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Gekauftes Fleisch Das Geschäft um Lust, Nähe, Sehnsucht und käufliche Liebe von K., Felix (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.10.2015
  • Verlag: Himmelstürmer Verlag
eBook (PDF)
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Gekauftes Fleisch

Das vorliegende Buch wurde erstmalig im Jahr 2000 veröffentlicht und sorgte für großes Aufsehen. Auch wenn einige Details in der Zwischenzeit veraltet sind, der Euro hat die Mark ersetzt, neue Medien, insbesondere das Internet als Kontaktmöglichkeit dazugekommen und viele Kneipen verschwunden sind, so bleibt jedoch die Beschreibung des Callboys Felix (Name geändert) bis heute aktuell und ist zeitlos. Sicherlich sind die meisten Erfahrungen und Erzählungen auch auf heterosexu-elle Callboys übertragbar

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 20.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863615581
    Verlag: Himmelstürmer Verlag
    Größe: 1089kBytes
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Gekauftes Fleisch

Nur wer sich verschenkt,
verkauft sich teuer genug !

Ich war ein Stricher, ein Callboy, ein Dressman, ein Model, ein männlicher Prostituierter, ein gesellschaftlich Geächteter; was immer ihr wollt! Und genau genommen bin ich es noch immer! Denn obgleich ich meinen Körper heute nicht mehr für Geld verkaufe, wird ein Teil in mir ein Leben lang das bleiben, was es über fünf Jahre lang für unzählige Männer war - ein Stück käufliches Fleisch!

Ein Stricher ist ein schlecht bezahlter Schauspieler, der sich meist auf Grund widriger Lebensumstände dazu gezwungen sieht, selbst die unmenschlichsten Rollen anzunehmen, bei denen er oft nicht nur seinen Körper voll einzubringen hat. Doch den Applaus der Massen darf er sich für seine Darbietungen nicht erhoffen, selbst wenn seine Auftritte mitunter alles von ihm abverlangen. Vielmehr werden ihm seine Bemühungen, insbesondere von den Freiern, als ein falsches, verlogenes Spiel vorgehalten. Und das, obgleich seine Dienste eher von hoher Schauspielkunst zollen als von betrügerischen Machenschaften! So fordern beispielsweise viele Freier von einem Stricher, dass dieser die ihm zugedachte Rolle nicht nur glaubhaft darstellt, sondern auch soll er vielen Freiern vorgaukeln, dass er gar keine Rolle spielt - sondern dass alles, was er tut, er selbst ist! Und eben dies treibt viele männliche Prostituierte in einen Gewissenskonflikt - sind sie schließlich keine emotionslosen Maschinen, die Gefühle auf Knopfdruck erzeugen und verschwinden lassen können. Vergleichen wir den Stricher bzw. den Callboy ruhig weiterhin mit einem Schauspieler und betrachten einmal die Drehbedingungen, denen Strichjungen in der Regel ausgesetzt sind. Und wir erkennen, diese sind meist alles andere als menschenwürdig! So würde z.B. kein Regisseur von einem Schauspieler verlangen, dass dieser tatsächlich zu der Person mutiert, die er darstellen soll. Was ein Regisseur von einem Schauspieler erwarten darf, ist dass dieser möglichst glaubhaft die ihm zugedachte Rolle ausfüllt - nicht mehr und nicht weniger! Von einem Stricher hingegen verlangt der zahlende Kunde meist weitaus mehr, nämlich einen brutalen Spagat zwischen schauspielerischer Glanzleistung einerseits und gefühlsmäßiger Wahrhaftigkeit anderseits! So ist es der (un)ausgesprochene Wunsch etlicher Freier, dass ein Stricher ihnen den Part des begehrlichen und zumindest partiell auch begehrenden Liebhabers bzw. Sexualpartners mimt. Das heißt im Klartext: Der Stricher soll seine Darbietung so gefühlsecht wie nur eben möglich rüber bringen - am besten derart perfekt, dass der Freier nichts von dem Theater bemerkt, das um seine Person gespielt wird. So kann sich der Freier nämlich leichter vorgaukeln, dass der Stricher tatsächlich Lust bei und mit ihm empfindet und nicht allein eine reine Dienstleistung abspult; ungeachtet der Tatsache, dass sich dies in weit mehr als 99% aller Fälle genauso und nicht anders verhält!

Die permanenten gefühlsmäßigen Manipulationen und Täuschungsmanöver von Seiten der Stricher gegenüber den Freiern, insbesondere aber gegenüber sich selbst, hinterlassen bei ihnen häufig weitaus tiefere Spuren, als sie sich dies selbst eingestehen mögen. So behaupten z.B. die meisten Stricher und Callboys, dass sie eine klare Trennlinie zwischen ihrem Job und ihrem normalen Leben ziehen können. Doch gegenüber einem Schauspieler finden sich Stricher und Callboys schnell in einem Gefühlschaos wieder, weil ihnen ein Umschalten zwischen Schauspielerei und realem Leben meist nicht möglich ist. So kann die Mehrheit der Stricher nach einem kräftezehrenden Drehtag nicht einfach nach Hause gehen und sich die Maske abstreifen, denn die meisten Stricher haben einfach kein (vernünftiges) Zuhause oder/und es fehlt ihnen an ausreichender sozialer Absicherung. Bei diesen Strichern beschränkt sich das Dasein oft allein auf die einfache und gleichzeitig elementare Formel: Vor dem Freier ist nach dem Freier!

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