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Garten der Wünsche Roman von Valentin, Kristina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2019
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Garten der Wünsche

Seit Jahrzehnten führt Klara eine verwunschene Pension und empfängt mit Hingabe und Einfühlungsvermögen ihre Gäste. Doch kurz vor ihrem sechzigsten Geburtstag gerät ihr ganzes Leben ins Wanken. Der wunderschöne Garten soll einem großen Bauprojekt zum Opfer fallen. Klara kämpft um ihre Pension - und um die Träume, die sie für sich selbst noch hat. Romy sehnt sich danach, Mutter zu werden, doch stattdessen kommt es zur Trennung von ihrem Mann. Als ihr eine Visitenkarte von Klaras Pension in die Hände fällt, nimmt sie spontan eine Auszeit. In Lindenbühl taucht sie tief ein in altes Gartenwissen. Wird sie bei Klara herausfinden, mit wem und wie ihr Leben weitergeht? Kristina Valentin lebt und arbeitete in Norddeutschland. Sie schreibt in jeder freien Minute, weil sie sich ständig neue Geschichten ausdenkt. Humorvoll und warmherzig erzählt sie von den Tücken des Alltags, der uns gelegentlich unerwartet aus dem Ruder läuft, von der Liebe und von Männern, die dazu neigen, das Leben ihrer selbstbewussten Heldinnen auf den Kopf zu stellen. Außerdem liebt sie Kaffee, ihren Garten und den leicht verrückten Terrier, mit dem sie sich das Büro teilt. Sie veröffentlicht auch unter den Namen Kristina Steffan und Kristina Günak.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 13.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641213381
    Verlag: Diana Verlag
    Serie: Diana-Taschenbücher 35961
    Größe: 2255 kBytes
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Garten der Wünsche

1

Klara

E in erster, vorwitziger Sonnenstrahl traf Klara Gorse an der Nasenspitze. Es war früh am Morgen. Die Welt in Lindenbühl schlief noch, und sie verharrte für einen kleinen Moment auf der großzügigen Veranda der alten Pension, während die aufgehende Sonne kleine goldene Streifen in die Sträucher und Bäume des altehrwürdigen Gartens malte. Dreißig Jahre war sie jetzt hier. Gekommen war sie als junges Mädchen voller Tatendrang, das Herz offen und weit, voller Freude auf die Abenteuer des Lebens. Sie, die Süddeutsche, die Zugezogene, hatte in diesen dreißig Jahren ihren festen Platz in einer Gemeinschaft eingenommen, die ihr damals so fremdartig vorgekommen war. Das Leben in Lindenbühl war voller Geheimnisse. Es hatte einige Zeit gedauert, bis man sie in alles eingeweiht hatte, was sie hatte wissen müssen, und doch schien sie immer noch jeden Tag Neues zu lernen.

Sie streifte sich ihre alten Gartenclogs von den Füßen, schritt die zwei Stufen in den Garten hinunter und betrat mit bloßen Füßen den taunassen Rasen. An dieser Stelle duftete es verführerisch nach Salbei und Rosmarin. Das Kräuterbeet lag direkt neben der Treppe. Umgeben von alten Feldsteinen wuchs hier alles, was man in der Küche benötigte. Der Schnittlauch blühte mit kleinen zarten Blüten auf seinen hohen Stängeln und bewegte sich sanft in der Brise des Morgens. Für einen Moment schloss Klara behaglich die Augen, kostete den Duft der Kräuter voll aus und spürte die frische Kühle der Wiese unter ihren Fußsohlen. Das von Dr. Kneipp empfohlene Tautreten war längst in Vergessenheit geraten, doch Klara war sich sicher, dass die Welt eine bessere wäre, wenn die Menschen nur jeden Morgen mit nackten Füßen über taufeuchten Rasen laufen könnten.

Es klärte den Kopf, reinigte die Gedanken, verband den Menschen mit der Welt und regte das Immunsystem an. Besser, als jede Vitamin-C-Brausetablette es jemals schaffte. Immerhin würde sie in ein paar Wochen ihren sechzigsten Geburtstag feiern, und seitdem sie barfuß über diesen Rasen lief, also ganze dreißig Jahre lang, war sie nicht ein einziges Mal erkältet gewesen.

Frau Amsel sang irgendwo in einem der Baumwipfel ihr Morgenlied und erinnerte sie an den Grund für ihren frühmorgendlichen Besuch des Gartens. Leise lief sie weiter, setzte bewusst jeden Schritt, spürte die kühle Frische unter ihren Fußsohlen und wich einer kleinen Ansammlung von Gänseblümchen im Rasen aus. Ihre Wetterpropheten. Zuverlässig schlossen sie sich vor jedem Regenschauer, und wer sie im Blick hatte, wurde nie unverhofft nass.

Wenn dieser Ort sie etwas gelehrt hatte, dann war es, die Welt bewusst wahrzunehmen. Mit allen Sinnen zu spüren und zu lernen, der eigenen Intuition zu trauen. Ein weiser Rat, den Heidrun, ihre Vorgängerin, ihr mit auf den Weg gegeben hatte.

Denn die Welt bewusst wahrzunehmen schien im Umgang mit Magie unabdingbar zu sein. Und mit nichts anderem hatte sie hier zu tun. Magie wirkte in diesem Garten, webte ihren Zauber in jede Blüte, in jedes Blatt, in jeden Krumen Erde. Klara war nur eine der vielen Frauen, die über Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte, genau das Gleiche getan hatten. Sich kümmern. Das Gleichgewicht bewahren. Den Ort und den Garten behüten.

Wenige Meter vor ihr streckte der alte Apfelbaum mit dem klangvollen Namen Finkenwerder Herbstprinz seine mit frischem Grün geschmückten Äste in den strahlend blauen Himmel. Er stand hier schon, als sie angekommen war, und er würde hier auch noch stehen, wenn sie irgendwann weiterzog. Ihm wollte sie einen Besuch abstatten, wie sie es oft frühmorgens tat. Er war das Zentrum des alten, riesigen Gartens, in dem die Naturgesetze zuweilen außer Kraft gesetzt waren und das Leben eigene Regeln schrieb.

"Guten Morgen", grüßte sie leise und ließ sich auf die weiß gestrichene Holzbank nieder, die sich dicht an seinen Stamm schmiegte. So dicht, dass man sich mit dem Rücken an seine feine Rinde leh

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