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Herr Fliegenbein und die Suche nach der Stille Roman von Göpfrich, Astrid (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.11.2019
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
10,99 €
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Herr Fliegenbein und die Suche nach der Stille

Ein außergewöhnlicher Held und eine besondere Reise - humorvoll und inspirierend erzählt. Herr Fliegenbein ist extrem lärmempfindlich, der alltägliche Krach macht ihn verrückt: hupende Autos, das Geplauder der Kollegen, das laute Radio des Nachbarn. Ganz zu schweigen vom unerträglichen Lärm in Geschäften und U-Bahnen! Am liebsten sitzt er deshalb im Wohnzimmersessel vor seinem Lieblingsbild. Doch als ein Bauarbeiter mit der Abrissbirne aus Versehen ein Loch in die Wand reißt und das Bild zerstört, ist es mit Herrn Fliegenbeins Ruhe endgültig vorbei. Kurzentschlossen begibt er sich auf eine Reise zu den stillsten Orten der Welt. Doch weder im hohen Norden noch im Wald findet er die Stille, die er so sehnlich sucht. Bis er schließlich jenen Ort erreicht, an dem sein geliebtes Bild gemalt wurde. Dort kommt alles anders als gedacht ... Für die Leserinnen und Leser von Sergio Bambaren und François Lelord. Astrid Göpfrich studierte Literatur-, Medienwissenschaften und Kunst an den Universitäten Freiburg, Bremen und Osnabrück. Danach arbeitete sie als Kulturmanagerin, Hörbuchlektorin, Untertitlerin und Regisseurin von Hörproduktionen. Seit 2012 lebt sie als freie Autorin in Freiburg und genießt die unübertreffliche Stille beim Schreiben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 04.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492994576
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 2853 kBytes
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Herr Fliegenbein und die Suche nach der Stille

Der Lärm der Welt

Der Tag, an dem sich das Leben von Herrn Fliegenbein buchstäblich auf einen Schlag verändern sollte, war ein Montag. Wie immer war er am Morgen viel zu früh aufgestanden, um dem unerträglichen Schrillen seines Weckers zuvorzukommen, und hatte sich in seiner blassgelb gekachelten Küche ein bescheidenes Frühstück zubereitet.

Der Raum war nur spärlich eingerichtet: eine einfache Küchenzeile mit einer Spüle, einem alten Kühlschrank, der beständig vor sich hin brummte, und ein wenig benutzter und daher sehr blanker Herd. Den schlichten Holztisch, mit einer Wachstischdecke bekleidet, flankierten zwei Stühle, die Herr Fliegenbein in einem Secondhandkaufhaus erstanden hatte, falls doch einmal jemand zu Besuch käme. Aber natürlich kam niemand.

Über dem Tisch tickte seit Jahren die gleiche moosfarbene Keramik-Küchenuhr, die in einer Online-Auktion unter der Zuordnung Vintage sicher eine Menge Geld eingebracht hätte, wenn Herr Fliegenbein die Bedeutung dieses Wortes gekannt, geschweige denn zu Hause einen Computer gehabt hätte. Außerdem war die Küchenuhr immer etwas ihrer Zeit voraus, sodass er jeden Tag mühevoll auf einen der Küchenstühle klettern musste, um sie mit lang ausgestrecktem Arm vier Minuten zurückzustellen. Dabei wackelten die Stuhlbeine stets bedrohlich, sodass Herr Fliegenbein sich bereits am frühen Morgen der allergrößten Gefahr aussetzte, der er sich in seinem geordneten Dasein überhaupt auslieferte.

Zudem ging die Uhr am nächsten Morgen schon wieder vor. Doch er konnte keinesfalls darauf verzichten, die richtige Zeit einzustellen, da die Uhr ansonsten noch sehr viel mehr vorgegangen wäre. Unvorstellbar, dass sie dann innerhalb eines Monats eine Verfrühung von zwei vollen Sunden aufweisen würde, was auf das Jahr gerechnet einen Zeitverlust von einem ganzen Tag bedeutete!

Dennoch konnte er sich nicht dazu entschließen, eine neue Uhr zu kaufen, da sie ansonsten noch gut war. Noch gut bedeutete für Herrn Fliegenbein, dass sie keine abgeschlagenen Kanten aufwies, das Glas der Abdeckung intakt und die Zeiger der Uhr nicht verbogen waren. So etwas gab man nicht einfach in den Müll.

An diesem Morgen beschloss Herr Fliegenbein aber, das Zurückstellen der Uhr zu verschieben und zuerst zu frühstücken, was einer kleinen Revolution in seiner morgendlichen Routine gleichkam. Den Grund dafür hätte er später nicht mehr nennen können, vielleicht mochte das frische Glas Marmelade ihn dazu verleitet haben, das er am Samstagnachmittag gekauft hatte.

Ein frisches Glas Marmelade ist die Verheißung dafür, dass man etwas Neues beginnt, ging ihm, der Neues doch gar nicht schätzte, seltsamerweise durch den Kopf, als er das Glas auf den Tisch stellte.

Herr Fliegenbein öffnete den Deckel, versenkte seinen Löffel tief in den Fruchtaufstrich und belud die Scheibe Graubrot aus dem Discounter, die auf einem Melaninbrettchen lag, gerade so großzügig damit, dass die Butter darunter nicht mehr zu sehen war.

"Es geht nichts über selbst gemachtes Quittengelee", sagte er in den Raum hinein und erschrak über seine Stimme, die ein wenig rostig klang, weil sie das ganze Wochenende über nicht benutzt worden war. "Wichtig ist nur, dass absolut keine Klümpchen darin sind. Man darf dazu nur den Saft der ausgekochten Früchte verwenden."

Leider war sein Quittengelee nicht selbst gemacht, sondern stammte ebenfalls aus dem Discounter. Aber daran zu glauben, jemand habe sich die Mühe gemacht, für ihn reife Quitten zu pflücken, sie an einem Spätsommertag zu putzen und einzukochen und die Gläser auf einem Holzregal im Keller für den Winter aufzubewahren, sodass man ein wenig Staub wegpusten musste, wenn man es vom Brett nahm, täuschte ihn darüber hinweg, dass es in seiner Küche niemanden gab, der ihm das Marmeladenglas mit einem freudigen Lächeln über den Tisch zuschob. Es gab auch niemanden, der ihm das Glas grimmig

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