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Geteiltes Vergnügen Roman von Adorján, Johanna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.02.2016
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
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Geteiltes Vergnügen

Jessica trifft Tom, der schön ist und ein bisschen geheimnisvoll. Sie kommen zusammen, doch gerade, als sie die Nähe zulässt, stößt er sie wieder ein Stück von sich. Und während sie immer mehr um ihn kreist, scheint er seine Zuwendung freigebig zu verstreuen. Spielt er ein Spiel? Ist seine Unverbindlichkeit eine Art, Macht über sie zu erlangen? Oder bietet er ihr eine Liebe, die freier ist und ehrlicher? Frau trifft Mann und verliebt sich in ihn: Es ist die älteste Geschichte der Welt, doch Johanna Adorján erzählt sie ganz direkt und nüchtern, wie zum ersten Mal. Es ist eine Geschichte darüber, wie sich Liebe und Freiheit zueinander verhalten. Und wann sich Liebe in etwas Dunkles verwandelt.

Johanna Adorján, 1971 in Stockholm geboren, ist Journalistin und Schriftstellerin. Ihr Bestseller Eine exklusive Liebe wurde in 16 Sprachen übersetzt. 2013 erschien ihr Erzählungsband Meine 500 besten Freunde. Sie schreibt für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 22.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446252165
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Größe: 3731 kBytes
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Geteiltes Vergnügen

ICH WOHNE IM vierten Stock eines Mietshauses aus dem frühen 19. Jahrhundert. Wenn man zur Wohnungstür hineinkommt, steht man im Flur, der groß ist wie ein Zimmer, allerdings ohne Fenster, was ihn, wenn man kein Licht anmacht, zu einer relativ traurigen Angelegenheit macht. Mein Kleiderschrank befindet sich darin und noch ein Schrank für Schuhe, der doppelt so groß sein könnte und immer noch zu klein wäre. An der Wand steht eine Kommode, in der ich alles Mögliche aufbewahre, von dem ich nicht weiß, wo ich es sonst hintun soll - Sonnenbrillen, Kellerschlüssel, Taschen, die ich gerade nicht benutze, CDs, die ich nicht höre, Kram. Auf der Kommode steht meine Stereoanlage. Anfangs hatte ich in diesem Raum auch einen Schreibtisch, aber irgendwann bin ich zum Arbeiten ins Esszimmer umgezogen, wo ich nun am Kopfende meines langen schmalen Holztischs sitze, wenn ich schreibe. Oft ist die gesamte Tischplatte unter Zeitungen, Papieren, Büchern und dem Inhalt meiner Handtasche begraben, die ich hin und wieder entleere, um zu viele andere Dinge hineinzutun.

Um den Tisch herum stehen acht Stühle, deren Sitze und Rücklehnen aus geflochtenem Korb sind. Sie stammen aus den fünfziger Jahren, glaube ich, jedenfalls haben sie diese spindligen schwarzen Metallbeine, die aussehen wie von einem Insekt. Das Esszimmer geht ins Wohnzimmer über, eigentlich ist es ein großer Raum, der auch die Küche beherbergt, die vom Wohnbereich durch eine schmale, vielleicht ein Drittel des Raumes durchmessende Wand abgetrennt ist. Über die Jahre muss ich mich an ihren Anblick gewöhnt haben. Ich sehe den Staubsauger gar nicht, der immer offen darin herumsteht. Oder wie zusammengewürfelt und bunt alles aussieht, weil alle Regale offen sind. Nur wenn ich Gäste erwarte und meine Wohnung auf einmal mit ihren Augen sehe, schäme ich mich ein bisschen dafür, immer noch keine ordentliche Küche zu haben.

Die Rückseite des Raumes ist bis an die Decke von einem Bücherregal bedeckt. Davor steht mein Sofa (hellblau), auf dessen Sitzpolster eine dicke Wolldecke liegt (weiß mit dunkelblauen Ornamenten), die ich meinen Eltern abgeschwatzt habe, als ich auszog. Die Kissen darauf, alle unterschiedlich gemustert, kommen aus Ungarn und aus Marokko. Aus Frankreich stammt der runde Korbsessel, dessen Sitz aus trichterförmig in der Mitte zusammenlaufenden Stäben besteht. Der schwarz-weiße Teppich kommt aus Rajasthan. Die Grafik an der Wand habe ich aus einem Vintage-Laden auf der Lower East Side. Die große bauchige Keramikvase stammt aus Amsterdam. Ihr Sockel ist hellblau lackiert, der Rest weiß. Oft steckt eine einzelne Blume darin, aber sie sieht auch leer schön aus.

Einer der Gründe, warum ich mich damals für diese Wohnung entschieden habe, ist, dass das Badezimmer direkt vom Schlafzimmer aus zu betreten ist. Ich fand, das hatte etwas von einem Hotel, und irgendetwas daran gefiel mir, vermutlich die Idee von Vorläufigkeit. Mein Bett ist groß, harte Matratze, Bettwäsche rosa oder blau kariert. Ich lag noch darin, als ich Toms E-Mail las. Ich las sie auf meinem Telefon. Ich las sie mindestens zehnmal hintereinander. Dann las ich sie noch einmal.

Angst beginnt als Körperempfindung im Magen und bewegt sich von dort aus weiter nach oben. Traurigkeit beginnt im Brustkorb und bewegt sich ebenfalls aufwärts, durch den Hals bis hin zu den Augen, wo wir Tränen austreten sehen.

Ich rief eine Freundin an, deren Mutter an Krebs gestorben war und die selbst Krebs gehabt hatte. Sie hat diese kühle Mitleidlosigkeit, was Krankheiten angeht, die nur Menschen mit persönlicher Erfahrung haben. Sie fragte nach Details, mit denen ich jedoch nicht dienen konnte, sagte, dass Hirntumor so gut wie nie heilbar sei, und wog dann nüchtern die Vor- und Nachteile eines raschen Todes beziehungsweise einer längeren Lebenserwartung für Toms Mutter ab. "Für ihn wäre es am besten, sie stirbt entweder schnell oder hat noch zwei Jahre", sagte sie. "Alles dazwisc

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