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Gollinger geht heim von Resch, Nikolaus (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Gollinger geht heim

Georg Gollinger, ehemaliger Häftling des NS-Regimes, lebt mit seinem Sohn in einem alten Zollhaus im Böhmerwald. Eines Tages bringt ein alter Brief die Vergangenheit zurück, und er begibt sich mit seinen Freunden auf die Suche nach einem vergessenen Goldschatz. Eine turbulente Jagd beginnt, auf der nicht nur alte Bekannte wieder auftauchen, sondern auch längst verloren geglaubte Erinnerungen. Nikolaus Resch wurde 1974 in einer kleinen Mühlviertler Gemeinde nahe der Grenze zu Deutschland und der damaligen Tschechoslowakei geboren. Gollinger geht heim ist sein zweiter Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 436
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783746073705
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1011kBytes
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Gollinger geht heim

1

Die Wanderschaft beginnt

Gerade bin ich aufgewacht, ob aus einem tiefen Schlaf oder aus einem anderen lähmenden Zustand, weiß ich nicht. Alles was ich weiß ist, dass ich nicht in meinem eigenen Bett liege. Jeder kennt dieses Gefühl - man erwacht, und noch ehe man die Augen öffnet oder das Licht anmacht, ist einem klar - das hier ist nicht das eigene Bett. Außerdem fühlt sich die Bettwäsche unangenehm seidig-glatt unter meinen Fingern an, ich bevorzuge aber seit jeher einfaches Leinenzeug, um meinen Leib darauf zu betten. Das Zimmer, soweit ich das im gedämpften Licht einer Nachttischlampe erkennen kann, ist eindeutig ein Frauenzimmer. Blumengestecke und Spitzendeckchen zieren die Kommoden, und an den Wänden hängen einige kleine gestickte Bildchen mit sinnreichen Sprüchen, zwischen Aquarellen von Klatschmohn und Kornblume.

Ich setzte mich auf und bin überrascht wie schwer mir das fällt. Wie lange muss ich geschlafen haben, dass sich meine Glieder so steif anfühlen? Ich öffne meine rechte Hand die zu einer Faust geballt ist, und bemerke tiefe Hautrunzeln die sich wie ein Netz darüber ziehen. Es ist eine alte Hand die da an meinem Arm hängt. Die Handfläche liegt rissig wie ein ausgedörrter Acker vor mir, und darauf schmiegen sich drei kleine rosa Kügelchen aneinander. Keine Ahnung wie die dorthin gekommen sind, aber da ich noch nie viel von Pillen gehalten habe, sehe ich mich nach einem Mülleimer um, weil ich aber keinen finde, stecke ich die Tabletten in meine Hosentasche.

Nun, ich weiß weder wo ich mich befinde, noch wie oder zu welchem Zweck ich hierhergekommen bin. Was ich aber weiß ist, dass ich hier nichts zu schaffen habe.

Die Luft ist stickig und stumpf, und ich gehe zum Fenster um es aufzumachen. Seltsamerweise ist es aber mit einem Schloss gesichert und lässt sich nur einen Spalt breit öffnen. Das gefällt mir nun ebenso wenig wie der Rest des Zimmers, und so gehe ich über einen weichen Teppich zur Tür. Aber auch die ist versperrt. Ich werde stutzig. Offenbar bin ich ein Gefangener.

Auf einem zierlichen Schränkchen aus Nussholz stehen ein paar Fotografien. Es ist zu dunkel um etwas erkennen zu können, und so knipse ich einen der Schalter neben der Tür an. Ein vergilbter, mit grobem Leinen bespannter Lampenschirm erhellt jetzt den Raum. Ich nehme eines der Bilder zur Hand und betrachte es. Es ist eine Schwarzweißfotografie. Sie zeigt eine kleine Familie - einen Vater, eine Mutter, und einen Jungen. Meine Augen sind nicht mehr die Jüngsten, und so muss ich das Bild nahe an mein Gesicht heranführen. Die Mutter kenne ich nicht, der Junge kommt mir irgendwie bekannt vor, den Vater aber erkenne ich. Als ich das Bild zurückstelle, sticht mir ein anderes, kleineres, ins Auge. Es steht etwas versteckt hinter einem tanzenden Harlekin aus Porzellan. Ich nehme das Foto zur Hand, und halte es ins Licht. Ein junger Mann, keine dreißig, er trägt eine Uniform der Waffen-SS.

Es gibt Gesichter, an die man sich erst wieder erinnert, wenn man sie vor sich hat. An andere braucht man sich nicht erst zu erinnern, sie haben sich ins Gehirn gebrannt wie das Alphabet - Gesichter, und die Menschen die dahinter lauern. Das hier ist ein solches Gesicht. Obersturmführer Carl-Uwe Obermaier. Es sieht also ganz so aus, als wäre ich im Moment in Obermaiers Schlafzimmer, oder im Schlafzimmer seiner Witwe, denn ich glaube vor einiger Zeit von seinem Tod gehört zu haben. Ich stelle das Bild zurück und nehme ein anderes. Dieses ist in Farbe und wohl neueren Datums. Es zeigt ein anderes Paar, und einen anderen Jungen. Der Vater hat durchaus Ähnlichkeit mit dem jungen Offizier auf der ersten Fotografie. Plötzlich fällt mir ein, dass ich dieses Gesicht, wenn auch gealtert, vor nicht allzu langer Zeit gesehen habe. War das nicht der Mann der mich hierher gebracht hat? Diese Erinnerung scheint mir noch recht frisch zu sein. Ein paar Stunden mochte das vielleicht her sein. Ich befinde

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