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Frank von Ford, Richard (eBook)

  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
10,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Online verfügbar

Frank

Frank Bascombe ist wieder da: Richard Ford schickt seinen mürrischen Melancholiker auf eine Odyssee verstörender Begegnungen. Familientragödien, bösartige Exfrauen, späte Beichten - nichts bleibt Bascombe erspart. Und nie war er aufrichtiger und hellsichtiger als hier. Es sind die Tage nach Hurrikan Sandy in den USA. Der Anruf eines Freundes zwingt Bascombe dazu, sich vor Ort mit der Katastrophe auseinanderzusetzen. Die Kulisse zerstörter Häuser wird zum Hintergrund, vor dem Ford mit der Stimme seines berühmtesten Helden über die Beschädigungen des Lebens räsoniert: über das Alter und Krankheiten, über Erlösung und letzte Dinge. Und wie nebenbei beschreibt er dabei abermals die Lage des Landes.

Richard Ford wurde 1944 in Jackson, Mississippi, geboren und lebt heute in Maine. Er hat acht Romane sowie Novellen, Kurzgeschichten und Essays veröffentlicht. 1996 erhielt er für Unabhängigkeitstag sowohl den Pulitzer Prize als auch den PEN/ Faulkner Award.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446250161
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Serie: Frank Bascombe Bd.4
    Originaltitel: Let Me Be Frank With You
    Größe: 4063 kBytes
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Frank

ICH BIN DA

Seltsame Düfte schweben heute Morgen, zwei Wochen vor Weihnachten, in der unruhigen Winterluft an der Küste. Das ominöse Meer liegt da wie blumenbekränzt, das weckt Erwartungen bei den Leichtgläubigen.

Es ist, was sonst, das Aroma umfänglicher Renovierungen und Sanierungen. Frisch geschnittenes Bauholz, sauberes weißes PVC, der Laugendunst von Sakret -Mörtel, beißende Dichtmasse, süßliche Teerpappe und denaturierter Alkohol. Der mehlige Muff von Tyvek -Vlies mischt sich mit dem leichten Schwefelhauch des Ozeans und dem auflandigen Gestank der Barnegat Bay. Totalkatastrophe hängt in der Luft. Für meine Nase - die mal ganz geübt in diesen Dingen war - riecht nichts so intensiv nach Desaster wie die ersten Rettungsversuche.

Zum ersten Mal fällt es mir an der Ampel der Hooper Avenue auf und dann wieder, als ich bei der Hess -Tankstelle meinen Sonata auftanke, kurz vor der Brücke zwischen Toms River und Sea-Clift. Hier in den Benzinschwaden zaust mir eine Winterbrise durchs Haar, während meine Dollars wegklackern, als wär's ein einarmiger Bandit. Dezemberwolken ziehen sich zusammen. Die Brise bringt die silbernen Windrädchen bei Große Neueröffnung: Bed Bath & Beyond in der Ocean-County-Mall zum Wirbeln ("Mit dieser Bettwäsche stehst du nie wieder auf"). Der Home-Depot -Bau- und Technikmarkt - hoch aufragend wie der Kreml, aber ein rätselhafterweise immer noch freundlicher Kreml - hat auf der anderen Seite des hektargroßen Parkplatzes, der um zehn Uhr morgens ein Zehntel voll ist, seine Türen frühzeitig weit aufgesperrt. Kunden wanken heraus, balancieren Kisten mit neuem WC-Zubehör, neuen Motherboards, neuen Kabelbäumen, eingeschweißten Türangelbausätzen, Wabentüren, sogar eine komplette Eingangstreppe schwankt auf einem riesigen Einkaufswagen. Alles ist unterwegs zu irgendeinem Domizil, das nach dem Hurrikan noch steht, aber mit Schlagseite - sechs Wochen her, aber unvergessen. Der Schock ist noch deutlich zu spüren bei den Leuten hier, alle sind reizbar, verschreckt, ungerecht-behandelt-aber-fest-entschlossen. Das allgemeine Motto lautet "Wir kommen zurück".

Hier draußen unter der Hess -Markise hat jemand für uns Kunden lautstark einen Sportsender eingespeist - Pat & Mike von Magic 107 in Trenton. Früher war ich mal ihr treuer Fan. Jetzt sind sie von gestern. Eine dröhnende Stimme - Mike - verkündet: "Holla, Patrick. Da hat Trainer Benziwicki aber einen Hurrikan von Flüchen losgelassen, eine F-Bombe nach der anderen, ich kann dir sagen. Dreißig Sekunden über Tokio ist nichts dagegen."

"Da hören wir noch mal rein", sagt Pat aus einem Lautsprecher tief in der Zapfsäule. "Ich fass es nicht. Fass es einfach nicht. Das ist im Fernsehen gelaufen, auf dem Sportkanal!"

Noch eine kollerige, erschöpfte Stimme vom Band - Trainer B. - legt los, fuchsteufelswild: "Okay. Jetzt hört mir mal verF-bombt gut zu, ihr verF-bombten Sportreporter. Alles klar, ihr F-Bomber? Wenn ihr es irgendwann schafft, eine Mannschaft von neunjährigen verF-bombten Grundschulmädchen zu trainieren, dann kriegt ihr vielleicht, vielleicht einen Funken verF-bombten Respekt von mir. Aber bis dahin könnt ihr F-Bomber euch kreuzweise ins Knie F-bomben, bis zum Ende aller F-Bomben. Da habt ihr's, live und in Farbe."

Der junge Hess -Angestellte mit dem weißen Anzug und den leeren Augen, der mir den Tank auffüllt, hört nichts. Er sieht mich an, als wäre ich nicht da.

"Das sagt ja wohl genug", kommentiert Mike.

"Mehr als genug", pflichtet Pat bei. "Lassen Sie Ihre Schlüssel einfach auf dem Schreibtisch, Herr Trainer. Sie haben fertig. Am besten fahren Sie mit dem verF-bombten Bus nach Hause in ihr verF-bombtes Chillicothe in Hinter-Ohio."

"UnF-bomben-fassbar."

"Wir machen eine kurze Pause, du F-Bomber."

"Ich? Du bist hier der F-Bomber. Ha-ha-ha. Ha-ha

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