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Herbstblüten und Traubenkuss Roman von Schilling, Emilia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.08.2019
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Herbstblüten und Traubenkuss

Als Mona unerwartet ihren Job verliert, bewirbt sie sich in einer Detektei. Ihre erste Aufgabe: Sie soll Oliver Feeberger ausfindig machen und ihn überreden, auf das großelterliche Weingut am Wiener Stadtrand zurückzukehren. Um zu verhindern, dass ein Nobelheuriger den familiären Buschenschank übernimmt, willigt Oliver ein - aber nur, wenn Mona die restliche Saison auf dem Weingut mitarbeitet. Obwohl in derselben Stadt, findet sich die junge Wienerin in einer neuen Welt wieder. Zwischen Weingärten, Heurigenausschank und Hofladen muss Mona erst ihren Platz suchen. Aber ist ihr Herz nicht schon längst angekommen? Emilia Schilling ist Ende zwanzig und lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in einem kleinen Ort in Niederösterreich. Bereits mit ihrem ersten Roman "Frühlingsglück und Mandelküsse" ist ihr ein Erfolg geglückt. Weitere Titel der Autorin sind bei Goldmann in Vorbereitung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 19.08.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641226114
    Verlag: Goldmann
    Größe: 1357 kBytes
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Herbstblüten und Traubenkuss

"Was sind Ihre Stärken, Fräulein Böse?"

Meine wohl größte Stärke ist es, in diesem Moment nicht an die Decke zu gehen.

Ich bin achtundzwanzig Jahre alt, und die Anrede Fräulein war vor vielleicht fünfzig Jahren angemessen. Vor fünfzig Jahren steckte mein Gegenüber aber sicher noch in den Windeln, weshalb er sich das ebenso sparen könnte wie die Art, meinen Nachnamen auszusprechen. Als hätte er drei "Ö" in der Mitte. Da werde ich erst recht böööse.

Statt diesem Herrn Kööönig meine Meinung zu sagen, lächle ich mit aller Kraft meiner Selbstbeherrschung und besinne mich auf die Worte, die ich mir genau für diese Frage zurechtgelegt habe.

"Zu meinen Stärken zählen Zahlenaffinität, eigenständiges Arbeiten und eine hohe Konzentrationsfähigkeit."

Meine Freundin Bianca, bei der ich vorübergehend untergekommen bin, wäre ebenso stolz, wie mein eigenes Spiegelbild es ist. Jene beiden Gesichter, vor denen ich für die bevorstehenden Vorstellungsgespräche geübt habe. Mal abgesehen von Biancas Kindern, die sich köstlich über unsere inszenierten Bewerbungen amüsierten. Da ich aber bis vor drei Wochen noch nie ein richtiges Vorstellungsgespräch geführt hatte, wollte ich mich bestens vorbereiten. Denn das ist das A und O meines Lebens. Planung, Vorbereitung und Konsequenz.

"Zahlenaffin, so, so." Herr Kööönig schiebt seinen ergrauenden Schnurrbart hin und her, während er auf den ausgedruckten Lebenslauf blickt, den ich mitgebracht habe. "Und Eigenständigkeit also." Er brummt, und ich habe gerade die Erkenntnis, dass er zumindest nicht taub ist. Was mich angesichts des Telefonats, das er zuvor geführt hat, erstaunt, denn sein Telefon ist auf die höchste Lautstärke gestellt, sodass ich sogar aus dem kleinen Warteraum vor dem Büro jedes Wort seines Gesprächspartners verstehen konnte.

Ich behalte mein - wie ich finde äußerst professionell wirkendes - Lächeln bei und warte eine weitere Reaktion ab. Bianca und ich haben befunden, dass der Begriff Eigenständigkeit besser klingt als die Erklärung, dass ich lieber allein statt in einem Team arbeite. Auch wenn für viele Firmen außer Frage steht, dass potenzielle Mitarbeiter des Alphabets mächtig sowie Teamplayer sein sollten.

"Eigenständigkeit ist gut", murmelt er und beginnt, mit seinen plumpen Fingern in den Unterlagen auf seinem unordentlichen Schreibtisch zu wühlen. Angesichts der sieben leeren Limonadenflaschen und der drei Burgerschachteln im Papierkorb neben seinem Schreibtisch kann ich mir gar nicht vorstellen, wie er stundenlang in ein Auto gequetscht ausharrt und jemanden observiert. Herr König (ich verzichte der Lesbarkeit wegen auf die weitere Ausführung der drei Ö - außer er nennt mich noch einmal Fräulein Böööse) ist nämlich seines Zeichens Privatdetektiv mit Schwerpunkt Personenbeschattung.

Nach einer Weile räuspert er sich, schiebt die Zettelwirtschaft vor sich zu einem ordentlichen Stapel zusammen und versucht sich an einem Lächeln, das misslingt. "Ich vermute, Sie haben sich für die Stelle als Buchhalterin beworben?"

Ist das eine Fangfrage?

Ich nicke. Nur ein Mal.

"Also, die Stelle ist schon besetzt." Er winkt ab, als sei das völlig klar. "Meine Nichte hat gerade die Matura an der Handelsakademie gemacht und ist wie geschaffen dafür."

Mir klappt der Mund auf. Aber nur ganz leicht, ich kann mich schließlich beherrschen. Auch angesichts der Tatsache, dass er die Buchführung seiner alteingesessenen Detektei einer neunzehnjährigen Schulabgängerin ohne Berufserfahrung anvertraut. Sehr schlau.

"Eigentlich suche ich noch eine Unterstützung für mich. Sozusagen einen Personal Assistent." Mit seinem starken Wiener Akzent klingt es eher wie Pörsönäl Ässistänt.

"Tatsächlich?" Ich bemühe mich, den Mund wieder zu schließen. In mir sträubt sich alles dagegen, einem Mann wie diesem zu assistieren. Was ich aber dringender brauche als einen kompetenten und sympathischen neu

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