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Giuseppe von Fröhlich, Michael (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Giuseppe

Ein exemplarischer Tag aus dem Leben eines Clochards: Giuseppe, ein sozialentgleister Halbfranzose aus der Unterschicht, der nichts kann, nichts weiß, vor allem aber nichts will, ist Fallbeispiel dieser Studie. Von Bambergs Kultur bleibt angesichts dessen wenig übrig. Einen Novembertag lang folgt der Erzähler dem grotesk anmutenden Helden in die jeweiligen Milieus und schildert seinen Alltagskampf. Michael Fröhlich, am 01. Mai 1995 in Mutlangen geboren, war nach dem Abitur Freiwilliger beim Deutschen Roten Kreuz. Danach verschiedene Reisen und Aufenthalte in Europa, Afrika und Neuseeland. Anschließend Studium der Germanistik und Philosophie. Später Student der Soziologie an der Universität Bamberg. Für "Heinrich und Puk" 2019 Arbeitsstipendium des Förderkreis dt. Schriftsteller in BW. Im selben Jahr erster Abdruck in fortississimo: Edition junger Texte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 112
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783750454637
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 150 kBytes
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Giuseppe

1.

Unsere Erzählung beginnt am frühen Morgen des Novemberanbruchs, zu einer der kältesten Zeiten des Tages und Jahres. Die Nacht war unlängst gezogen und hatte ihren frostigen Schatten zurückgelassen, Horizont und Zenit des Himmels unterschieden sich nicht; waren von dicken, undurchsichtigen Schwaden verhangen, sodass alles an Bauten und Natur aus graumilchiger Substanz hervorging. Dieses Weiß, welches den Sensibleren unter uns Schwermut bis Freudlosigkeit eingibt, den cholerischen Charakteren hingegen Missvergnügen, da deren Gemüt zwar nicht leiden muss, sie sich wohl aber, hinsichtlich des Wetters, um ihren Anspruch betrogen sehen - dieses Weiß verzog sich den gesamten Tag über nicht, und kann von der Leserphantasie als grundsätzlicher décor angenommen werden. Es war ein Sonntag.

Giuseppe schlief. Seit zwei Stunden jedoch begehrte sein Bewusstsein immer wieder auf, wollte den schummrigen Dämmer durchbrechen und dem Tage begegnen - die Furcht vor dem scheußlichen Erwachen jedoch unterwarf dieses Aufstreben auf unbewusstem Weg, und so kam es, dass Giuseppe stets erneut entschlief, und, seine nassen Beine, den nassen Bauch, den kalten Fuß und auch den bestialischen Gestank verdrängend, zurück in die Dunkelheit entglitt. Naturgemäß kam es trotzdem zu jenem Punkt, welcher nicht umschlafen werden kann, und wobei der Betroffene, so vernebelt sein Sinn auch sein mag, derart zu sich kommt, dass es unmöglich wird, die schmutzige Realität zu verneinen; Giuseppe war schmutzig.

Die ersten Regungen waren impulsive Söge durch die Nase. Das Gerochene gefiel offensichtlich nicht, denn es folgte einen Lang- und Nach-unten-Ziehen des Mundes. Mit einem Ruck setzte er sich auf. Er blinzelte durch verquollene Augen und hustete einmal fest in die Faust. Sein rechter Fuß war entblößt, dann sah er in die Faust und wischte den schleimig braunen Klumpen an der Jeanshose ab.

Er zog die Beine an, stemmte die eine Hand auf die Klobrille und drückte sich zitternd nach oben, hielt sich an der Trennwand und keuchte einmalig schwer. Die Hinterseite der Hose haftete durchnässt an seiner Haut, prüfend fasste er sich an den Hintern und drückte dabei wenige Tropfen aus dem Stoff, welche sofort, als die Hand weggenommen war, wieder aufgesogen wurden. Die Pfütze, in welcher er stand, schlug kleine Kreise, die sich um seinen einen bekleideten, und den anderen unbekleideten Fuß ausbreiteten. Ohne die Füße zu bewegen, verdrehte er den Oberkörper, um einen Blick in die Kloschüssel zu werfen. Der Betrachtung des aus Klopapier und Kot bestehenden Haufens, mit dem sich die Spülung seit langem nicht hatte messen können, entnahm Giuseppe, dass er nicht vomiert hatte. Es folgten zwei Huster. Ein dritter und vierter - ein ausgiebiges Freihusten der Atemwege, bis Tränen in Giuseppes Augen stiegen und er sich erschöpft auf den Rand der Klobrille niederließ.

Er begriff wohl, dass es sich bei jener Pütze, in welcher er geschlafen hatte, durchaus nicht um Leitungswasser handelte. Viel mehr war diese Pütze durch ihn, um ihn herum entstanden. Er fasste sich an den Bauch. Auch Shirt und Stoffjacke waren großteils durchnässt, die Winterjacke nirgendwo zu sehen. Dann betrachtete er seinen nackten Fuß, dessen lange, knubbelige Zehen gelblich schmutzig waren. Auch am Knöchel befanden sich bräunliche Spritzer, welche sich, nachdem er versuchte, sie mit dem Fingernagel abzukratzen, als hartnäckig erwiesen.

Noch immer auf dem Toilettenrand sitzend, überprüfte er seine Hosentaschen. In der einen fand er ein gewöhnliches Feuerzeug, welches nach einigen Versuchen zu einer Flamme im Stande war. Ebenso fand er zwei Zigaretten, von denen die rechte nur einseitig nass war. Die Ellbogen auf den Oberschenkeln abgestützt, begann er, die Zigarette über der Flamme mittels schnellen Hin- und Her-Bewegungen zu trocknen.

Der inhalierte Rauch verursachte erneut Husten.

Als Giuseppe mit der Zigarette fertig war, erhob er sich w

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