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Helenas Männer Roman von Stalmann, Franziska (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.09.2015
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Helenas Männer

Eine warmherzige Liebesgeschichte, ein kluger Roman über alte Lieben und neue Freundschaften
Den Zauber des alten Hauses ihrer Kindheit hat Helena nie vergessen. Als sie fast vierzig Jahre später dorthin zurückzieht, um für ihren kranken Vater zu sorgen, ist der Duft nach Holz und Äpfeln gleich wieder da. Doch die Idylle trügt. Helena will es allen recht machen, kümmert sich um Vater, Sohn, Freund - und vergisst sich selbst dabei. Nur Armin, ihrem Exmann, fällt das auf. Soll sie seiner Einladung ans Meer folgen? Warum nicht? Sie sind lange geschieden, er hat eine neue Familie. Und sie braucht ein bisschen Erholung. Denkt Helena und versteht bald darauf die Welt nicht mehr.
Der neue Roman von Bestsellerautorin Franziska Stalmann: einfühlsam, mitreißend, mutig

Franziska Stalmann eroberte mit ihrem Roman 'Champagner und Kamillentee', verfilmt mit Andrea Sawatzki, ein Millionenpublikum. Es folgten weitere erfolgreiche Bücher zuletzt 'Das Herz hat viele Zimmer' und 'Helenas Männer'. Die Autorin und Psychologin lebt in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 08.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641155384
    Verlag: Diana Verlag
    Größe: 461 kBytes
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Helenas Männer

1

D as Haus.

Meine Großeltern haben es gekauft, in dem Jahr, in dem mein Vater zur Welt kam. Als mein Großvater starb und meine Großmutter ins Altersheim ging, zogen meine Eltern mit uns hierher. Meine Schwester war acht, ich sechs, und das Haus war wie ein Zauberschloss: die hohen Räume mit den Stuckblumengirlanden an den Decken, die Fenster mit den vielen kleinen Scheiben, das weite Treppenhaus, die Kammern und Abstellräume, der nach Holz duftende Dachboden, der Keller mit den Einmachgläsern meiner Großmutter und dem Geruch nach Äpfeln, der Garten mit seinen alten Bäumen und dichten Büschen, den Birnenspalieren und Erdbeerbeeten und den vielen Verstecken.

Das war vor achtunddreißig Jahren.

Jetzt bin ich wieder eingezogen. Es ging nicht anders. Jemand muss bei meinem Vater sein.

Als meine Mutter starb, wollte er unbedingt dort bleiben. Er wollte nicht zu meiner Schwester nach Merlingen, in die geräumige Dachwohnung ihrer hübschen Villa. Er wollte nicht, dass ich ihm eine schöne Wohnung hier in der Stadt suchte. Er blieb im Haus und trauerte, und wir kümmerten uns um ihn und hofften, dass die Trauer, die ihn umgab wie ein schwerer dunkler Mantel, allmählich heller und leichter würde.

Aber sie wurde nicht heller, im Gegenteil, sie verwandelte sich in etwas, das noch viel dunkler und schwerer war.

Wir merkten es erst nicht, obwohl er immer dicker und teilnahmsloser wurde und der Blick, mit dem er uns ansah, immer ferner. Eines Abends kam ich zufällig vorbei und klingelte, weil ich das Buch holen wollte, das ich beim letzten Mal vergessen hatte. Das Küchenfenster neben der Haustür war erleuchtet, aber niemand öffnete. Ich ging in den Garten. Im Wohnzimmer brannte auch Licht, hinter zugezogenen Vorhängen. Ich ging wieder nach vorne, klingelte noch mal, suchte den Schlüssel aus meiner Tasche und schloss auf.

Fernsehstimmen dröhnten mir entgegen. Die Tür zum Wohnzimmer stand offen. Papa lehnte im Sessel und schlief. Auf dem Couchtisch standen leere Bierflaschen, ein Glas und eine große Schüssel mit Kartoffelchips.

Hinter mir wurde geschrien und geschossen. Ich drückte auf die Stummtaste und strich Papa über die Wange.

"Papa."

Er rührte sich nicht.

"Papa! Wach auf."

Ich schüttelte ihn. Sein Kopf neigte sich zur Seite.

Angst überfiel mich. Ich wählte den Notruf, sagte, dass mein Vater noch lebte und atmete, aber nicht mehr reagierte, und nannte die Adresse.

Der Notarzt war so schnell da, wie ich es nie erwartet hätte. Zwei Sanitäter kamen hinter ihm her. Sie legten Papa auf den Boden, der Arzt hob seine Lider, fühlte seinen Puls, fragte: "Alter? Erkrankungen?"

"Fünfundsiebzig. Keine Krankheiten. Ich weiß jedenfalls von keinen."

"Name?"

"Kant. Herbert Kant."

Er schlug Papa leicht auf die Wangen: "Herr Kant! Herbert!"

Papa seufzte.

Der Arzt holte eine Ampulle aus dem Notkoffer, brach sie auf und hielt sie Papa unter die Nase. Papa schnappte nach Luft, nieste, hustete und öffnete die Augen.

"Da ist er wieder", sagte der Arzt. "Er hatte nur zu viel davon."

Er machte eine Kopfbewegung in Richtung der Bierflaschen.

"Wenn Sie den Herren zeigen, wo sein Bett ist, bringen sie ihn hin. Dann muss er seinen Rausch nicht auf dem Boden ausschlafen."

Ich zeigte den Sanitätern das Schlafzimmer und lief wieder hinunter. Der Arzt war schon auf dem Weg hinaus.

"Es tut mir leid, dass ich Sie ..."

"Kein Problem. Sie kriegen die Rechnung. Das heißt, er."

"Aber wieso ist er denn nicht wach geworden, als ich ..."

"Sie haben es nicht rabiat genug probiert. Er ist ziemlich blau. Tiefblau, um genau zu sein."

"Er trinkt sonst nie. Schon gar kein Bier. Höchstens mal ein Glas Wein."

Er hob die Schultern.

"Meine Mutter ist vor einem Jahr gestorben."

Der Ausdruck in seinen Augen verände

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