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Geheime Geschichten für Frauen, die Saris tragen Roman von Jaswal, Balli Kaur (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Geheime Geschichten für Frauen, die Saris tragen

Nikki weiß, was sie will. Genauer gesagt weiß die junge Londonerin mit indischen Wurzeln, was sie nicht will: ein Leben, gebunden an traditionelle Konventionen. Als Lehrerin eines Creative-Writing-Kurses für Sikh-Frauen will sie ihr Lebensgefühl weitergeben und hofft, dass die Frauen schreibend ihre Fesseln abwerfen. Allerdings entpuppen sich sämtliche Teilnehmerinnen als Analphabetinnen, die nur Lesen und Schreiben lernen wollen. Ein Unterfangen, das sich bald als müßig erweist. Doch als die Frauen sich öffnen und sich gegenseitig ihre geheimsten Geschichten anvertrauen, setzen sie etwas in Gang, das nicht nur ihr Leben für immer verändern wird ...

Balli Kaur Jaswal wurde in Singapur geboren und hat rund um den Globus gelebt: auf den Philippinen, in Japan, Russland, den USA, in Großbritannien, Australien und der Türkei. Sie hat als Lehrerin an verschiedenen internationalen Schulen gearbeitet, bevor sie mit ihrem Mann wieder nach Singapur gezogen ist, wo sie sich nun ganz dem Schreiben widmet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 18.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641205034
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Erotic Stories for Punjabi Widows
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Geheime Geschichten für Frauen, die Saris tragen

Erstes Kapitel

Wie konnte Mindi sich bloß eine arrangierte Ehe wünschen ?

Fassungslos starrte Nikki auf das Profil, das ihre Schwester an ihre Mail angehängt hatte. Darin eine Liste vermeintlich relevanter Details aus ihrem Lebenslauf: Name, Alter, Größe, Religionszugehörigkeit, Ernährungsweise (vegetarisch, bis auf die gelegentliche Portion Fish 'n Chips). Allgemeine Vorlieben bezüglich des Zukünftigen: intelligent, einfühlsam und liebenswürdig, mit soliden Wertvorstellungen und Prinzipien und einem netten Lächeln. Sowohl rasierte Männer als auch Turbanträger kamen als potenzielle Kandidaten in Frage, solange Bart und Haare penibel gepflegt waren. Der ideale Ehemann sollte einen sicheren Job und bis zu drei Hobbys haben, die ihn geistig wie körperlich auslasteten. In gewisser Weise , schrieb sie, sollte er sein wie ich: anständig (prüde, wenn man Nikki fragte), sparsam (eine nette Umschreibung für knauserig) und familienfreundlich (sprich, sollte augenblicklich Kinder wollen). Und zu allem Überfluss klang die Überschrift dieses abgeschmackten Textes auch noch wie eine billige Gewürzmischung aus dem Supermarkt: Mindi Grewal, Westöstliche Melange .

Der schmale Flur zwischen Nikkis Schlafzimmer und der offenen Singleküche mit den unebenen Bodendielen, die schon bei der leichtesten Belastung in den verschiedensten Tonhöhen quietschten und knarzten, eignete sich nicht unbedingt zum nachdenklichen Im-Kreis-Laufen. Trotzdem tigerte Nikki nun dort auf und ab wie ein Raubtier im Käfig und versuchte, mit jedem ihrer Schritte die widerstrebenden Gedanken zu ordnen. Was dachte sich ihre Schwester bloß dabei? Gut, Mindi war immer schon ziemlich konservativ und traditionsbewusst gewesen - einmal hatte Nikki ihre Schwester tatsächlich dabei erwischt, wie sie sich auf YouTube ein Video mit der Anleitung zum Ausrollen perfekter Rotis anschaute - aber eine Hochzeitsanzeige aufgeben? Das war doch echt etwas extrem .

Nikki versuchte mehrfach, Mindi anzurufen, aber jedes Mal ging gleich die Mailbox ran. Als ihre Schwester schließlich doch antwortete, verschluckte der dichte graue Abendnebel schon langsam das Tageslicht, und für Nikki war bald Schichtbeginn im O'Reilly's.

"Ich weiß, was du sagen willst", sagte Mindi.

"Kannst du dir das wirklich vorstellen, Mindi?", fragte Nikki. "Kannst du dir das allen Ernstes vorstellen?"

"Ja."

"Dann bist du vollkommen verrückt."

"Das ist meine freie Entscheidung. Ich möchte auf die traditionelle Art einen Ehemann finden."

"Warum?"

"Weil ich das so möchte."

"Warum?"

"Ist einfach so."

"Du musst dir schon einen besseren Grund einfallen lassen, wenn ich dein Profil aufhübschen soll."

"Das ist gemein. Ich habe dich auch unterstützt, als du ausziehen wolltest."

"Du hast mich als egoistisches Miststück bezeichnet."

"Aber du bist trotzdem gegangen. Und als Mum ohne Vorwarnung in deiner neuen Wohnung aufgekreuzt ist und gefordert hat, dass du auf der Stelle wieder mit nach Hause kommst, wer hat sie da überzeugt, es gut sein zu lassen? Hätte ich nicht mit Engelszungen auf sie eingeredet, hätte sie deine Entscheidung nie akzeptiert. Inzwischen hat sie sich widerstrebend damit abgefunden."

"Sie hat sich beinahe damit abgefunden", verbesserte Nikki sie. Mit der Zeit war Mums flammender Zorn allmählich abgekühlt und verrauchte nun langsam. Sie wetterte zwar immer noch leidenschaftlich gegen Nikkis lasterhaftes Lotterleben, hatte es aber inzwischen drangegeben, sie ständig vor den Gefahren des Alleinlebens zu warnen. "Meine Mutter hätte nicht mal im Traum daran gedacht, mir so etwas zu erlauben", murmelte Mum immer mit einer kruden Mischung aus Stolz und Selbstmitleid in der Stimme; wohl um ihre vorgebliche Fortschrittlichkeit zu unterstreichen. Westöstliche Mela

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