geisterhaus . Allende zählt zu den meistgelesenen Autorinnen weltweit, ihr gesamtes Werk erscheint auf Deutsch im Suhrkamp Verlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 708
    Erscheinungsdatum: 02.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518734759
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Hija de la Fortuna
    Größe: 3500 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Fortunas Tochter

Zweiter Teil

1848-1849

Die Nachricht

Am 21. September, dem Tag des Frühlingsanfangs nach Miss Roses Kalender, wurden die Räume gelüftet, die Betten und Decken in die Sonne gelegt, die Möbel gewachst und die Fenstervorhänge des Salons ausgewechselt. Mama Fresia wusch die geblümten Cretonnegardinen ohne Kommentar, sie war überzeugt, daß die getrockneten Flecken von Ratten stammten. Im Patio bereitete sie große Tongefäße mit heißer Waschlauge und Panamarinde vor und weichte die Vorhänge einen ganzen Tag darin ein, stärkte sie nach dem Waschen in Reiswasser und ließ sie in der Sonne trocknen; dann wurden sie von zwei Frauen gebügelt, und als sie wieder wie neu waren, wurden sie aufgehängt, um die junge Jahreszeit zu begrüßen. Eliza und Joaquín, gleichgültig gegenüber Miss Roses Frühlingsturbulenzen, liebten sich nunmehr auf den grünen Samtvorhängen, die weicher waren als die aus Cretonne. Es war nicht mehr kalt, und die Nächte waren klar. Sie liebten sich nun schon seit drei Monaten, und Joaquíns Briefe, gewürzt mit poetischen Wendungen und flammensprühenden Liebeserklärungen, waren erheblich seltener geworden. Eliza litt, wenn ihr Geliebter wieder so abwesend war, manchmal umarmte sie ein Phantom. Sosehr das unbefriedigte Verlangen sie auch schmerzte und die ständigen Heimlichkeiten sie belasteten, hatte das Mädchen doch nach außenhin ihre Ruhe wiedererlangt. Sie verbrachte die Stunden des Tages mit denselben Beschäftigungen wie vorher, unterhielt sich mit ihren Büchern und Klavierübungen oder betätigte sich eifrig in der Küche und im Nähstübchen, ohne die geringste Lust zu bezeigen, aus dem Haus zu gehen, aber wenn Miss Rose sie um ihre Begleitung bat, folgte sie ihr bereitwillig wie jemand, der nichts Besseres zu tun hat. Sie ging früh schlafen und stand früh auf wie immer, sie hatte guten Appetit und sah gesund aus, aber Miss Rose und Mama Fresia waren nicht so leicht zu täuschen. Sie ließen sie nicht aus den Augen. Sie bezweifelten, daß der Liebesrausch so plötzlich verpufft sein sollte, aber als Wochen vergingen und Eliza noch immer keine Spur von Verstörtheit zeigte, legte sich ihre Wachsamkeit allmählich. Vielleicht waren die Kerzen für den heiligen Antonius doch etwas nütze gewesen, überlegte die India; vielleicht war es ja gar keine Liebe gewesen, dachte Miss Rose ohne viel Überzeugung.

Die Nachricht von den Goldfunden in Kalifornien hatte Chile im August erreicht. Anfangs war es nur ein verrücktes Gerede von betrunkenen Seeleuten in den Bordellen von El Almendral gewesen, aber ein paar Tage später meldete der Kapitän des Schoners "Adelaida", daß die Hälfte seiner Matrosen in San Francisco desertiert sei.

"Das Gold ist überall, du kannst es mit der Schaufel einsacken! Man hat Klumpen so groß wie Orangen gesehn! Jeder, der ein bißchen Mumm hat, kann da glatt Millionär werden!" erzählte er, keuchend vor Begeisterung.

Zu Beginn dieses Jahres hatte nahe der Mühle eines Schweizer Farmers am Ufer des American River ein gewisser Marshall im Wasser ein Plättchen Gold gefunden. Dieses gelbe Partikelchen, das den Wahnsinn entfesselte, wurde entdeckt neun Tage nachdem der Krieg zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten mit der Unterzeichnung des Vertrages von Guadalupe Hidalgo beendet worden war. Als sich die Neuigkeit verbreitete, gehörte Kalifornien nicht mehr zu Mexiko. Bevor bekannt wurde, daß dieses Land auf einem unerschöpflichen Schatz saß, war nie

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen