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Heimat version alpha - Erzählungen, Geheimnisse und Rezepte

  • Erscheinungsdatum: 14.07.2016
  • Verlag: Größenwahn Verlag
eBook (ePUB)
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Heimat

Was wäre, wenn Sie ihre Augen schließen und versuchen sich ihre Heimat vorzustellen. Was würden Sie sehen? Das Haus ihrer Kindheit? Ihre Familie? Eine Landschaft? Oder erinnern Sie sich vielmehr an ganz bestimmte Gerüche, an Farben, an den Geschmack ihres Lieblingskuchens? Autorinnen und Autoren, die selbst auf der ganzen Welt verteilt beheimatet sind, erzählen von der eigenen Herkunft und den Traditionen. Von den traumatischen Geschehnisse einer Flucht und von der schmerzhafte Sehnsucht, die einen fern der Heimat überfällt. Von den Gründen, warum ein Mensch überhaupt seine Heimat verlassen soll und auf der Suche nach eine Neue geht. Von den positiven, aber auch von verheerenden Konsequenzen. Und von das krankhafte Heimatverständnis - von den Grenzen in der Landkarten, in den Herzen - die dazu führen böses zu denken, böse zu handeln. Kommen Sie mit auf die Reise durch das Land des Selbstwertes. Überqueren Sie den Charakter-Fluss, ersteigen Sie die Berge der Denkweise, erkunden Sie das Meer des Weltbildes und fliegen Sie hoch über die Ideologie hinaus. Sehen Sie, schmecken Sie, riechen Sie, durch die ausgewählten Rezepten und entscheiden Sie selbst, was Heimat für Sie persönlich bedeutet oder bedeuten kann. Willkommen in der Heimat. Version Alpha. Sevastos P. Sampsounis geboren 1966 in Darmstadt, in einer griechischen Gastarbeiterfamilie aus Thrakien, reiste als ?Kofferkind? zwischen Deutschland und Griechenland. Heute lebt er in Frankfurt, ist Mitbetreiber des Cafe-Größenwahn und Inhaber des Größenwahn-Verlags Frankfurt am Main. Er ist Illustrator für Kinderbücher. Veröffentlichungen: Die Eroberungs-Messe Gedichte (Vlg. Ploigos/Athen, 1995); Die gefährliche Angewohnheit des Fühlens Roman (Vlg. B. Kyria-kidis/ Athen 2005); Illustrationen für Astropalamidas Märchen, der Schriftstellerin Eleni Delidimitriou-Tsakmaki (Vlg. Dromon/Athen 2009). Beim Größenwahn Verlag Frankfurt am Main ist seine Kurzgeschichte HIER KOMMST DU NICHT DURCH, MARIA in der Anthologie Bewegt erschienen. Sevastos P. Sampsounis schildert die Stationen einer Gastarbeiter-Frau, die sich durch drei Generationen erstrecken mit allen Nachwirkungen und Problematik der Emigration.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 250
    Erscheinungsdatum: 14.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957710918
    Verlag: Größenwahn Verlag
    Größe: 4952 kBytes
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Heimat

Petra Mitchell

Ami-Weib

D as Thermometer zeigte über 30 Grad - ein heißer Sommertag im Juni 1947. Im Hinterhof eines Hauses in fränkischem Baustil war meine Mutter damit beschäftigt Wäsche aufzuhängen, als ich mich ankündigte. Meine Großmutter, die gerade ein Betttuch auf dem Waschbrett hin und her walkte, kam ihr schnell zu Hilfe. Mein Großvater holte sein Fahrrad, welches wie durch ein Wunder den Krieg überlebt hatte, aus dem Bretterschuppen und trat in die Pedale. Sein Weg führte ihn zu Friedhofswärter Hiller, der als einziger in der Gegend über ein Telefon verfügte. Wenig später kam das herbeigerufene Taxi, ein schwarzer Mercedes mit dem typischen Dieselgetuckere, den holprigen Weg heruntergefahren und Mama war mit mir unterwegs zum Krankenhaus.

