text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Gesammelte Erzählungen Der Verbrecher aus verlorener Ehre + Der Geisterseher + Geschichten aus dem alten Pitaval + Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache und mehr von Schiller, Friedrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.12.2014
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
0,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Gesammelte Erzählungen

Dieses eBook: 'Gesammelte Erzählungen: Der Verbrecher aus verlorener Ehre + Der Geisterseher + Geschichten aus dem alten Pitaval + Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache und mehr' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen.
Friedrich Schiller (1759-1805), war ein deutscher Dichter, Philosoph und Historiker. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker und Lyriker. Mit den Erzählungen Spiel des Schicksals, Eine großmütige Handlung und Der Verbrecher aus verlorener Ehre griff Schiller reale Begebenheiten auf. In den stellenweise sehr dichten Texten konzentrierte er sich vor allem auf die psychologische Entwicklung der Charaktere und konnte nebenbei auf gesellschaftliche Missstände hinweisen, zu denen etwa der Strafvollzug gehört. Die Großmütige Handlung ist eine moralische Erzählung, die sich als eigene Gattung im 18. Jahrhundert entwickelte. Schiller bezog sich auf den Bericht der Mutter eines Mitschülers aus der Karlsschulzeit und schrieb gleich zu Beginn seines Werkes, die Anekdote habe 'ein unabstreitbares Verdienst - sie ist wahr'. Wie mit seinen frühen Dramen wollte Schiller hier den wirklichen Menschen zeigen und den Leser stärker affektiv fesseln als der empfindsame Schriftsteller Samuel Richardson mit seinen Romanen Pamela oder Sir Charles Grandison. Er ging soweit, diesen Wunsch in seiner kurzen Erzählung ausdrücklich zu erwähnen.
Inhalt:
Der Verbrecher aus verlorener Ehre
Eine großmütige Handlung aus der neuesten Geschichte
Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache
Der Geisterseher
Der Spaziergang unter den Linden
Spiel des Schicksals
Geschichten aus dem alten Pitaval:
Geschichte der Marquise von Gange
Geschichte des Prozesses der Marquise von Brinvillier
Geschichte des Herrn von La Pivardière
Das traurige Schicksal des Jakob le Brun
Ein verbrecherischer Staatsanwalt
Martin Guerre
Der Handelsvertrag mit Gott
Das ungleiche Ehepaar

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 890
    Erscheinungsdatum: 29.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026827535
    Verlag: e-artnow
    Größe: 810 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Gesammelte Erzählungen

Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache

Inhaltsverzeichnis


Der Marquis von A*** war ein junger Mann, der seinem Vergnügen lebte, liebenswürdig und angenehm, der aber übrigens so so von der weiblichen Tugend dachte. Dennoch fand sich eine Dame, die ihm ziemlich zu schaffen machte; sie nannte sich Frau von P***, eine reiche Witwe von Stande, voll Klugheit, Artigkeit und Welt, aber stolz und von hehrem Geist.

Der Marquis brach alle seine vorherigen Verbindungen ab, um nur allein für diese Dame zu leben. Ihr machte er den Hof mit der größten Geflissenheit, brachte ihr alle ersinnliche Opfer, sie von der Heftigkeit seiner Neigung zu überführen, und trug ihr endlich sogar seine Hand an. Aber die Marquisin, die es noch nicht vergessen konnte, wie unglücklich ihre erste Heirat gewesen, wollte sich lieber jedem andern Ungemach des Lebens als einer zweiten aussetzen.

Diese Frau lebte sehr eingezogen. Der Marquis war ein alter Bekannter ihres verstorbenen Mannes gewesen; sie hatte ihm damals den Zutritt gestattet und auch nachher verschloß sie ihm ihre Türe nicht.

Die weibliche Sprache der Galanterie konnte an einem Manne von Welt nicht mißfallen. Die Beharrlichkeit seiner Bewerbung, von seinen persönlichen Eigenschaften begleitet, seine Figur, seine Jugend, der Anschein der innigsten wahrhaftigsten Liebe und dann wiederum die einsame Lebensart dieser Dame, ein Temperament, zur zärtlichen Empfindung geschaffen, mit einem Wort alles, was ein weibliches Herz nur verführen kann, tat auch hier seine Wirkung. Frau von P*** ergab sich endlich nach einer monatlangen fruchtlosen Gegenwehr und dem hartnäckigsten Kampf mit sich selber. Unter den gehörigen Formalitäten eines heiligen Schwurs war der Marquis der Glückliche - er wäre es auch geblieben, hätte anders sein Herz den zärtlichen Gesinnungen, die es damals so feierlich angelobte und die ihm so zärtlich erwidert wurden, getreu bleiben zu wollen.

Einige Jahre waren so dahingeflossen, als es dem Marquis einfiel, die Lebensart der Dame etwas einförmig zu finden. Er schlug ihr vor, in Gesellschaft zu gehen, sie tat's - Besuche anzunehmen, sie willigte ein - Tafel zu geben, auch darin gab sie ihm nach. Endlich und endlich fing ein Tag, fingen mehrere Tage an, zu verstreichen, und kein A*** ließ sich sehen. Er fehlte bei der Mittagstafel - beim Abendessen. Geschäfte drängten ihn, wenn er bei ihr war; er fand für nötig, seinen Besuch diesmal abzukürzen. Wenn er kam, murmelte er eins, zwei Worte, streckte sich im Sofa, ergriff etwa diese oder jene Broschüre, warf sie weg, schäkerte mit seinem Hund oder schlief zuletzt gar ein. Es wurde Abend - seine schwächliche Gesundheit riet ihm, zeitlich nach Hause zu gehen, das hatte ihm Tronchin ausdrücklich befohlen, und Tronchin, das ist wahrhaftig und wahr, Tronchin ist ein unvergleichlicher Mann - und damit nahm er Stock und Hut und wischte fort, vergaß in seiner Zerstreuung auch wohl gar, Madame beim Abschied zu umarmen. Frau von P*** empfand, daß sie nicht mehr geliebt ward; aber sie mußte sich überzeugen, und das machte sie ohngefähr auf folgende Art:

Einmal, als sie eben abgespeist hatten, fing sie an:

»Warum so in Gedanken, Marquis?«

»Warum Sie, gnädige Frau?«

»Es ist auch wahr, und noch dazu in so traurigen.«

»Wie denn das?«

»Nichts.«

»Das ist nicht wahr, Madame! Frei heraus« - und dabei gähnte er - »gestehen Sie mir: was ist Ihnen? - das wird uns beide aufmuntern.«

»Hätten Sie das hier so nötig?«

»Nicht doch - Sie wissen ja - Man hat so gewisse Stunden -«

»Wo man verdrießlich sein muß?«

»Nein, Madame, nein, nein - Sie haben unrecht, bei meiner Ehre, Sie haben unrecht. Es ist nichts. Ganz und gar nichts. Es gibt manchmal so Augenblicke - Ich weiß selbst nicht, wie ich mich ausdrücken soll.«

»Lieber Freund, schon eine Zeitlang drückt mich etwas auf

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen