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Geschichten aus Vorpommern und woanders / Vertällungs ut Vörpommern un annerswo von Reichhold, Konrad (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.08.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Geschichten aus Vorpommern und woanders / Vertällungs ut Vörpommern un annerswo

28 Kurzgeschichten aus der DDR-Zeit, der Wende- und der Nachwendezeit mit überwiegend autobiographischem Bezug - Vorpommern - Handelsflotte DSR mit Augenzeugenbericht von der schweren Havarie des Urlauberschiffes "Völkerfreundschaft " in den Schären vor Stockholm - Reservistenzeit Volksmarine - Reisebericht USA 1987

1941 in Stralsund geboren. 1955-1958 Lehre mit Abschluss als Binnenschiffer. 1958-1960 als Matrose bei der Weißen Flotte und auf dem Eisenbahnfährschiff "Sassnitz" der Deutschen Reichsbahn. 1960-1968 Matrose, Quartiermeister, Bootsmann bei der Deutschen Seereederei Rostock. 1968 aus familiären Gründen Berufswechsel zum Bauwesen. Auf dem zweiten Bildungsweg Studienabschluss als Ingenieurökonom im Bauwesen und als Fachökonom für Rekonstruktion und Erhaltung im Hochbau. 1992 bis Renteneintritt Sachverständiger für Wertermittlung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 376
    Erscheinungsdatum: 04.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741267758
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 4831kBytes
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Geschichten aus Vorpommern und woanders / Vertällungs ut Vörpommern un annerswo

Ich wollte Direktor werden

I m Jahre 1978 hatte ich mir in den Kopf gesetzt, Direktor zu werden und das kam so:

Eine meiner Schwestern arbeitete zu der Zeit in der Personalabteilung der Weißen Flotte in unserer schönen Stadt Stralsund. In dieser Fahrgastreederei war damals die Stelle des Technischen Direktors zu besetzen. Stellen- ausschreibungen hatte es bei uns zu der Zeit noch nicht gegeben das ging alles so unter der Hand, ,wie man so sagt. Meine Schwester wusste ja, dass ich mehrere Jahre in der Binnen- und Seeschifffahrt gefahren bin. Inzwischen hatte ich an den Ingenieurschulen für Bauwesen in Neustrelitz und Cottbus studiert und war seit fünf Jahren als ziviler Bauleiter bei der NVA angestellt.

Ich hatte mich für den Posten bei der Weißen Flotte interessiert und mich dort beworben, weil mein Herz immer noch für die Seefahrt schlug. Nach einiger Zeit bekam ich ja dann auch Bescheid, dass ich die Stelle haben könnte. Daraufhin habe ich meinen guten Posten bei der NVA gekündigt und dachte nun, dass alles klar lief. Aber ich hatte die Rechnung ohne die SED gemacht. Die Führungsposten in der DDR waren vorrangig durch SED-Mitglieder zu besetzen. Der Chef der Weißen Flotte musste mit meinen Unterlagen zum Roten Rathaus , das war ein rotes Backsteingebäude aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. In diesem Haus befand sich die Zentrale der Stralsunder SED. Die stellten da nun fest, dass ich gar nicht in ihrer Partei drin war und sagten zum Chef der Weißen Flotte, dass ich für diesen Posten nicht in Frage käme. Sie hätten genug ehemalige Volksmarine- offiziere rumzulaufen, die ja alle in der Partei wären und versorgt werden müssten. Nun war es dem Direktor peinlich, mir das mitzuteilen. Er bot mir aber an, dass ich Chef der Materialwirtschaft werden könnte. Das war ein Abteilungsleiterposten und den wollten die Offiziere nicht haben. Ich glaube, für diesen Job waren die wohl auch viel zu düsig. Damals waren wohl schon fünf oder sechs ehemalige Marineoffiziere bei der Weißen Flotte eingesetzt und die liefen nun alle in Dienstuniform mit vier Kolbenringen an den Ärmeln herum. So viele Kapitäne sah man noch nie auf einen Haufen.

Ich habe mir ja nun auch das Materiallager angesehen und mit den Leuten dort gesprochen. Es gab zu der Zeit da Mitarbeiter, die mich noch aus meiner Zeit bei der Weißen Flotte im Jahr 1958 kannten. Die wollten mich am liebsten gleich dabehalten. Im Lager herrschten dolle Zustände, da lag alles durcheinander. Wenn jemand was brauchte, musste er erst lange suchen, bis er es fand. Es juckte mir mächtig in den Fingern, diesen Mist gleich aufzuräumen. Ich überlegte es mir aber erst mal ein paar Tage, ob ich da anfing.Ich hätte zu der Zeit auch noch andere Stellen haben können. Aber dann dachte ich mir, das ich diesen Posten doch erst mal annehmen sollte und dann würde ich den Leuten mal zeigen, was man aus diesem Schweinestall machen könnte. Wenn erst alles in Ordnung wäre, würden sie sich das mit dem Direktorenposten vielleicht nochmal überlegen, daraufhin habe ich zugesagt.

Als ich nun anfing in der Materialwitschaft habe ich zunächst nachgesehen, welche Teile in den Räumen lagerten. Das Lager war im Kaischuppen der früheren Ippen-Reederei untergebracht. Für gut sechzehn Schiffsmotorentypen lagen hier Ersatzteile herum. Die Teile lagen alle durcheinander und Namensschilder oder Nummern waren da nicht dran. Gerade lief eine Inventur als ich ankam, aber die Leute kamen damit nicht klar, weil sie nicht wussten, um welche Teile es sich handelte. Bei dieser Inventur kam eine Minusdifferenz von über dreihunderttausend DDR-Mark heraus. Ich erkannte die Inventur nicht an und räumte zunächst alles auf. Mit Katalogen und guten Schiffsmaschinisten ordnete ich die Teile richtig zu und legte sie in zuständige Regale ab. Es gab auch Teile, die auf den Schiffen gar nicht gebraucht wurden, die sonderte i

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