"Ach Gott na ... a Madla! A nu!", entfuhr es meinem Großvater im breitesten fränkischen Dialekt. Er meinte mich - stramme 51 cm in Länge, 3500 g auf der Waage. In meiner Geburtsurkunde stand:

Geburtsdatum: 4. Juni 1947; Name des Kindes: Petra Anna; Name der Mutter: Helene Weigand, Beruf: Laborantin; Name des Vaters: Peter Fontano (U.S. Soldat - Aufenthalt unbekannt)

Vom ersten Tag an war ich ein Problem. Ich war nämlich illegitim - das Kind eines amerikanischen Besatzungssoldaten. In den Augen der Leute ein Bastard des Feindes. Meine Mutter Helene zählte fast 22 Lenze als ich mich ankündigte. Von meinem Vater Peter gab es leider kein Lebenszeichen. Mein erstes Bett war ein Weidenkorb. Mein Großvater hatte aus der Brauerei Bretter von Bierfässern mitgebracht und eine ansehnliche Schaukel gezaubert, auf der der Babykorb montiert war. Bald darauf gesellte sich ein Kinderwagen dazu, der mit Lucky Strike -Zigaretten bezahlt wurde. Der Club-Manager hatte sie spendiert und obwohl mein Großvater eine Heidenangst hatte, damit erwischt zu werden, riskierte er doch einen Besuch auf dem Schwarzmarkt. Schnell hatten die Zigaretten einen Abnehmer gefunden und ich kam in den Genuss einer täglichen Spazierfahrt.

Wochentags spielte sich alles in der Küche ab. Dort stand ein großer eiserner Herd auf kunstvoll geschwungenen, gusseisernen Beinen. Er wurde mit Holz oder Briketts beheizt. An der Vorderseite hatte er eine große Klappe, die die Bratröhre verschloss, unmittelbar daneben konnte man ein Türchen öffnen und die Holzscheite oder Briketts hineinschieben. Oben auf der Herdplatte befanden sich runde Öffnungen, die mit Ringen zugedeckt waren. Wenn man die Ringe herausnahm, konnte man das Feuer von oben sehen. Je nachdem welche Topfgröße gerade benutzt wurde, wurden die Ringe dann herausgenommen und der Topf daraufgesetzt. Auf der linken Seite war ein Wasserfass eingelassen, so dass ständig heißes Wasser vorhanden war. Ein dickes Ofenrohr, welches einmal im Jahr mit Bronzefarbe gestrichen wurde, mündete in den Schornstein.

Im Küchentisch befand sich unter der Platte eine Ausziehvorrichtung, die zwei Emailleschüsseln zum Vorschein brachte. Hier wurde nach dem Essen der Abwasch erledigt. Das Wasser mussten wir vom Brunnen im Hof holen. Da es keinen Kühlschrank gab, wurden die Lebensmittel in einem Speiseschrank aufbewahrt, der zur Hauswand hin offen und mit einem Fliegengitter versehen war. Vorräte gab es sowieso kaum, da fast alles täglich nach Verfügbarkeit beschafft werden mussten Die Lebensmittel waren rationiert, so wurden einer vierköpfigen Familie wöchentlich Essensmarken für z.B. 250 Gramm Butter und 500 Gramm Rindfleisch zugeteilt.

Ich war gerade ein Jahr alt und bereits kräftig auf den Beinen, als ich das erste Mal unangenehm auffiel. Es war Sonntag, der Tag an dem im Wohnzimmer am großen Tisch gegessen wurde. An diesem Sonntag hatte Großmutter Rindfleischsuppe mit Nudeln auf dem Speiseplan. Den Nudelteig hatte sie tags zuvor bereits zubereitet und über Nacht wie auf der Wäscheleine zum Trocknen aufgehängt. Jetzt wurde er nur noch mit einem Metallrädchen in feine Streifen geschnitten. Während Großm

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