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Herrin des Nordens Historischer Roman von Marcus, Martha S. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.01.2016
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Herrin des Nordens

Ein mitreißendes historisches Epos aus dem Ende der Wikingerzeit. Handelsstadt Haithabu 1047: Die junge Ingunn schwärmt leidenschaftlich für den wenig älteren Torge, der aus England nach Dänemark gekommen ist. Hier beansprucht Torge eine Erbschaft, und hier bereitet er sich auf eine Zukunft als Krieger in Diensten des englischen Königs vor. Torges älterer Bruder Jon hingegen schätzt Verhandlungsgeschick mehr als Kriegslust. Um Torge zu beschützen, und obwohl er sich mittlerweile selbst in Ingunn verliebt hat, kehrt Jon jedoch mit seinem Bruder nach England zurück. Ingunn bleibt in ihrer geliebten Heimat. Und dann überfallen die Norweger Haithabu ... Martha Sophie Marcus, geboren 1972 im Landkreis Schaumburg, studierte Germanistik, Soziologie und Pädagogik und verbrachte anschließend zwei Jahre in Cambridge. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Lüneburg. Mit 'Herrin wider Willen', ihrem ersten Roman, feierte sie ein grandioses Debüt. Seitdem sind weitere historische Romane von ihr bei Goldmann erschienen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 736
    Erscheinungsdatum: 18.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641173869
    Verlag: Goldmann
    Größe: 1228 kBytes
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Herrin des Nordens

Prolog: 1026

W enn man aus großer Höhe auf die Stadt hinabblickte, wirkte Haithabu unbedeutend. Wie in einer flachen Schale aus Sand und Gras lag der Handelsplatz mit seinem Schutzwall in einer Gegend, die auf den ersten Blick keine Reichtümer versprach. Allenfalls die Fischer holten hier reiche Beute aus dem angrenzenden Noor und der Schlei - dem langen, schlanken Arm der Ostsee, der zum Hafen von Haithabu führte. Kaum siebenhundert Schritte musste man gehen, um die Siedlung auf dem Hauptweg zwischen ihren beiden Toren von Nord nach Süd zu durchqueren.

Munin hatte die Siedlungen der Griechen und Römer mit ihren prächtigen Bauten aus Stein in der vollen Blüte ihrer Macht gesehen. Die Erbauer dieser Städte hatten sie für eine Zeitspanne errichtet, die sie mit dem begrenzten Vorstellungsvermögen der Sterblichen für die Ewigkeit hielten.

Haithabu hingegen war von Menschen erbaut worden, die sich damit abfanden, dass alles vergänglich war.

Was nicht hieß, dass sie keine Sorgfalt walten ließen. Die Lage der Stadt, ihr durch Palisaden geschützter Hafen, die Wege aus Holzbohlen, die Brunnen, Werkstätten und Lagerhäuser waren wohldurchdacht.

Zwischen den Meeren lag der Ort: wie ein starkes Herz, das beiden diente - der Ostsee und der Nordsee. Der größte Teil aller Güter und Reisenden, die auf dem Seeweg von Ost nach West und von West nach Ost unterwegs waren, verweilte in Haithabu. Von der Ostsee her führte die Schlei als gut schiffbarer Wasserweg hierher, von der Nordsee aus die Flüsse Eider und Treene bis nach Hollingstedt. Auf dem unbequemen Landweg galt es nur das kurze Stück zwischen Hollingstedt und Haithabu zu überwinden, dann hatte man sich den langen, gefährlichen Seeweg um Dänemark herum erspart.

Doch auch der alte Ochsenweg, der die südlich gelegenen Länder der Franken, Sachsen und Slawen mit dem dänischen Norden verband, verlief unweit des Handelsplatzes und machte ihn damit zu einer Kreuzung für Warenströme aus allen Richtungen. Pelze und Seehundhäute, Walfett und Schleifsteine, geraubte Menschen, Wein, Töpferwaren, Goldschmuck und Silber ... Es gab wenig, was nicht in Haithabu gehandelt wurde.

Jedermann wusste also, wie wichtig die Stadt war. Dennoch würde das Holz der Wege, Stege, Zäune und Wände, wie es einst aus der Erde gewachsen war, so auch wieder in der Erde versinken und vergehen.

" Sein Schicksal kenne keiner voraus,

So bleibt der Sinn ihm sorgenfrei. "

So lautete Odins Rat, und Munin ging er oft durch den Sinn.

Gut war es, dass die Kaufleute, Weberinnen und Fischer, die Seefahrer, Holzschnitzer und Goldschmiedinnen von Haithabu ihre Zukunft nicht kannten.

Er ließ sich tiefer herabsinken, bis er einzelne Schilfhalme auf den rauchverhüllten Reetdächern unterscheiden konnte. Dann folgte Munin einem jungen Mann zum Hafen, von dem er wusste, dass er Sigmund hieß, ohne dass er ihn danach hätte fragen müssen.

Sigmund feierte an diesem Tag aus mehreren Gründen, und er hatte bereits bei Tagesanbruch damit angefangen. Die Planken des Bootsanlegers schwankten daher bedenklich unter seinen Füßen, als er sie betrat. Doch er tröstete sich damit, dass er in seinem Leben schon stärker berauscht gewesen war, ohne zu stürzen. Im Gedränge der Schaulustigen, die sich auf der breiten Schiffslandebrücke versammelt hatten, suchte er nach dem besten Platz, von dem aus er das Geschehen auf dem benachbarten Anleger verfolgen konnte.

Er war hochgewachsen und kräftig und trug voller Stolz die Waffen, die er von seiner ersten großen Schlacht mit in die Stadt gebracht hatte. Seine Erscheinung flößte Respekt ein, deshalb wichen ihm weniger angesehene Männer, Weiber und Gesinde aus. So fiel es ihm leicht,

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