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Greif und Rose Geschichte eines Fürstenpaares von Molden, Hanna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.03.2017
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Greif und Rose

Sie trafen sich auf einer Soiree im herzoglichen Palast zu Budapest und verliebten sich sofort ineinander. Fürst Paul Esterhàzy, einer der letzten Feudalherren Europas, galt als der begehrteste Junggeselle Ungarns, als er sich anschickte, das Herz der Primaballerina Melinda Ottubay zu erobern. Nach dem Untergang der Donaumonarchie hatte der Fürst über zwei Jahrzehnte lang die Geschicke eines der Bedeutendsten Adelshäuser Europas gelenkt. Doch kaum vermählte er sich mit einer Bürgerlichen, wendete sich sein Schicksal: die regierenden Kommunisten enteigneten Fürst Esterhàzy und warfen ihn ins Gefängnis. Obwohl Gefahr für ihr eigenes Leben bestand, begann Melinda, für die Freilassung ihres Mannes zu kämpfen ... Das packende Schicksal zweier Liebende, die den politischen Wirren trotzten ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 355
    Erscheinungsdatum: 03.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732519361
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1008 kBytes
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Greif und Rose

Seiner Durchlaucht Feenreich

Das Familienalbum der Fürsten Esterházy enthält ein gelbstichig gewordenes Foto, aufgenommen in Schloss Eisenstadt zu Ostern 1903: ein eleganter Salon, auf einem Tisch ein neckisch tänzelnder Osterhase mit einer Schelle in der Pfote, rundum Körbchen mit Zuckerzeug. An den Tisch gelehnt zwei Kinder, vom Kragen bis zu den Schuhspitzen in makelloses Weiß gekleidet. Die dreijährige Prinzessin Marie im gestärkten Spitzenkleidchen, ihr zweijähriger Bruder, Erbprinz Paul, im obligaten Matrosenanzug. Eine Szene aus dem "Esterházyschen Feenreich".

Die graziöse Marie blickt neugierig in die Linse, der putzige Paul hat beide Fäustchen auf den Tisch gelegt und kneift den Mund zu. "Bitte zu lächeln, Durchlaucht", hat der Fotograf ersucht. "Der Pali will nicht lächeln", hat der zukünftige Fürst geantwortet.

Es wäre unsachlich, aus diesem einen überlieferten Ausspruch abzuleiten, dass Pauls Kindheit nicht glücklich gewesen sein könnte. Tatsache freilich ist, dass der kleine Esterházy auf fast allen Fotos aus seiner frühen Kinderzeit ein bis zur Strenge ernstes Gesichtchen zeigt. Eine weitere Tatsache: Bei der Erziehung von Fürstenkindern galt die Frage nach dem individuellen Glück, so sie überhaupt gestellt wurde, als nachrangig. Die Order hieß: Pflicht. Der Inhalt dieser aus vielerlei Anforderungen zusammengesetzten "Pflicht" wurde generell durch das Standesbewusstsein, im Besonderen durch die Familiengesetze und im speziellen durch die von den Eltern ausgewählten Erzieher bestimmt. Ein Instanzenzug, dem selbst die eruptivsten Temperamente kaum entkamen.

In der patriarchalisch orientierten Welt Mitteleuropas war kindgerechte Aufzucht in keiner sozialen Schicht ein Thema. Dass Kinder von Aristokraten es - schon der materiellen Umstände wegen - "besser gehabt hätten", bleibt eine Annahme. In einem Hause wie dem des Fürsten Esterházy lebten Eltern und Kinder räumlich, und daher physisch, weit voneinander entfernt. Man sah sich selten, und wenn, formell. Die unmittelbare Bezugsperson war nicht die Mutter, sondern die "Nana", die Kinderfrau, die Gouvernante. Ein glücklicher Zufall, wenn sie warmherzig und zärtlich war, Märchen vorlas, kuschelte, einen Gutenachtkuss gab. Der Status des kleinen Paul als zukünftiger Fürst wirkte sich in dieser Hinsicht erschwerend aus. Ehrfürchtiger Abstand war geboten, man titulierte ihn schon "Durchlaucht", als er noch in Windelhosen steckte. Kaum, dass er reden konnte, wieselte ein Stab von Erziehern und Bedienten um den Stöpsel. Und wenn er seine Mutter sehen wollte, tollte er nicht einfach durch die langen Gänge von einem Trakt zum anderen, nein, der Kammerdiener wurde vorangeschickt, um der Fürstin Margit zu melden: "Seine Durchlaucht möchte Ihrer Durchlaucht einen guten Morgen wünschen."

Im Übrigen waren Pauls Eltern - zumindest im heutigen Sinne - hart arbeitende Leute mit vollem Terminkalender. Die Begriffswelt der Jahrhundertwende, welche Arbeit vor allem körperlich verstand, mag sie den Drohnen zugerechnet haben. Heute würde man die Fürstin Margit als Organisatorin für große Vorhaben zu gewinnen suchen und den Fürsten Nikolaus auf dem Cover eines Wirtschaftsmagazins als "Mann des Jahres" wiederfinden. Denn ihm gelang es, die Esterházy'schen Besitzungen von der bereits mehrere Generationen andauernden Sequestration zu befreien.

Sequestration bedeutet Zwangsverwaltung. Sie ist im Zusammenhang mit dem riesigen, wertmäßig kaum zu beziffernden Land- und Sachbesitz der Esterházys schwer vorstellbar und nur aus den Begriffen Majorat und Fideikommiss zu erklären. Majorat bedeutet jene Erbfolgeordnung, die dem ältesten Sohn das Vorzugsrecht auf das Erbgut einräumt. In deutschen Fürstenhäusern seit dem 14. Jahrhundert üblich, war es geschaffen worden, um Zersplitterung von Besitz durch Erbfolge zu vermeiden. Das ebenfalls im früheren deutschen Recht verankerte Fideikommiss, das vor allem der Festlegung adeli

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