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Herz über Hof von Oberauer, Angelika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.02.2016
  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Herz über Hof

Verena leidet immer noch sehr unter der Trennung von ihrem Freund Michael, der das Dorf verlassen hat. Da begegnet ihr der junge, wohlhabende Bauer Hubert, der ernstes Interesse an ihr zeigt. Sie werden ein Paar und Verena beginnt, an eine gemeinsame Zukunft zu glauben. Hubert ist ehrgeizig. Er hat die Viehwirtschaft auf seinem Hof aufgegeben und schicke Zimmerappartements einrichten lassen. Nun plant er den Bau eines Sessellifts mit dazugehörigem Restaurant. An die Natur denkt er dabei nicht. Dies bemerkt auch Verena, die sich immer weniger mit den Plänen ihres ehrgeizigen Freundes identifizieren kann. Da trifft sie erneut auf Michael. Sofort bekommt sie wieder Herzklopfen. Für wen wird Verena sich entscheiden?

Angelika Oberauer schrieb schon als Kind leidenschaftlich gerne Gedichte und Geschichten. Seit Jahren ist sie als Autorin von Heimat- und Schicksalsromanen erfolgreich tätig. Im Rosenheimer Verlagshaus veröffentlichte sie bisher die Lebenserinnerungen ihrer Mutter mit dem Titel 'Ins warme Licht der Freiheit' und die Heimatromane 'Kein anderes Leben' und 'Das Geheimnis auf der Alm'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 197
    Erscheinungsdatum: 24.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475545726
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 1436kBytes
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Herz über Hof

1

Karlstein erschien Verena heute wie ausgestorben. Die Bewohner hatten sich anscheinend an diesem extrem heißen Augusttag in ihren Häusern verkrochen. Nur ein paar emsige Bauern trotzten der Hitze und fuhren ihr Heu ein.

Verena öffnete das Küchenfenster, das in den etwas aufsteigenden Garten hinausging. Ein süßer und zugleich würziger Duft strömte herein. Ihr Blick glitt über den Garten zu den über den Hügel verstreut liegenden Bauernhäusern. Sie meisten standen schon seit Jahrhunderten hier, in ihrer niedrigen geduckten Bauweise mit kleinen Fenstern und Holzfassaden, andere waren modernisiert worden, aber keines dieser Bauernhäuser hatte einem Neubau weichen müssen.

Es gefiel ihr in Karlstein, trotz dieser Einsamkeit. Das Haus, in dem sie lebte, stand auch schon seit ewigen Zeiten. Ihre Eltern hatten es vor zwanzig Jahren ein wenig umgebaut. Es war in der Gegend als das "Jagerhaus" bekannt und war bereits von Verenas Urgroßvater bewohnt worden, der ebenfalls Jäger gewesen war, wie der Sohn und später auch der Enkel. Diese Weitervererbung des Jägerberufs von Generation zu Generation schien nun allerdings ein Ende zu haben. Verena war das einzige Kind ihrer Eltern, und sie hatte beruflich eine andere Richtung eingeschlagen. Sie arbeitete in Berchtesgaden als Tourismusfachangestellte. Sie wusste, dass sie mit diesem Beruf die richtige Wahl getroffen hatte, denn sie ging jeden Tag gern zur Arbeit. Dabei kam sie in die Kleinstadt, traf mit Gästen und Kollegen zusammen, was ihr guttat und ihrer aufgeschlossenen Natur entsprach.

Verena streckte ihre nackten müden Beine aus. Diese waren schlank und gebräunt. Sie wurde sehr schnell braun, manchmal wie ein "Neger", wie sie anderen gegenüber scherzhaft übertrieb.

Verena Gesichtsausdruck veränderte sich allmählich, wurde noch weicher und nachdenklicher, aber auch ein kleiner, wehmütiger Zug spielte nun um ihre vollen Lippen. Sie dachte an Michael, an ihre erste Liebe. Warum kam er ihr gerade jetzt in den Sinn? Sie hatte wochenlang kaum mehr an ihn gedacht. Sie schien ihn wirklich schon vergessen zu haben, und jetzt, plötzlich, sah sie wieder sein schmales, markantes Gesicht vor sich, die immer ein wenig fragend blickenden dunkelbraunen Augen. Seine letzte SMS hatte sie Weihnachten erhalten. Sie hatte ihm wieder nicht geantwortet und daraufhin nichts mehr von ihm gehört. Es war zu Ende. Endgültig. Eineinhalb Jahre lang hatte er versucht, mit ihr in Kontakt zu bleiben. Verena hatte es nicht fertiggebracht, mit ihm freundschaftlich verbunden zu bleiben. Dazu hatte sie ihn zu sehr geliebt. Sie hatte ihn als Mann, nicht als guten Freund gewollt.

Jetzt war es vorbei, sie konnte an ihn denken, ohne dass ihr dabei das Herz schwer wurde und ihr die Tränen in die Augen traten. Sie konnte sich nun auch ganz ohne Seelenschmerz daran erinnern, wie sie ihn kennengelernt hatte, wie er ihr Herz vom ersten Augenblick an, da sie ihn sah, erobert hatte. Es war beim Feuerwehrfest gewesen beim ersten Mal, als sie in Karlstein ausging, und er war ihr sofort aufgefallen. Er hatte sie zum Tanzen aufgefordert, und es hatte gleich zwischen ihnen gefunkt. Das war nun vier Jahre her. So lange lebte sie nun in Karlstein bei ihrem Vater.

Die drückende Hitze wurde langsam durch einen erfrischenden, angenehmen Wind verscheucht. Er streifte ihr Gesicht und kühlte ihre erhitzten roten Wangen. Sie hatte heute ihren freien Nachmittag. Sie war nach der Arbeit zum Thumsee gefahren, doch der Parkplatz war so überfüllt gewesen, dass sie nirgends eine Möglichkeit gefunden hatte, ihren kleinen Wagen irgendwo abzustellen. Genervt war sie wieder heimgefahren und hatte die nächsten Stunden im Haus verbracht, denn sogar im Garten war es ihr zu heiß gewesen.

Sie verschränkte die Arme im Nacken und starrte ins Freie. Ihre Gedanken wanderten zu Michael zurück. Zwei Jahre waren sie ein Paar gewesen. Dann war Michaels Mutter gestorben, und von einem Tag zum anderen w

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