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Helle Nächte am Meer Roman von O'Flanagan, Sheila (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.05.2018
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Helle Nächte am Meer

Ihre Ehe ist perfekt, ihr attraktiver Ehemann trägt sie auf Händen, sie hat immer betont, wie glücklich sie ist: Als Imogen plötzlich verschwindet sind alle, die sie kennen, schockiert. Hinter der wohlgeordneten Fassade einer glücklichen Beziehung ist offenbar nichts, wie es scheint. Imogen weiß, dass sie einen Neuanfang wagen muss, um wieder die Frau zu sein, die sie einmal war, und sie hofft, im Süden Frankreichs, in dem kleinen Ort am Meer, in dem sie ihre Kindheit verbracht hat, zur Ruhe zu kommen. Aber die Vergangenheit ist ihr auf den Fersen, denn ihr Mann versucht mit aller Macht, sie zurückzuholen. Sheila O'Flanagan erzählt eine mitreißende Geschichte von Liebe und Verlust, von Träumen und Freundschaft und nimmt uns mit auf eine Reise ins Ungewisse, von Dublin über Paris bis an die französische Atlantikküste. Sheila O'Flanagan arbeitete viele Jahre sehr erfolgreich als Börsenmaklerin in Dublin, bevor sie ihre Lust am Schreiben entdeckte. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane veröffentlicht und ist in England und Irland eine gefeierte Bestsellerautorin. Nebenbei schreibt sie eine wöchentliche Kolumne in der Irish Times .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 500
    Erscheinungsdatum: 07.05.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458758334
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: The Missing Wife
    Größe: 4745 kBytes
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Helle Nächte am Meer

1. Kapitel

Imogen geriet in Panik, und zwar mitten in der Fahrgastschlange, die sich langsam in den Überlandbus zwängte. Der kalte Schweiß brach ihr aus, die weiße Baumwollbluse wurde auf dem Rücken ganz feucht, und sie stand da wie angewurzelt, eingeklemmt zwischen einem bunten Madiba-Hemd und einer ungeduldigen Pariserin, die alle fünf Minuten ihre Armbanduhr konsultierte. In genervtem Ton bedeutete die Frau ihr, sie solle um Himmels willen endlich einsteigen, aber Imogen stand reglos auf der untersten Stufe und umklammerte den Handlauf.

" S'il vous plaît ", zischte die Frau zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

"Entschuldigung", Imogen ging zur Seite, "gehen Sie ruhig vor."

Die Frau drängte sich an ihr vorbei, die restlichen Fahrgäste folgten, während Imogen vor der Tür stehen blieb und mit sich rang, ob sie tatsächlich einsteigen sollte.

"Madame?" Fragend sah der Busfahrer sie an.

"Ja", sagte sie zögernd. "Ja, ich ... ich komme."

Doch ihr klangen seine Worte im Ohr. Was hast du dir bloß dabei gedacht? Du kommst doch nie und nimmer allein zurecht. Du vermasselst es sowieso. Wie immer.

Sie blendete die Stimme aus. Er irrte sich. Sie würde die Sache nicht vermasseln. Denn sie hatte einen PLAN .

Mach dich doch nicht zum Narren . Wieder hörte sie ihn, während sie immer noch den Handlauf umklammerte.

Wenn sie sich an den PLAN hielt, würde sie sich nicht zum Narren machen. Er war narrensicher. Hoffentlich. Und den ersten Schritt hatte sie bereits erfolgreich bewältigt. Warum also sollte sie ihn nicht ganz durchziehen können? Außerdem war es zum Aussteigen jetzt zu spät.

Es ist nie zu spät.

Diesmal war es die Stimme ihrer Mutter, eine der vielen Plattitüden, die sie tagtäglich von sich gegeben hatte. Doch in diesem Fall stimmte es. Es war nicht zu spät. Noch konnte sie umkehren, ohne dass ihr Handeln allzu viele Konsequenzen nach sich zog. Irgendwie würde sie eine Erklärung zurechtbasteln.

Aber sie hatte doch nicht so lange an dem PLAN gefeilt, um ihn jetzt aufzugeben und mit einem Sack voller Ausreden heimzugehen! Trotzdem hatte sie die Wahl - weitermachen oder umkehren. Imogen hielt sich vor Augen, dass dies die Chance war, auf die sie gewartet hatte. Ihre erste Gelegenheit, den PLAN in die Tat umzusetzen. Wie würde sie sich fühlen, wenn sie sich die entgehen ließe?

Sie holte tief Luft und erklomm die Stufen.

Der Reisebus war bequem und klimatisiert - an diesem unerwartet schwülen Junitag eine wahre Wohltat. In der überfüllten Messehalle war es heiß gewesen und sie hatte die ganze Zeit ihr schweres, dunkelblaues Wollkostüm verflucht, in Vince' Augen die einzig angemessene Bekleidung für ihre Geschäftsreise nach Frankreich. Bei jedem Schweißausbruch an diesem Vormittag fragte sie sich allerdings, ob es am Kostüm lag oder daran, dass sie Angst davor hatte, ihr Vorhaben nun tatsächlich umzusetzen.

Sie ging durch die Sitzreihen. Weil sie so viele Leute vorgelassen hatte, gab es nur noch wenige Plätze. Sie setzte sich gleich auf den ersten freien, neben einen langbeinigen jungen Mann mit Ohrstöpseln, der sich eifrig durch die Playlist auf seinem Handy scrollte. Ein Student, schloss Imogen nach einem raschen Blick auf sein unrasiertes Gesicht, das T-Shirt mit Logo und die zerrissenen Jeans. Mit nostalgischer Wehmut dachte sie an ihre eigene Studienzeit, obwohl diese wohl eher atypisch gewesen war. Anders als die meisten ihrer Kommilitonen hatte sie weder reisen noch Erfahrungen sammeln wollen. Sie wollte Wurzeln schlagen, und zwar an einem Ort ihrer Wahl, nicht dort, wohin jemand anders sie verpflanzt hatte. Das war ihr sehr wichtig gewesen. Leider.

Sie lächelte den jungen Mann kurz an, der aber zu sehr mit seinem Smartphone beschäftigt war, um es zu bemerken./

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