text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Frau sucht Frau, nur für das eine Roman von Rüdiger, Ariane (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.12.2015
  • Verlag: Querverlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Frau sucht Frau, nur für das eine

Carmen und Dolores fürchten, vom 'Lesbian Bed Death' heimgesucht zu werden. Denn sexuell läuft bei den beiden nicht mehr viel! Alle scheinen ein erfüllteres Intimleben zu haben als sie. Doch die Heldinnen beschließen, ihr Schicksal nicht tatenlos hinzunehmen. Aber was tun? Möglichkeiten gibt es viele: erotische Massagen, Gruppenorgien in der Sauna, S/M-Nachhilfeunterricht, Selbsterfahrungsgruppen und Kontaktanzeigen. Aber alle angeblichen Patentrezepte versagen: Je verbissener die Frauen an der Lösung des Problems arbeiten, desto skurriler die Resultate. Als Dolores eine Affäre mit einer einfallsreichen Loverin anfängt, die ihren Sextoys Kosenamen gibt, und Carmen Sozia auf dem Motorrad einer Bikerin namens Bernie wird, scheint das Schicksal ihrer Beziehung endgültig besiegelt. Ariane Rüdigers treffsichere Situationskomik läßt in bekannter Weise kein Klischee aus. Nach dem großen Erfolg von Frosch, Aszendent Tausendfüßler stellt sie in Frau sucht Frau, nur für das eine! erneut ihr Komiker-Talent unter Beweis. geboren 1958, viele Ausbildungen, z.B. als Beinahe-Juristin, Dolmetscherin, Journalistin, Umweltberaterin und Webdesignerin, ehe sie Belletristik zu schreiben begann. Sie lebt in München, wo sie auch als freiberufliche Fachjournalistin für Informationstechnik arbeitet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 02.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783896566119
    Verlag: Querverlag
    Größe: 466 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Frau sucht Frau, nur für das eine

1. Kapitel

in dem sich eine Statistik als gefährlich für die Beziehungsharmonie erweist

Manchen Menschen sind Gewohnheiten ein Graus. Ihre wichtigste Maxime heißt Abwechslung. Sie fangen an, unruhig im Zimmer auf und ab zu gehen oder mit den Fingern auf der Stuhllehne herumzutrommeln, wenn nicht jeder Moment ihres Lebens voller unvorhergesehener Ereignisse ist.

Andere wiederum - und zu ihnen gehörten Carmen und Dolores - lieben das Gleichmaß, die Vorhersehbarkeit. Sie behaupten vielleicht, sich über Überraschungen zu freuen, aber im Grunde stimmt das nicht: Eigentlich hassen sie alles, was ungeplant über sie hereinbricht - sei es die Geburtstagsparty oder der Gerichtsvollzieher. Sie entwickeln Rituale und Abläufe, so selbstverständlich wie Atmen und Essen.

Carmen und Dolores waren seit mehr als zehn Jahren ein Paar - schon das allein zeugt von ihrem Hang zur Stetigkeit. Beide waren Ende dreißig.

Früher hatte Carmen einen knallroten, Henna gefärbten Stiftekopf gehabt und Dolores einen pechschwarz getönten asymmetrischen Schnitt, rechts lang, links kurz. Man konnte die ausgefallenen Frisuren noch auf einem Bild bewundern, das neben dem Fernseher, den sie übrigens sehr selten anschalteten, auf einem kleinen Tisch in der Ecke des Wohnzimmers stand. Von den ausgefallenen Frisuren ihrer frühen Erwachsenenjahre war mittlerweile nichts mehr übrig geblieben. Zu viel Aufwand, fanden sie und hatten sich unwillkürlich einander angeglichen: Die Haare beider hingen nun knapp schulterlang, gefärbt wurde nicht mehr. Die eine - Carmen - war jetzt mittelblond, die andere - Dolores - mittelbraun.

Immerhin waren Carmen und Dolores unterschiedlich groß, was es erleichterte, sie auch von weitem zu unterscheiden: Carmen maß einen Meter sechzig, dokumentiert durch einen Bleistiftstrich im Türrahmen der Küche, Dolores eins fünfundsiebzig, ebenfalls genau angezeichnet. Vielleicht verhinderte nur die Biologie, dass sie sich auch hier einander anglichen. Wer weiß. Aber es gab ja auch noch die Augen, die bei Carmen hellblau und bei Dolores hellbraun leuchteten. Nur konnte man die von weitem nicht erkennen.

Beide hassten Sex unter Zeitdruck. Das war nicht immer so gewesen. In den ersten Jahren fielen sie auch tiefnachts übereinander her, wenn sie sich danach fühlten, oder blieben morgens länger liegen und entschuldigten sich dann beim verspäteten Auftauchen am Arbeitsplatz oder im Seminar mit Weckerversagen. Mit den Jahren ließ das nach, und inzwischen schliefen sie eigentlich nur noch sonntagmorgens miteinander.

Carmen bedauerte das gelegentlich in aller Stille, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Manchmal, wenn Dolores sie nicht beachtete oder nicht zu Hause war, saß sie versonnen auf der schweren, braunen Ledercouch. Zum Beispiel samstagmorgens, wenn Dolores noch im Laden arbeitete.

Die Ledergarnitur war ihrer und Dolores' ganzer Stolz. Sie stammte aus einem teuren Designerladen in der Fußgängerzone. Anlässlich ihres Umzuges hatten die beiden Frauen ihre Ersparnisse zusammengelegt, die wackligen Regale und ausgeleierten Sessel aus einem großen schwedischen Möbelhaus dem Sperrmüll überantwortet und waren losgezogen, um sich neu einzurichten. Für ein kirschholzfurniertes Regal hatte es auch noch gereicht. Das zog sich eine Wand entlang. Zum Teil war es mit Büchern, zum Teil mit Fotos und Postkarten vollgestellt, und ein Fach füllte Carmens Glaskatzensammlung.

Dolores fand die zwar scheußlich, hatte jedoch um des lieben Friedens willen nicht darauf bestanden, sie in Carmens Zimmer zu verbannen. Immerhin musste Carmen wegen Dolores' Allergie gegen felltragende Haustiere auf echte Stubentiger verzichten, die sie sonst liebend gerne besessen hätte. Um das Allergie-Risiko zu senken, gab es auch keine Teppiche, sondern nur blanken Parkettboden, den sie bereits vorgefunden hatten, breites Fischgrätmuster immerhin, edel wie in Gründerzeitvillen.

Carmen und Dolores

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen