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Geliebter, wo kann ich dich finden? von Bensberg, Gabriele (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.01.2013
  • Verlag: Engelsdorfer Verlag
eBook (ePUB)
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Geliebter, wo kann ich dich finden?

Rosenstocks versteckten sich mit Anna in ihrem Geräteschuppen im Garten, drängten sich dicht aneinander und zitterten vor Angst und Kälte, jeder zu seinem Gott betend, während der Mob in die Villa einfiel, die Türen zertrümmerte, Fensterscheiben zerschlug, die teuren Möbel hinauswarf. Niemand entdeckte sie. Ein SA-Mann schaute kurz durch das kleine Fenster, sah aber nur Gartengeräte und rief seinen Kumpanen zu, dass hier keine Judensau abzustechen sei. Das Verhältnis zwischen Juden und Christen ist spätestens seit dem Mittelalter problematisch. Die Feindseligkeit gegenüber dem jüdischen Volk führte im Zusammenhang mit der Kreuzzugsbegeisterung und dem Wüten der Pest zu Vertreibungen und dem Auslöschen vieler jüdischer Gemeinden. Klagte man die Juden damals als Mörder Christi und Brunnenvergifter an, so führte Ende des 19. Jahrhunderts eine pseudowissenschaftliche Rassenforschung zu Antisemitismus und Ausgrenzung, die in Deutschland in den unvorstellbaren Gräueln der Shoa gipfelten. Es gab aber auch historische Epochen, in denen Juden und Christen einander nicht nur tolerierten, sondern auch begegneten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 199
    Erscheinungsdatum: 18.01.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783869017266
    Verlag: Engelsdorfer Verlag
    Größe: 1864kBytes
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Geliebter, wo kann ich dich finden?

Chaim und Helga (S. 41-42)

Ein Feld vor den Toren Konstantinopels, ein Stück Strand am Marmarameer, ein kleines Zimmer in einer Gaststätte des verrufenen Hafenviertels, ein schmales Bett, eine Waschschüssel, die einen Sprung hatte, Stunden der Leidenschaft und des tiefinnerlichen Glückes. Chaims Küsse, verwirrend und duftend, Wein, in den Helga heimlich den Inhalt des Fläschchens mit dem Liebestrank goss, Erregung, Schmerz, Wonne, Angst vor dem Versinken in unbekannte Tiefen und immer wieder das Gefühl unendlicher Liebe. Chaims Hände, die seiner jungen Geliebten ein goldenes Kettchen mit einem sechszackigen Stern um den Hals legen, Gespräche über Leben und Tod, die Entstehung des Menschengeschlechts, die Götter, Gott.

Am Anfang gab es Niflheim, die eiskalte Welt im Norden, und Muspellsheim, die glutheiße im Süden. Dazwischen lag ein riesiger Schlund. Indem sich die Hitze aus Muspellsheim und die Kälte aus Niflheim vermählten, entstanden der Urriese Ymir und die Kuh Audhumla. Ymir schuf aus sich selbst heraus mehrere Riesen. So entstand das Riesengeschlecht. Audhumla aber leckte den Reif von dem Fels, und es erwuchs daraus Buri der Stammvater des Göttergeschlechts.

Buri hatte einen Sohn. Der tat sich mit einer Riesin zusammen und sie bekamen drei Kinder, Odin, Wili und We. Diese drei Söhne erschlugen Ymir und schufen aus seiner Gestalt die Welt. Sein Fleisch wurde zur Erde, sein Blut zu den Meeren, der Schädel zur Himmelswölbung, das Gehirn zu den Wolken. Die Riesen wurden nach Utgard an den äußersten Meeresstrand verbannt. Hoch über der Erde, auf felsiger Höhe, erbauten die Götter Asgard, wo sie in prächtigen Hallen und Palästen leben.

Einmal gingen einige Götter am Strand spazieren und fanden zwei Baumstümpfe, eine Ulme und eine Esche. Aus diesen Stämmen erschufen sie das erste Menschenpaar und nannten es nach den Bäumen Embla und Ask. Mitten auf der flachen Scheibe, die man Erde nennt, liegt Midgard, und diesen Ort wiesen die Götter den Menschen als Wohnstätte zu." So erzählte Helga, wobei sie manchmal ins Stocken geriet und in der fremden Sprache nach den passenden Wörtern suchte. Sie wusste all das von An, der ihr in langen Winternächten die alten Mythen nahe gebracht hatte. "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. Gott sprach: es werde Licht. Und es wurde Licht.

Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag. Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie." Chaims Stimme klang ernst und feierlich. Helga sah durch das kleine Fenster den Mond hellschimmernd am Himmel stehen. "Mein Volk kommt aus der Wüste. Es zog nach ägypten und wurde versklavt. Pharao Ramses II. gab uns frei, nachdem Gott ein Bündnis mit dem Propheten Moses geschlossen hatte und die sieben Plagen über die ägypter gekommen waren.

Moses führte uns durch die Wüste in das gelobte Land Kanaan. Auf dem Berg Sinai gab Gott ihm die Tafel mit den zehn Geboten. König David eroberte Jerusalem und sein Sohn Salomon erbaute den Tempel. Aber Nebukadnezar, der Herrscher von Babylonien, plünderte unsere Stadt, ließ den Tempel zerstören und verschleppte mein Volk in die Gefangenschaft nach Babylon. Erst sein Sohn, Kyros der Große, ließ uns zurückkehren und erlaubte uns, den Tempel wieder aufbauen. Aber viele Jahre später zerstörten ihn die Römer und vertrieben mein Volk endgültig aus seiner ihm von Gott zugewiesenen Heimat.

Dan

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