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Hexensaat von Atwood, Margaret (eBook)

  • Erschienen: 17.04.2017
  • Verlag: Knaus
eBook (ePUB)
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Hexensaat

Alles ist Illusion - Margaret Atwoods Verneigung vor dem großen Bühnenmagier William Shakespeare
Felix ist ein begnadeter Theatermacher und in der Szene ein Star. Seine Inszenierungen sind herausfordernd, aufregend, legendär. Nun will er Shakespeares 'Der Sturm' auf die Bühne bringen. Das soll ihn noch berühmter machen - und ihm helfen, eine private Tragödie zu vergessen. Doch nach einer eiskalten Intrige seiner engsten Mitarbeiter zieht sich Felix zurück, verliert sich in Erinnerungen und sinnt auf Rache. Die Gelegenheit kommt zwölf Jahre später, als ein Zufall die Verräter in seine Nähe bringt.
In ihrem brillanten Roman schafft die große kanadische Autorin Margaret Atwood mit der Figur des Theaterdirektors Felix ein würdiges Pendant zu Shakespeares Prospero aus 'Der Sturm', jenes Zauberers, der als ein Selbstporträt des alternden Barden aus Stratford-on-Avon gilt.

Margaret Atwood, geboren 1939, ist unbestritten eine der wichtigsten Autorinnen Nordamerikas. Ihre Werke liegen in über 20 Sprachen übersetzt vor und wurden national wie international vielfach ausgezeichnet. Neben Romanen verfaßt sie auch Essays, Kurzgeschichten und Lyrik. Margaret Atwood lebt in Toronto.

Produktinformationen

    Größe: 2306kBytes
    Herausgeber: Knaus
    Untertitel: Roman
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 320
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783641161439
    Erschienen: 17.04.2017
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Hexensaat

2. Meine Zauber wirken

Dieser heimtückische, hinterhältige Scheißkerl Tony ist Felix' eigene Schuld. Oder größtenteils seine Schuld. Im Laufe der letzten zwölf Jahre hat er sich häufig selbst kasteit: Er hat Tony zu viel Spielraum gelassen, er hat ihn nicht kontrolliert, hat ihm nicht über die geschniegelte, gepolsterte, nadelstreifengewandete Schulter geschaut. Er hat nicht auf die Warnzeichen geachtet, wie jeder andere halbwegs klar denkende Mensch es vielleicht getan hätte. Schlimmer noch: Er hat diesem bösartigen Aufsteiger, diesem machiavellistischen Speichellecker vertraut. War auf ihn hereingefallen: Lass mich das für dich erledigen, delegier das, schick mich stattdessen. Was für ein Idiot er gewesen war.

Seine einzige Entschuldigung war, dass seine Trauer ihn damals abgelenkt hatte. Kurz zuvor hatte er sein einziges Kind verloren, und das auf so schreckliche Weise. Hätte er nur, hätte er nur nicht, wenn er nur darauf geachtet hätte ...

Nein, es war immer noch zu schmerzhaft. Denk nicht darüber nach, sagt er sich, als er sein Hemd zuknöpft. Verdräng es, so gut du kannst. Tu so, als wäre es nur ein Film.

Selbst wenn es dieses mit einem Nachdenkverbot belegte Ereignis nicht gegeben hätte, er wäre höchstwahrscheinlich dennoch in die Falle getappt. Er hatte sich angewöhnt, Tony das Kommando über den prosaischen Teil der Veranstaltung zu überlassen, denn schließlich war Felix der künstlerische Leiter, wie Tony ihm immer wieder ins Gedächtnis rief, und auf dem Gipfel seiner Möglichkeiten, zumindest wurde das von den Kritikern immer wieder behauptet; deshalb sollte er sich höheren Zielen widmen.

Und das hatte er auch getan. Um die prächtigste, schönste, ehrfurchtgebietendste, einfallsreichste, numinoseste Theatererfahrung aller Zeiten zu schaffen. Um die Messlatte bis zum Mond hochzusetzen. Um jede Inszenierung zu einem Erlebnis zu machen, das kein Zuschauer jemals vergessen würde. Um das kollektive Atemanhalten, den kollektiven Seufzer zu beschwören, und ein Publikum, das später, beim Hinausgehen, ein wenig schwankte, als hätte es zu viel getrunken. Um das Makeshiweg-Festival zum Maß all dessen zu machen, woran mindere Theaterfestivals gemessen würden.

Das waren hochgesteckte Ziele.

Um sie zu erreichen, hatte Felix die fähigsten Helferteams zusammengestellt, die er durch gutes Zureden gewinnen konnte. Er hatte die Besten angeheuert, hatte die Besten inspiriert - beziehungsweise die Besten, die er sich leisten konnte. Er hatte die Technikgnome und -kobolde, die Beleuchter, die Tontechniker handverlesen. Er hatte die meistbewunderten Bühnen- und Kostümbildner seiner Zeit abgeworben, zumindest die, die sich hatten abwerben lassen. Jeder von ihnen musste ein Meister seiner Zunft sein oder noch besser. Wenn möglich.

Dafür hatte er Geld gebraucht.

Das Geld aufzutreiben war Tonys Aufgabe gewesen. Eine Handlangerarbeit: Das Geld war nur Mittel zum Zweck, der Zweck Transzendenz. Das hatten sie beide verstanden. Felix, der Zauberer und Wolkenkutscher, und Tony, das erdenschwere Faktotum, der Goldschürfer. Das war ihnen angesichts ihrer jeweiligen Talente als die angemessene Aufgabenteilung erschienen. Wie Tony selbst es ausgedrückt hatte, sollte jeder das tun, was er am besten konnte.

Idiot, schimpft Felix sich selbst. Er hatte nichts verstanden. Und was den Gipfel seiner Möglichkeiten anbetraf: Der Gipfel ist immer gefährlich. Vom Gipfel aus kann der Weg nur abwärtsführen.

Tony war allzu sehr darauf erpicht gewesen, Felix von den verhassten Ritualen zu befreien, wie zum Beispiel Cocktailpartys zu besuchen, Sponsoren und Förderern Honig um den Mund zu schmieren, freundschaftlichen Kontakt mit dem Präsidium zu pflegen und auf diversen Regierungsebenen Subventionen zu beschaffen und effektive Berichte zu schreiben. Somit - sagte Tony - konnte Felix sich den Dingen widmen, die wirklich zählten, wie zum

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