text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Hasch mich von Kurz, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.07.2016
  • Verlag: Himmelstürmer Verlag
eBook (PDF)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Hasch mich

Der Redaktionsassistent Oliver hält sich für ein verkanntes literarisches Genie und steckt seine ganze Aufmerksamkeit in das Schreiben seines Romans, so dass er für nichts anderes Zeit findet, auch und erst recht nicht für die Liebe. Zwar empfindet er sich als schwul, denn das sind schließlich alle Genies, aber Gelegenheit zum Ausprobieren hatte er noch nicht. Eines Tages bekommt er von der Redaktionschefin den Auftrag, über eine Theatervorstellung zu schreiben. Dort passiert das Unglaubliche: Oliver verliebt sich in die schöne Andrea. Kann das sein? Ist Oliver etwa gar nicht schwul? Seine Gefühle geraten völlig durcheinander, als er der jungen Schauspielerin begegnet und sich ihr als wichtiger Kritiker vorstellt. Oliver ist so von der Schönheit geblendet, dass er überhaupt nicht realisiert, dass Andrea eigentlich Andreas ist und die junge Frau auf der Bühne nur gespielt hat. Andreas möchte Oliver zwar die Wahrheit sagen, aber da dieser sich ja als Kritiker vorgestellt hat, traut sich Andreas nicht, das Geheimnis zu lüften und ihm zu gestehen, dass er sich in ihn verguckt hat, denn Andreas ist ebenfalls schwul. Als Oliver die vermeintliche Andrea dann auch noch seiner Mutter vorstellen will, weil diese ihm nur Geld gibt, wenn er ihr eine Braut vorstellen kann, steht bald alles Kopf.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 206
    Erscheinungsdatum: 26.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863615697
    Verlag: Himmelstürmer Verlag
    Größe: 1020kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Hasch mich

Mehr als gelangweilt sah Oliver Fischer auf seinen Monitor und schließlich wieder auf den Schmierzettel, den er in den Computer übertragen musste. Es war doch immer wieder das gleiche - obwohl die Leute ausdrücklich dazu aufgefordert wurden, ihre Annoncen in Druckbuchstaben einzureichen, mussten manche, zumeist ältere Leute ihre in schmierigster Sudelschrift abgeben, was die Entzifferung, ja eigentlich Dechiffrierung dieser Hieroglyphen zu einer Herkulesaufgabe werden ließ. Er blies etwas gepresste Luft aus seinem Mundwinkel - es hatte ja doch keinen Sinn, sich darüber aufzuregen. Den Leuten war seine Verärgerung darüber sowieso egal, also musste er nun eben seine Zeit wieder damit aufbringen, in geradezu detektivischer Kleinarbeit sämtliche Buchstaben auf dem Formular miteinander zu vergleichen, um einwandfrei festzustellen, ob es sich beim fraglichen Buchstaben um ein verkümmertes "a" oder ein dickbäuchiges "e" handelte. Missmutig blickte er sodann um sich - er wollte sowieso nicht hier sein, aber es ging ja nicht anders, und ein kleiner, leidlich gut bezahlter Job als Redaktionsassistent bei der kleinen Lokalzeitung war immer noch besser als gar keine Arbeit, aber es war eben nicht das, was er wirklich wollte und was man ihn nicht machen ließ.

Alles, was er wollte, war ein anerkannter Schriftsteller zu werden. Nicht einfach nur ein "Autor", denn das konnte ja jeder werden - selbst ein Affe, der eine Folge für eine dieser mies geschriebenen und noch schlechter umgesetzten Daily-Soap-Episoden fürs Fernsehen schrieb, konnte von sich behaupten, dass er ein AUTOR sei, aber ein Schriftsteller, das war was vollkommen anderes. Ein Schriftsteller, das war jemand wie Kafka oder Goethe, aber ein Autor, das war einfach nur jemand, der vorher beim Verlag nachhakte, ob diese oder jene Idee gekauft werden würde und sich noch darüber erkundigte, wie viele Zeichen gewünscht seien und dann auch wirklich nur so viele ablieferte, gleichgültig ob die Idee danach verlangte oder nicht. Ein Autor war für Oliver quasi eine Worthure - immer willig, sich für jeden hinzulegen und die Beine zu öffnen, solange derjenige nur gut genug zahlte ... aber was war er denn selber, wenn er sich und seine Situation nüchtern betrachtete? Eigentlich ein ziemlicher ... nun ja, gewiss nicht Versager, das nun wirklich nicht - immerhin hatte er eine Arbeit und musste nicht von der Stütze leben. Also konnte er kein Versager sein, auch wenn ihn manche Ignoranten wohl dennoch so einstufen würden, da er nach wie vor noch nie Sex gehabt hatte, einfach weil sich das nie einstellen wollte, aber deswegen sah er sich selber nicht als Versager an. Sex war ja sowieso nicht so wichtig im Leben. Wie schon Charles Bukowski feststellte, war Sex nicht so lebensnotwendig wie ein geregelter Stuhlgang, denn man konnte mühelos bis ins hohe Alter leben, ohne auch nur einmal Sex gehabt zu haben, aber man konnte nicht zwei Wochen durchhalten, ohne zwischendurch aufs Klo zu gehen. Wahre Worte und ein kleiner Trost, den sich Oliver immer mal wieder ins Gedächtnis rief, wenn er abends im Bett lag und sich mit einem Taschentuch den Bauch sauberwischte.

Er überprüfte die abgetippte Annonce routinemäßig noch einmal und stellte sich vor, dass er in einem anderen Land bestimmt schon längst nicht nur veröffentlicht wäre, sondern dass man ihn zum Nationaldichter erhoben hätte. Darin bestand für ihn, in aller Bescheidenheit, absolut keine Frage. Natürlich ... so gut wie Kafka war er nicht, das wusste er selber, denn dieser war für ihn das Non-plus-ultra eines sich selber für die Kunst rücksichtslos aufopfernden Schriftstellers. Einer, der sich in eine feuchte Altbauwohnung begab, um dort in Ruhe schreiben zu können und sich deswegen Tuberkulose einfing, die seinen von der Kunst verzehrten Körper noch mehr schwächte - aber was für Werke entstanden durch diese rigorose Selbstlosigkeit! Ja, was für reine, unantastbare Sätze waren Kafka da aus den Finger

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen