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Halloween Horror Gruselgeschichten für die schaurigste Nacht des Jahres von Eschbach, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.10.2013
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Halloween Horror

Halloween - der Tag des Grauens, an dem die schrecklichsten Kreaturen ihr Unwesen treiben und Albträume Wirklichkeit werden. Dieser Sammelband vereint vier der besten deutschen Autoren, die es meisterhaft verstehen, das Blut in den Adern gefrieren zu lassen: Wolfgang Hohlbein, Andreas Eschbach, Uwe Voehl und Rebecca Hohlbein. Hexen, Geister und Zauberei gibt es nicht? Mit diesen Geschichten wird das nächste Halloween zur Mutprobe: Wolfgang Hohlbein 'Die Video-Hexe' Andreas Eschbach 'Halloween' Uwe Voehl 'Surfing Pumpkins' Rebecca Hohlbein 'Barbecue'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 80
    Erscheinungsdatum: 10.10.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838750491
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 294 kBytes
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Halloween Horror

"Wusstest du, dass Halloween der einzige Tag im Jahr ist, an dem man den Teufel gefahrlos um Beistand bitten kann?", fragte Norbert mich eines Abends beim Bier in der Wohnheimküche. Wir studierten damals beide Informatik und standen kurz vor dem Abschluss, also muss es Oktober 1992 gewesen sein.

"Halloween?" Das hatte ich bis dahin für die amerikanische Form von Fasching gehalten, ein Fest, bei dem ausgehöhlte, beleuchtete Kürbisse mit eingeschnitzten Dämonenfratzen, Marshmallows und ähnliches eine Rolle spielten. Etwas, das in Hollywoodfilmen vorkam: Kinder in Gespensterkostümen, die von Haus zu Haus zogen und Süßigkeiten einforderten.

"Steht so in der Enzyklopädia Britannica", behauptete Norbert. "Halloween geht auf Samhain zurück, das Erntedankfest der alten Kelten. An diesem Tag kehren die Geister der Ahnen in ihre Häuser zurück, und man kann den Teufel anrufen, ohne seine Seele zu verwirken. Oder so ähnlich."

Ich zuckte mit den Schultern. Ich bin schon immer ein naives Bürschchen gewesen. "Na und?"

Norbert schob sein Bier beiseite und seinen Stuhl zurück. "Komm", sagte er. "Ich muss dir was zeigen."

Was er mir gleich darauf in seinem Zimmer zeigte, war ein altes, dünnes Büchlein, in Frakturschrift gedruckt und in Karton von der Farbe getrockneten Blutes gebunden. Keine Verlagsangabe, keine Jahresangabe. "Ein Privatdruck offenbar", meinte Norbert. "Ich habe es aus dem Antiquariat in der Ziegenhainstraße. Erstaunlich, was?"

"Seit wann gibt es in der Ziegenhainstraße ein Antiquariat?", wunderte ich mich. Eigentlich war ich der Büchersammler von uns beiden. Norbert sammelte Sporttrophäen und Strafzettel wegen überhöhter Geschwindigkeit.

Ich blätterte darin. Mit nicht geringer Verblüffung erkannte ich, dass es in dem Buch um Magie ging, um Beschwörungen und Zauberrituale. Ich klappte es zu. "Was soll das denn werden?", fragte ich und spürte einen seltsam metallischen Geschmack auf der Zunge dabei.

Norbert sah mich an. Von irgendwoher spiegelte sich ein gelber Schimmer in seinen Augen, was seinem Blick etwas Lauerndes, Verschlagenes gab. "In den Laden bin ich gegangen, weil im Schaufenster ein Buch über Liebeszauber stand", sagte er.

"Das ist nicht wahr." Ich warf das Buch auf den Tisch, als könne es jeden Augenblick in meinen Händen Feuer fangen. "Es geht immer noch um Irmina?" Er brauchte gar nichts zu sagen, sein Gesicht war Antwort genug. Ich hob die Hände, zählte ihm die Fakten an den Fingern vor. "Erstens, sie ist jetzt seit über einem Jahr mit ihrem Typen zusammen. Zweitens, sie ist schwanger von ihm. Drittens, der Hochzeitstermin steht schon fest. Ich meine, sieh es endlich ein - das ist gelaufen. Das wird nichts mehr, und wenn du dich auf den Kopf stellst."

Norbert nahm das Buch wieder an sich, betrachtete es eine Weile schweigend und sah dann hoch. "Einen Versuch ist es wert", sagte er und schob den Unterkiefer trotzig vor. "Die Frage ist lediglich, ob du dabei sein willst oder nicht."

Ich weiß nicht mehr, warum ich nicht einfach gegangen bin. Sicher nicht, weil ich sehen wollte, wie Norbert sich blamierte. Nein, in meiner Erinnerung kommt es mir so vor, als sei ich stundenlang da gestanden und hätte dem verführerischen Ruf alter, vergessener Götter gelauscht, als sei eine Stimme in mir wach geworden, älter als die Menschheit oder das Leben selbst. Später sagte ich mir, dass es mich berührt haben musste, zu erleben, wie ein Mann eine Frau so unsagbar begehrte, dass er bereit war, alles zu tun, um sie zu erobern, buchstäblich alles.

Ich ging also nicht. Ich fragte: "Wann genau ist eigentlich Halloween?"

Irmina Langenstein war bestürzend intelligent, begehrenswert schön, ehrlich, warmherzig, sympathisch - jede Sünde wert, wie man so sagt. Sie hatte gerade von Kunstgeschichte zu Germanistik gewechselt, als sie und Norbert sich auf einem Fachschaftsfest begegneten. Es knallte heftig, allerdi

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