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Gesammelte Werke Romane und Geschichten von Eschstruth, Nataly von (eBook)

  • Verlag: Null Papier Verlag
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Gesammelte Werke

Neue Deutsche Rechtschreibung Nataly von Eschstruth war eine deutsche Schriftstellerin und eine der populärsten und berühmtesten Erzählerinnen der Gründerzeit. Null Papier Verlag Nataly von Eschstruth (1860-1939) war eine deutsche Schriftstellerin und eine der populärsten und berühmtesten Erzählerinnen der Gründerzeit. In ihren unterhaltsamen Romanen schilderte sie eingängig das Leben einer höflichen Gesellschaft, wie sie es aus eigener Erfahrung gelernt hatet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 4273
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783962811013
    Verlag: Null Papier Verlag
    Größe: 4810 kBytes
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Gesammelte Werke

1.

Die Blüte fiel, mir blieb der scharfe Dorn,
Noch immer aus der Wunde quillt das Blut;
Es sind das Weh, die Sehnsucht und der Zorn
Mein einzig Gut.

Geibel.

Es war im Juni. Blendende Sonnenglut lag auf dem weit gedehnten Häuserkomplex der Kadettenanstalt, flimmernd, wie ein unabsehbares Strahlennetz, welches mit tausend feinen Goldmaschen Himmel und Erde umsponnen hält. Die jungen Gartenanlagen standen matt und welk, einzelne Schmetterlinge hingen an den Blumen, und die Fliegen blitzten wie übermütige Gedanken durch die Luft, ebenso bunt und schillernd wie der Sonnenstaub, in welchem sie sich tummelten. Hinter dem Hauptgebäude dehnte sich der Reitplatz aus, da war Schatten.

"Durch die Mitte der Bahn changiert!" klang die Summe des unterrichtenden Kavallerieoffiziers. Er ließ die Reitpeitsche sinken, stemmte die Arme in beide Seiten und ließ die erhitzten Pferde an sich vorüber defilieren. Mit glühendem Gesicht führten die jungen Reiter das Manöver aus, mit fast peinlicher Genauigkeit, und dennoch war kein einziger bei der Sache. Zur Seite des Platzes nämlich, dicht an der Barrière, stand ein kleiner Kreis sehr eleganter Zuschauer; die hohe, imposante Gestalt eines Herrn mit dem Band des eisernen Kreuzes im Knopfloch, mit weißem Schnurrbart und hellen Handschuhen, und ihm zur Seite die Frau Majorin, seine Gemahlin, klein, korpulent, mit der Lorgnette vor den Augen.

"Dagmar!" wandte sie sich plötzlich mit strengem Blick zur Seite, "geh' von dem Geländer herunter! Du bist nicht allein hier!"

Dagmar war ein Backfischchen, graziös, kokett, von Kopf bis zu Füßen rosa. Die kleine Nase mit ihrem kecken, aufwärts strebenden Spitzchen wandte sich halb zur Seite. "Da unten sehe ich nichts, Tante!" rief sie mit leicht gefaltetem Mündchen, "und Frieda und Herr von Sangers stehen ja vor mir!" Und ohne nur die mindeste Notiz von dem missbilligenden Gesicht der Majorin zu nehmen, rückte sie sich noch übermütiger auf ihrem Sitz zurecht und warf die wilden Kraushaare in den Nacken zurück.

"Sagen Sie mir doch, Herr von Sangers, wer ist jener entsetzlich hässliche Mensch dort auf dem Schimmel!" lachte sie plötzlich laut auf, ihre tiefdunkeln Augen zu dem jungen Kürassieroffizier hebend, welcher lächelnd mit dem Blick der Richtung folgte, die ihm die kleine Hand ungeniert angab, "nein, das ist ja haarsträubend! Wie eine Leiche sieht er aus und hängt auf dem Pferde wie ein Hampelmann! Hahaha! Fritz!" Und sie wandte sich jäh zu einem rotwangigen, zehnjährigen Knaben zurück, welcher dicht hinter ihr stand: "Dass Du mir niemals solch einen Ritter von der traurigen Gestalt abgibst, sonst verleugne ich Dich bei Gott vor aller Welt!"

"Da kannst Du ruhig sein, Dagmar!" schüttelte Fritz mit wegwerfendem Naserümpfen den Kopf, "ich glaube, wir Beide reiten jetzt schon besser wie all' die Kerls da zusammen!"

"Aber Kinder, bitte, menagiert Euch!" wandte sich die Majorin mit strafendem Blicke um, und auch Frieda schüttelte ganz verlegen ihr achtzehnjähriges Blondköpfchen und sagte in entschuldigendem Flüsterton zu Herrn von Sangers: "Die beiden Kleinen sind gar zu wild, das kommt von dem ewigen Landaufenthalt bei uns; ich bin recht bange, wie Fritz sich hier einleben wird!"

Der schöne Offizier strich lächelnd seinen glänzenden Schnurrbart. "Unbesorgt, mein gnädiges Fräulein, lassen Sie den kleinen Vetter erst ein paar Monate bei uns sein, und Sie werden Ihre Freude erleben, welche Wunder das Kadettenkorps bewirkt. - Wie befahlen Sie, Fräulein Dagmar?"

"Ich befahl, dass Sie mir nun endlich sagen, wer jenes junge Scheusal auf dem Schimmel ist!" klang es mit grausamer Betonung von den frischen Lippen und Dagmar zupfte kokett an der dunkelroten Rose, welche, weithin leuchtend, in ihrem Knopfloch stak, "jetzt kommt er eben hier angeritten, der dritte - heiliger Laurentius, wenn er doch einmal herunterfiele!" Und mit hellem Gelächter strich sie d

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