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Gemeinsam sind wir einzig Roman von Grue, Anna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.01.2018
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Gemeinsam sind wir einzig

Eine Reise, eine Chance, ein Neuanfang - und eine wunderbare Freundschaft Ihren kleinen Jungen, eine Madonna-Figur und Bargeld – das ist alles, was Vittoria bei sich hat, als sie im Februar 1958 beschließt, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und in ihrem Fiat 500 von Rom nach Kopenhagen flieht. Schnell muss sich die junge Italienerin eingestehen, dass der Neuanfang alles andere als einfach ist. Zum Glück weiß sie Conny, eine Dänin mit einer ausgeprägten Vorliebe für ein ungestümes Leben, stets an ihrer Seite. Sie werden beste Freundinnen. Doch als sich Vittoria verliebt, holt sie ihre Vergangenheit ein. Und plötzlich hängt ihr neu gefundenes Glück am seidenen Faden ... Anna Grue, 1957 in Nykøbing geboren, ist eine der erfolgreichsten skandinavischen Krimiautorinnen. Nach einigen Stationen bei bekannten dänischen Zeitungen und Zeitschriften widmet sie sich seit 2007 ausschließlich dem Schreiben von Büchern. Ihre Serie um Detektiv Dan Sommerdahl steht regelmäßig auf der dänischen Bestsellerliste. Anna Grue lebt mit ihren drei Kindern und ihrem Mann in der Nähe von Kopenhagen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 624
    Erscheinungsdatum: 12.01.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492978712
    Verlag: Piper
    Größe: 1909 kBytes
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Gemeinsam sind wir einzig

16. Februar - 6. März 1958

Vittoria Contini hatte ihre gesamte Habe im Auto verstaut: Kleidung, etwas Hausrat, warme Decken, den Schmuck ihrer Mutter und die Madonnenfigur sowie unzählige Taschen, Beutel und Pappkartons. Alles häufte sich nun im Wageninneren des kleinen Fiat 500. Auf der Rückbank, eingeklemmt zwischen Koffern und Wäschestapeln, stand ein Weidenkorb. Darin lag wohlbehütet ihr kleiner Junge. Der dicke Umschlag mit dem Geld aber steckte sicher unter dem Fahrersitz.

Vittoria verließ das Viertel Trastevere gegen Mitternacht. Im Rückspiegel sah sie, dass Suor Giovanna ihr noch lange hinterherwinkte. Bis zu diesem Moment war es Vittoria gelungen, die Fassung zu bewahren, aber kaum war die große, knochige Gestalt in der schwarzen Nonnentracht außer Sicht, verschleierten Tränen ihren Blick, und so hielt sie gleich hinter der Ponte Garibaldi auf dem Seitenstreifen und gab ihren Gefühlen nach. Sie beweinte ihre toten Eltern, Aurelia und das Leben, das sie nun hinter sich ließ: das Restaurant, die schmalen Gassen um die Piazza di Santa Maria, ihre Arbeit. Aber am meisten weinte sie, weil sie wusste, wie sehr Schwester Giovanna ihr fehlen würde.

Nach einigen Minuten hatte Vittoria sich wieder gefangen. Sie hatte eine Entscheidung getroffen, und wer A sagte, musste auch B sagen. Der Abschied von ihrem Zuhause war der Preis, den sie zahlen musste, wenn sie mit dem Kind einen Neubeginn wagen wollte. Vittoria putzte sich gründlich die Nase, dann drehte sie sich auf dem Sitz um und betrachtete den schlafenden Säugling. Wird schon werden, dachte sie. Muss .

Der Motor startete mit einem eifrigen Brummen, der Wagen war nagelneu. Während sie sich durch die nördlichen Stadtteile Roms schlängelte, wurde die Traurigkeit von einer berauschenden Erleichterung abgelöst. Sie hatte es geschafft! Sie war frei! Sie beide waren frei. Jetzt galt es, so schnell wie möglich von hier fortzukommen, bevor irgendjemand Lunte roch.

Vittoria fuhr ohne eine Pause, bis der Kleine gegen vier Uhr morgens aufwachte. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie die Stadt längst hinter sich gelassen und befanden sich an der Küste vor Albinia. Sie fuhr rechts heran und war dankbar für den Vollmond, der ihr ein wenig Licht spendete, während sie den Jungen wickelte. Als sie die nasse Windel in der Hand hielt, ging ihr auf, dass dies ein Problem war, das sie nicht bedacht hatte: Schmutzwäsche. Die Häufchenwindeln würde sie wegwerfen müssen, damit es nicht im ganzen Fahrzeug danach stank, die anderen konnte sie behalten, würde aber unterwegs nach Waschsalons Ausschau halten müssen. Sie holte die Thermosflasche mit der Milchmischung hervor, schüttelte sie gründlich und öffnete den Verschluss.

Wie lange würden sie, einschließlich der nötigen Rastzeiten, wohl bis Kopenhagen brauchen?, fragte sich Vittoria und goss die Flüssigkeit in eine Nuckelflasche. Zwei Wochen? Drei? Auch ein neuer Fiat 500 war nicht für lange Strecken gebaut. Nur gut, dass sie genügend Bargeld bei sich hatte, sie würden ein paarmal übernachten müssen. Bei der nächsten Bank musste sie etwas von dem Geld in die benötigten Währungen umtauschen.

Während sie dem Jungen das Fläschchen gab, ließ sie den Blick über sein Gesicht und seinen Körper wandern. Ihre Augen hatten sich inzwischen an die schwachen Lichtverhältnisse gewöhnt, sie konnte ihn ganz deutlich erkennen. Seine langen, geschwungenen Wimpern, die unfassbar perfekte kleine Nase, den dunklen Flaum auf dem Kopf, der sich bereits in weiche Locken verwandelte. Sein Griff um ihren Zeigefinger war erstaunlich fest. Der kleine Mann war so stark und gleichzeitig so hilflos. Vittoria beugte sich über ihn und sog seinen Duft ein. Salz, süß, ein Hauch von fetter Olivenseife.

Wie sehr ich dieses Kind doch liebe, dachte sie, und in derselben Sekunde fiel ihr auf, dass sie es konsequent vermied, es bei seinem Namen zu nennen - selbst in Gedanken. Es war immer nur der Junge,

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