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Haus Nummer 37 von Adolph, Karl (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
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Haus Nummer 37

Karl Adolph ( 19. Mai 1869 in Wien, 22. November 1931 ebenda) war ein österreichischer Schriftsteller. Adolph arbeitete zunächst als Malergehilfe und war ab 1901 als Kanzleigehilfe in der Verwaltung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses tätig, wo er es bis zum Adjunkt brachte. Mit Schackerl erzielte er 1912 seinen ersten literarischen Erfolg. Daneben war er ständiger Mitarbeiter der Wiener Arbeiter-Zeitung. Karl Adolph schilderte in Romanen und Skizzen das Leben von Proletariern und Kleinbürgern der Wiener Vorstädte in naturalistischer Darstellung. 1914 erhielt er den Bauernfeld-Preis. (Auszug aus Wikipedia)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 328
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956768125
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 463 kBytes
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Haus Nummer 37

Erstes Kapitel

(Vermittelt uns die Bekanntschaft einiger Herren, die der Mäßigkeitsbewegung in keiner Weise Vorschub zu leisten geneigt sind.)

Jetzt stand er auf der Straße und schimpfte fürchterlich gegen das geschlossene Fabrikstor: "Ös Hundling, ös Falotten, ös Bagasch verfluchte. An Arbeiter außischmeißen? Ös graupert's Burschoag'findel, ös Tagdiab, Bluatsauger! An Famülienvodan zun behandeln wia an Püls ? Pfui Teufü! So Gaunerbuam mitanand. Oba spült's enk net! Sunst, wann m'r die Gall überlauft, bring i so an Sauhund um. Heunt wüll scho' jeder so a Lausbua an Werkführer außisteck'n und Leut' mattan , dö was das schon lang verlurn hab'n, wo so a Hundsbua erst hinschmecken muaß."

Man möge das Befreiende des Sichaustobens noch so hoch einschätzen, man wird dennoch zugeben müssen, daß diese Anhäufung von Verbalinjurien in einem Atem die Grenze des Erlaubten weit überschritt.

Man wird weiters fragen, wem das ganze Lexikon von Kraftausdrücken zugedacht war? Nun, ganz einfach dem Werkführer der Fabrik, weil er Herrn Blaschke, der in gänzlich unmöglichem Zustand seinen Arbeitsort betrat, kurzerhand vor das Tor setzen ließ.

Es läßt sich nun gewiß vermuten, daß der schwergekränkte Mann nach vollständiger Erschöpfung seines Vorrates an Schimpfworten sich weiter getrollt hätte. Um 2 eine so einfache Lösung von Konflikten zu verhüten und dem Romanschreiber Gelegenheit zu geben, mehr oder minder spannende Kapitel auszuspinnen, hat das Schicksal für den Deus ex machina in Gestalt der wohllöblichen Polizei gesorgt. Diese war in dem konkreten Fall durch zwei Wachmänner vertreten. Der erste war ein sehr jovialer, rotwangiger, blaunasiger, bald pensionsreifer Herr.

Er blieb im Vorüberschlendern für einen Augenblick stehn, klopfte Blaschke leicht auf die Schulter und sagte so gemütlich, als es die polizeiliche Würde zuließ:

"Geh ham, leg di nieder und sag, es war nix! Hab'n s' di schon wieder außig'lahnt heut am Montag? Mit dem Dampf , was d' hast, kunnt'st leicht die ganze Fabrik allan treib'n."

Dabei lachte er über das ganze Gesicht, der Witz mit dem "Dampf" schien zu kostbar.

Der Angeredete blickte mit trüben Augen den Wachmann an, und als er endlich zur Überzeugung gekommen war, für sein Leid eine teilnahmsvolle Seele und in Summa einen alten Bekannten gefunden zu haben, fing er zu schluchzen an.

"Dös hat m'r vön dö roten Raubersbuam, Herr Wachmann. Dö Bombenwerfer, dö Aufwickler, dö an Famülienvodan unglückli machen, weil er in d' Arbat wüll. Herr Wachmann, Sö kennen mi" (er hatte damit in Anbetracht einiger Arretierungen zwecks Ausnüchterung nicht unrecht) "und wia S' mi kennen, wissen S', daß i a natraler Kerl bin . . ."

"Is schon recht. Geh ham, alter Schwammertandler , 3 und mach d'r an kalten Umschlag aufs Hirn." Mit diesen Worten wollte sich der scherzhafte Hüter der Ordnung wieder an seine Runde machen.

In den Gefühlen Herrn Blaschkes schien sich jedoch eine vollständige Wandlung vollzogen zu haben. War sein Ehrgeiz verletzt, reizte ihn die herablassende Freundlichkeit oder die Uniform des Polizisten - kurz, er schlug aus seiner weichmütigen, trostheischenden Stimmung in deren Gegenteil um.

"Ös Greandippler, wann mir ausrucken, habt's eh die Guri von hint , wie dö Spinatjuri auf eahnere Aufschläg'. Flohbentl, Zwieflkrowot verhatschter . . . !"

Ich muß gestehen, daß ich den diversen Stimmungsumschlägen des grollenden Staatsbürgers ratlos gegenüberstehe, aber mehr noch der Geduld des biederen Wachmannes, der sich damit begnügte zu sagen: "No, wart nur, bis di dein' Alte in die Hand' hat, da wirst mehr derleb'n, als in unserm Flöhtrüherl ." Dann entfernte er sich ruhig.

Der abermals in den tiefsten Tiefen seines Unmutes Aufgeregte hatte sich wieder gegen da

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