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Granatapfelrot von Schmidt, Ines (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.08.2015
  • Verlag: Größenwahn Verlag
eBook (ePUB)
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Granatapfelrot

Sein ganzes Leben lang hat David sich für seine Schwester Jakobine verantwortlich gefühlt, sie geliebt, beschützt, gepflegt. Jakobine hatte eine körperliche Behinderung - Osteogenesis Imperfecta - und war an einer Frühform der Alzheimerdemenz erkrankt. Auch Joshua, ihren amerikanischen Freund, hatte David ins Herzen geschlossen. Jetzt ist Jakobine tot, und ausgerechnet bei der Beerdigung passiert es: ein misslungener Versuch eines Kusses, eine plötzliche Intimität, eine festgehaltene Hand auf dem Friedhof. Zu dem tieftrauernden Freund seiner Schwester entwickelt David verbotene Gefühle. Damit nicht genug, wird David von Joshua auch noch zu einer Bike-Tour durch die Dolomiten überredet. Er willigt ein, ohne über die Konsequenzen seiner Leidenschaft nachzudenken. Denn die Leidenschaft ist wie ein Granatapfel, sie wächst und gedeiht bei Licht und Wärme, und wenn sie reif ist, öffnet sie sich und bietet verschwenderisch ihre süßen roten Kerne an. Es folgt der Genuss, die Erkenntnis und die bohrende Gewissensfrage: Was habe ich getan!? Ines Schmidt kartographiert das Innenleben zwei Männer und greift tief in deren Denkvermögen, das durch Moral und Trieb hin und her gerissen wird. Ihr Debütroman ist gleichzeitig ein Plädoyer für die Jugend, die durch Gefühl, Sexualität und Tod, ihre Identität sucht und die Liebe für das einzig Wahre-Gute-Schöne hält. Eine Weisheit die mit dem Alter verloren geht. Wie die Leichtigkeit in den Kompromissen des Lebens.

Ines Schmidt wurde in einem kleinen transilvanischen Städtchen geboren. Im Kleinkindalter konnte sie mit ihren Eltern nach Deutschland ausreisen. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Nürnberg. Nach ihrer Schulzeit machte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Behindertenwerkstatt. Mehrere Jahre arbeitete sie in den Sommerferien auf einer Freizeit für Behinderte und ihre Familien. Zum Studium ging sie nach Würzburg. Danach zog es sie tiefer in den Süden. Sie lebte und arbeitete ein paar Jahre in München. U.a. begleitete bzw. leitete sie Menschen mit Handicap bei deren Arbeit an. Um den Bergen noch näher zu sein, zog sie vor mehreren Jahren ins Voralpenland. Heute lebt und arbeitet sie südöstlich von München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 14.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957710567
    Verlag: Größenwahn Verlag
    Größe: 1603 kBytes
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Granatapfelrot

Seine magischen Augen

W ie lange wir neben dem Baum kauern? Zeitverlust. Allein der Schmerz erfüllt mich, der mich beim Anblick von Josh vollkommen übermannt hat. Meine Glieder sind bleiern und ziehen mich nach unten.

"It s okay, Dave. I know how you feel", höre ich ihn ruhig und gefühlvoll flüstern.

Ach ja? Da bin ich mir nicht im Klaren, ob du das weißt - oder im Geringsten erahnen kannst. Hier passiert etwas mit mir, das nicht vorgesehen war, und wofür ich keine Erklärung aufbringen kann: Aus dem Nichts heraus zieht es mich zu dir hin, Josh! Allein durch deine Gegenwart erschaudere ich. Ganz zu schweigen von deinen Berührungen, von denen ich Herzrhythmusstörungen bekomme. Mein Körper verfällt in einen Heulkrampf, der aus Scham, Schmerz und Trauer besteht. Der positive Kick, den ich zusätzlich empfinde, ist irrational. Jake offenbart sich in deinen Augen und ich werde mir der Liebe gewahr, die du für sie empfunden hast. Mein Kummer wird noch größer in dem Bewusstsein, was du an ihr verloren hast. Sie war dein Anker, dein Echolot, dein Leuchtturm in stürmischen Zeiten, dein Ruhepol, deine Zuflucht, dein Angekommensein. Gleichzeitig merke ich, dass sie all dies ebenso für mich verkörperte. Zwar war ich ihr großer Bruder, sie jedoch meine Basis. Mein Lebensmittelpunkt. Mein ganzes verdammtes Leben lang! Was soll ich nur ohne sie tun?

Ich bekomme dieses Gefühlschaos, die Zuneigung zu Josh und die Trauer um meine Schwester nicht geregelt. Meine Kraft brauche ich augenblicklich, um die Beisetzung überstehen zu können. Seit ich denken kann, habe ich mich meinen Emotionen nie so ausgeliefert gefühlt.

"Scheiße, ich sacke vor dir wie ein Mehlsack zusammen und vergesse dabei völlig, wie es dir gehen muss."

Ich klammere mich an Josh wie ein Ertrinkender an einen Rettungsring, und jammere: "I m so sorry about that."

"David, hör auf dich zu entschuldigen. Ich schaff' das! Komm ..."

Bei diesen Worten packt er mich an den Schultern, schüttelt mich leicht, mustert mich dann eingehend. Unsere Gesichter sind gefährlich nahe beieinander. Aus einem Impuls heraus beuge ich mich nach vorne, um ihn zu küssen. Meine Lippen treffen seinen linken Mundwinkel. Josh hat den Kopf gedreht, weil Max plötzlich neben uns erschienen ist.

"Hey Guys, der Trauergottesdienst beginnt in wenigen Minuten, und deine Eltern suchen dich, David."

Josh hat die missglückte Kussattacke nicht registriert - oder besonders gut überspielt. Zumindest bemerke ich keine Veränderung an ihm, nur ich fühle mich noch elender. Wie kann ich das Jake nur antun? Ich verdammter Heuchler! Es ist ihre Beerdigung!

Wir erheben uns. Ich trockne mir das Gesicht mit meinem Handrücken und schnäuze meine Nase mit dem Taschentuch, das Max mir reicht. Meine Nerven sind gespannte Drahtseile.

Die meisten Leute sitzen bereits in der Kapelle, als wir, an allen vorbei, nach vorne zu unseren Plätzen gehen. Meine Mutter schaut mich, während ich mich setze, betrübt an. Sie nickt mir zu. Ich hoffe, dass niemand, vor allem nicht sie, mitbekommen hat, was hinter der alten Eiche passiert ist. War da überhaupt etwas? Wir haben um Jake getrauert, das ist alles. Der Baum, der uns geschützt hat, könnte hundert Geschichten erzählen, aber ich bin erleichtert, dass er für immer schweigt.

Den Worten des Pfarrers "... zusammengekommen ... von Jakobine Jansen, Jake genannt, Abschied nehmen ... ihr Leben ..." und dem Ablauf der Zeremonie kann ich nicht folgen. Meine Gedanken drehen sich ausschließlich um die letzten Minuten im Friedhofsgarten. Ich blicke verstohlen in Joshs Richtung. Seine lässige Sonnenbrille verdeckt erneut sein - für einen Mann - sehr feines Gesicht. Ich erkenne keine Regung darin. Er starrt vor sich hin.

Und dann kommt sie, die Foto-Collage, die ich mit Jake gemeinsam zusammengestellt habe. Diese Dinge wollte sie mit Verstand regeln und vor allem selbst gestalten, solange sie daz

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