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Gleißendes Glück Roman von Kennedy, A. L. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.03.2016
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Gleißendes Glück

Manchmal ist Glücklichsein so schön, dass es fast weh tut Gleißendes Glück ist etwas, was Helene Brindel nicht kennt. Für die schüchterne Frau ist ihre Ehe ein Gefängnis, dennoch kann sie ihren groben Mann nicht verlassen. Als sie in ihrem Unglück auch noch ihr Vertrauen in Gott zu verlieren beginnt, sucht sie sich professionelle Hilfe: Sie wendet sich an den geschätzten Psychologen Eduard E. Gluck, den sie aus dem Fernsehen kennt. Der Glücks-Experte soll ihr helfen, ihre Alltagstristesse zu überwinden und neue Lebensfreude zu finden. Doch seine professionelle Kühle ist nur Fassade... Zwei Menschen, zwei Herzen, zwei Seelen begegnen sich. A.L. Kennedy , 1965 im schottischen Dundee geboren, wurde bereits mit ihrem ersten Roman "Einladung zum Tanz" (2001) berühmt und zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen englischen Autorinnen. Sie wurde mit zahlreichen wichtigen Literaturpreisen ausgezeichnet. 2007 erhielt sie den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Kennedy lebt in Glasgow. Sie unterrichtet Kreatives Schreiben an der University of Warwick.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 18.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423429030
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Originaltitel: Original Bliss
    Größe: 816 kBytes
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Gleißendes Glück

Mr. Brindle gefiel sein Geschenk nicht besonders.

"Was ist denn das?"

Sie hätte es ihm lieber vor dem Essen geben sollen, dann wäre er nicht schon wegen der angebrannten Pastete verärgert gewesen. Seltsam, wie schnell sie beim Kochen und Backen aus der Übung kam - ein paar Tage ausgesetzt, und schon brachte sie nichts Anständiges mehr zustande.

"Was ist das?"

"Ein Hologramm."

Er umklammerte den Rahmen des Bildes mit beiden Händen und drehte es vor und zurück, aber er starrte sie dabei an und konnte deshalb natürlich nicht sehen, wie sich das Bild veränderte. "Ich weiß, dass das ein Hologramm ist, ich habe so was schon mal gesehen. Ich meine, was soll es darstellen? Ich kann nichts erkennen."

"Es tut mir leid, dass ich weggefahren bin."

"Darum geht es gar nicht. Es geht um das hier: dein Geschenk, das nicht funktioniert. Wenn ich mich darüber ärgern will, dass du mit deiner verrückten Schwester durch Europa gondelst und dich einen Dreck um mich scherst, dann ärgere ich mich darüber. Ich habe einen freien Willen. Das sagst du doch immer, oder?"

"Ja."

"Also?"

"Ich glaube, es funktioniert, wenn das Licht besser ist."

"Und?"

"Sie musste einfach mal raus." Mrs. Brindle verfestigte ihre ursprüngliche Lüge, die sie von nun an verfolgen würde, bis sie entweder ihr Schuldgefühl vergaß oder die Wahrheit. Andererseits verfestigt sich eine Lüge nur dann, wenn man sie die Oberhand gewinnen lässt. "Die Scheidung und alles - sie brauchte mal Urlaub." Sie sah ihn mit ruhigem Gesicht an, mit arglosen Augen, und erlaubte ihm einen Blick auf ihre ganz ehrliche Reue, die er auslegen konnte, wie er wollte: wegen ihrer Pflichtvergessenheit, einer heimlichen Verfehlung, Gedanken an einen Seitensprung. Gott weiß was.

"Ich meine nicht deine Schwester. Ich meine das hier. Obwohl es gar keinen Zweck hat, darüber zu reden. Es funktioniert ja nicht."

Mr. Brindle stellte das Bild neben seinen noch nicht abgeräumten Teller und gab ihr Gelegenheit, beide Unzulänglichkeiten zu beseitigen. Das Hologramm würde mit dem misslungenen Backwerk entsorgt werden, aber sie hoffte doch, dass sie mit dem Sommerpudding und der Sahne mit einem Hauch von Zimt mehr Glück haben würde. Den hatte Mr. Brindle immer gemocht, und er sah einfach prachtvoll aus, all die verschiedenen Rottöne - die Früchte der Jahreszeit verbreiteten in der Küche einen Duft, der sie ans Beerenpflücken und an jüngere Tage erinnerten.

Sie setzte sich wieder an den Tisch und beobachtete ihn, während er probierte, prüfte, die weiße Sahne und die saftigen Früchte zu einer rosa verlaufenen Masse verrührte. Würde sie sich an den Prozess und seine Ernährungsvorschriften halten, dürfte sie so etwas nicht essen. Stattdessen hätte sie die Ergänzungsstoffe und Spurenelemente eingekauft, die er verordnet hatte; viel zu viel, um es irgendwo in Mr. Brindles Haus verstecken zu können.

Mr. Brindle begann zügig zu essen, und Zufriedenheit strahlte von seiner Stirn und seinen Lippen. Mr. Brindle hatte sich noch nicht über ihre Reise geärgert, aber heute Abend würde er es wohl nicht mehr tun. Später reichte auch noch. Als er ihr seine Schale reichte, hatte er keinen strengen Blick aufgesetzt. Er rieb ihr sogar mit dem Zeigefinger über den Handrücken.

Weil sie weggewesen war und er womöglich darüber gegrübelt hatte, dass sie ihm in keiner Weise zur Verfügung gestanden hatte, würde er sie heute Nacht womöglich auffordern, bei ihm zu liegen. Nicht, dass sie sonst nicht in einem Bett schliefen, aber vielleicht erinnerte er sich daran, wie sie früher die gemeinsame Schlafstatt genutzt hatten. Sie würde sich nicht verweigern. Ablehnung wäre unklug, und er würde auch nicht viel verlangen, nicht mehr als einmal. Sie würden wieder versuchen, einander zu lesen, und würden wieder entdecken, dass sie in

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