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Ganze Tage im Café Roman von Jónsdóttir, Sólveig (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.01.2014
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Ganze Tage im Café

Am liebsten verbringen die vier jungen Frauen ihre Tage im Café und ihre Nächte auf Partys und in Kneipen, denn Reykjavik im Winter ist dunkel und kalt, ihr Alltag turbulent und chaotisch. Karen, die bei ihren Großeltern lebt, trinkt zu viel und wacht immer wieder in fremden Betten auf. Hervör, nach abgebrochenem Studium, jobbt im Café und wird von ihrem Gelegenheitslover hingehalten. Mia, die von ihrem Freund verlassen wurde, sitzt seither zwischen Umzugskartons. Silja, die Ärztin, erwischt ihren Ehemann mit einem "blonden Flittchen". (Das "blonde Flittchen" ist Karen, aber das weiß sie noch nicht.) Das Leben ist ein großes Drama, in dem auch Liam, der kleine (charmante) Engländer, und Georg, der zuverlässige, aber schüchterne Barista, eine Rolle spielen. Die tragende Rolle? (Schließlich sind es vier Männer, die vier Frauen zusammenbringen.) Ganze Tage lang erzählen sie sich von kleinen Glanzmomenten und ernsthaften Problemen, von ihrem Leben, das doch auch Lichtblicke zeigt, wenn sie mit ihrem Latte macchiato to go ihr Café wieder verlassen. Ein erfrischender Roman über die Liebe, das Leben und die Einsicht, dass Freundschaften unter Frauen viel wichtiger sind als der Traum von der großen Liebe.

Só;lveig Jó;nsdó;ttir, geboren 1982 in Reykjavik, Journalistin, hat u. a. in Dublin und Edinburgh Politikwissenschaft studiert. Ihr Debütroman Ganze Tage im Café war die Überraschung des isländischen Bücherfrühlings 2012 und stand wochenlang auf der Bestsellerliste. Die umkämpften Filmrechte waren schnell verkauft.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 20.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458733744
    Verlag: Insel Verlag
    Größe: 3526 kBytes
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Ganze Tage im Café

Mía


Erleichtert liess Mía sich im ständigen Kommen und Gehen des Cafés versinken, sodass sie sich am Ende so klein fühlte, als gäbe es sie fast gar nicht mehr. Sie stand auf, zog den langen Pullover enger um sich und zog sich die Kapuze über. Mía spürte die Schmerzen in ihren Armen und hatte immer noch starkes Kopfweh. Sie schob den Stuhl vorsichtig an den Tisch heran, passte auf, dass die Kaffeetasse in sicherer Entfernung von der Tischkante stand, damit sie die nicht auch noch zerbrach, faltete die Zeitung zusammen und legte sie in den Stapel zu den anderen. Sie blickte zur Verkaufstheke hinüber, wo die dunkelhaarige junge Frau an der Kaffeemaschine stand. Sie hatte gehört, dass ihr Kollege sie mit Hervör angesprochen hatte.

"Wiedersehen", sagte die Dunkelhaarige und lächelte freundlich. Sie wirkte entspannt, wie sie da mit ihrer Kaffeetasse in der Hand an das Regal hinter der Theke gelehnt dastand und über das Café hinwegblickte. So, als ob sie ihr Leben völlig im Griff hätte.

"Ja ... Wiedersehen", antwortete Mía mit verkrampftem Lächeln, bat noch einmal um Entschuldigung und machte sich auf den Weg hinaus in die Kälte. Sie wickelte den Pullover noch fester um sich herum, während sie durch den knöcheltiefen Schnee der Ingó;lfsstræti stapfte. Sie hatte diesen Teil der Stadt schon immer gemocht und oft darüber nachgedacht, wie schön es doch wäre, wenn sie beide sich irgendwann einmal hier in den engen Gassen der Altstadt eine kleine Wohnung kaufen würden. Jetzt war sie zwar in die engen Gassen der Altstadt gezogen, doch unter ganz anderen Bedingungen, als sie sich das vorgestellt hatte. Mía hatte erst eine Nacht in der kleinen Mietwohnung unter dem Dach auf dem Spítalastígur verbracht. Sie hatte sich zwei Tage freigenommen, um ihre Sachen zu sortieren und umzuziehen. Ihr Bruder, ein paar Freunde und Kollegen hatten ihr wiederholt Hilfe angeboten, doch Mía wollte lieber alles selbst machen. Außerdem konnte sie im Moment keine Menschen um sich herum ertragen und schon gar nicht mit ihnen sprechen. Keiner konnte verstehen, wie sie sich jetzt fühlte, und sie ertrug ehrlich gesagt die ganzen Geschichten nicht mehr, über irgendeine hergelaufene Kuh, die auch einmal sitzengelassen worden war. Was sollte es ihr auch helfen zu wissen, dass die Welt voller unglücklicher Menschen mit Liebeskummer und einem Hauch von Selbstmordgedanken war? Keiner hatte je das durchgemacht, was sie jetzt durchmachte. Keiner hatte je das gehabt, was sie gehabt hatte.

"Gemütlich", hieß es gleich zweimal in der Anzeige für die Wohnung. Mía hatte inzwischen herausgefunden, dass das in diesem Zusammenhang eigentlich immer bedeutete, dass die Wohnung in der Regel klein und eng war und einen eigenartigen Geruch verströmte. Am Abend zuvor hatte sie all ihre Sachen hergebracht. Die Bruchstücke einer schiefgegangenen Beziehung in Form eines Sammelsuriums von Möbelstücken, die irgendwie etwas mit ihr zu tun haben sollten und jetzt in der gemütlichen Wohnung untergebracht worden waren. Ihre Schultern schmerzten und ihre Arme waren mit blauen Flecken übersät, die von den Ecken der Pappkartons stammten, die sie die Treppe hatte hinauftragen müssen. Mía schloss die Tür hinter sich und ließ den Blick über das Durcheinander schweifen. Pappkartons und schwarze Mülltüten lagen überall im Raum verteilt, dazwischen drei gewaltige Kleiderhaufen, die sie am liebsten angezündet hätte. Sie atmete tief ein und bezweifelte, dass sie sich hier jemals wohlfühlen würde. Draußen hatte es angefange

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